„Eine merkwürdige Rechtsfigur“

Der Angeklagte im „Ehrenmord“-Prozess im Landgericht Braunschweig. Leser Udo Dittmann kritisiert die Arbeit des Anwalts.

Der Angeklagte im „Ehrenmord“-Prozess im Landgericht Braunschweig. Leser Udo Dittmann kritisiert die Arbeit des Anwalts.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Zu „Verteidiger im „Ehrenmord“-Prozess: Ist Angeklagter überhaupt schuldfähig?“ vom
10. Dezember:

Es gibt schon abenteuerliche juristische Konstruktionen, mit denen Anwälte sich für ihre Mandanten einsetzen, um Straffreiheit oder Strafmilderung zu bewirken. Natürlich ist das ihr gutes Recht, auch wenn es manchmal mit Rechtsempfinden wenig zu tun hat. Eine solche merkwürdige Rechtsfigur scheint im aktuellen „Ehrenmord“-Prozess vorzuliegen, wenn die Verteidiger die volle Schuldfähigkeit des Angeklagten bezweifeln – aber nur für den Fall, dass das Gericht ihren Mandanten als Täter für überführt hält. Merkwürdige juristische Konstruktionen gab es schon in NS-Prozessen, zum Beispiel wenn Euthanasie-Ärzte wegen eines „unvermeidlichen Verbotsirrtums“ freigesprochen wurden oder wenn der Verteidiger im Auschwitz-Prozess den SS-Leuten an der Rampe in Auschwitz bescheinigte, die Selektion hätte der Lebensrettung gedient. Man muss nicht alle Konstruktionen von Anwälten akzeptieren, schließlich geht es um Recht und nicht um Strategie. Die Opfer sollten dabei aber nicht vergessen werden.

Udo Dittmann, Braunschweig

„Sozial“ ein Schimpfwort?

Zu „Ist die SPD jetzt zu links für die GroKo?“ vom 9. Dezember:

Die Koalition ist eine Katastrophe!

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will den Koalitionspartner dazu bringen, sich artig zu verhalten, sonst gibt es keine Grundrente. Solch ein Verhalten ist nicht nur respektlos, man muss es benennen wie es ist: Es ist asozial!

Asozial ist auch, wenn Unternehmenssteuern gesenkt werden sollen und der Soli gänzlich gestrichen werden soll, obwohl doch eine Einigung erzielt wurde. Darüber kann verhandelt werden, über Umschichtung der Gelder im Sozialbereich nicht? Die Frage, wer das bezahlen soll, ist doch ein Scheinargument. Es beschleicht mich das Gefühl, dass das Wort „Sozial“ ein Schimpfwort geworden ist.

Vico-René Segers, Braunschweig

Schwimmunterricht statt Religion!

Zu „Jeder dritte Zehnjährige in unserer Region kann nicht schwimmen“ vom 10. Dezember:

Niemand kann über’s Wasser laufen. Deshalb Schwimmunterricht statt Religion und Bädersanierung statt Kirchenfinanzierung!

Peter Koch, Vordorf

Natürlich hat der Tannenbaum Nadeln

Zur Kolumne „Dark Mode – Gesang schief, Text Unsinn“ vom
7. Dezember:

Das Konzept so mancher Dinge erschließt sich Herrn Engel eventuell deswegen nicht, weil diese zu einfach, aber trotzdem logisch und sinnvoll sind.

Die Gewürze Koriander und Ingwer sollen eine gewisse Geschmacksnote verleihen. Gemüse wie Rosenkohl dient uns mit wertvollen Nährstoffen. Der Mehrwert selbstreferenzieller Selfies erschließt sich nicht immer, muss er aber auch nicht zwingend und im Straßenverkehr darf jeder so langsam fahren, wie er möchte.

Hervorragende Komponisten haben uns Lieder und Chorwerke hinterlassen, die noch immer gesungen werden. Diese klingen nicht schief und sind nicht blödsinnig. Nicht jeder hat eine ausgebildete Singstimme, trotzdem darf jeder singen. Und natürlich hat der Tannenbaum keine Blätter, sondern Nadeln. Ein blödsinniger Text ist es dennoch nicht, schließlich haben sich auch Goethe, Schiller und Hölderlin dichterische Freiheiten erlaubt.

Im kalten, trostlosen Januar,
wenn jeglicher Glanz verschwunden ist, erlebt Herr Engel gewiss seine schönste Jahreszeit. Dieser Mann kann einem wirklich leidtun.

Lieselore Grosse, Wolfenbüttel

Ist unsere Demokratie wirklich so schlecht?

Zum Leserbrief „Kleine Korrekturen reichen nicht mehr“ vom 11. Dezember:

30 Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur fordern Leser eine sozialistische Öko-Diktatur für soziale Gleichheit, Abschaffung des Kapitals und zur Rettung des Klimas. Ist unsere Demokratie wirklich so schlecht, sind wir in 70 Jahren Bundesrepublik nicht insgesamt gut damit gefahren? Kommt die Benachteiligung sozial Schwacher nicht eher von der vielgelobten Globalisierung, die auch uns niedrige Preise beschert?

Hans Jürgen Wienroth, Schwülper

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