Meinung

Brot statt Böller?

Haben Sie schon einmal eine Aufnahme der Erde bei Nacht gesehen? Weite Teile Afrikas und Lateinamerikas bleiben im Dunkeln. 1,3 Milliarden Menschen auf der Erde haben keinen Zugang zu Strom. Eine Aufnahme in der Silvesternacht würde die Unterschiede sicherlich noch deutlicher machen. Der Unterschied zwischen reichen und armen Ländern macht sich jedoch nicht nur am Zugang zu Strom fest. 98 Prozent der knapp eine Milliarde hungernden Menschen leben in armen Ländern. Umgekehrt liegt der jährliche Pro-Kopf-Fleischverbrauch in reichen Ländern mit 82 Kilo um 69 Kilo höher als in Subsahara-Afrika. Bei uns werden auch mehr Nahrungsmittel verschwendet. 95 bis 115 Kilo Nahrungsmittel pro Kopf in Nordamerika und der EU stehen nur sechs bis elf Kilo in Subsahara-Afrika und Südasien gegenüber.

„Brot statt Böller“ scheint nicht die naheliegende Antwort auf diese Problematik zu sein. Die Zahlen machen deutlich, dass eine Reduzierung unseres Fleischkonsums und eine Veränderung unseres Konsumverhaltens hierzulande erforderlich sind, damit auch im Jahr 2050 genug Nahrungsmittel für alle da sind. Der verschwenderische Einsatz von Nahrungsmitteln für „Biosprit“ muss ebenso revidiert werden. Menschen hungern aber derzeit mehrheitlich, weil sie sich Nahrungsmittel nicht leisten können oder wie kleinbäuerliche Familien zu wenig Land haben oder nicht genug produzieren, um ihre Familien ernähren zu können. Sie stellen neben Frauen die größte Gruppe der Hungernden dar. Nur wer spezifisch Kleinbauern und Kleinbäuerinnen fördert und schützt, kann ihre Ernährungssituation wirksam verbessern und die Sicherung der Welternährung auch im Jahr 2050 sicherstellen.

Also doch „Brot statt Böller“, das heißt mit Spenden Projekte zur Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft unterstützen? Natürlich sind Oxfam und andere Entwicklungsorganisationen für ihre Arbeit auf die Spenden von solidarischen Bürgern und Bürgerinnen angewiesen, aber das gilt allgemein und sollte einem nicht die Freude am Feiern in der Silvesternacht nehmen. Wie viel ihnen diese Freude wert ist, muss jede/r selbst entscheiden. Wir würden uns allerdings freuen, wenn immer mehr Menschen uns unterstützen, politisch Druck auf unsere Bundesregierung auszuüben, damit sie den Hunger wirksam bekämpft. Dafür müssen die strukturellen Ursachen von Hunger angegangen werden, zum Beispiel die mangelnde Unterstützung von kleinbäuerlichen Familien, Verbesserung ihres Zugangs zu Land und Wasser, der Ausbau der Beratung in agrar-ökologischen, klimaverträglichen Anbauverfahren sowie die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Land- und Förderpolitik. Damit alle genug zu essen haben!

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