Stresstest im Osten

„Um die AfD irgendwann wieder kleiner zu kriegen, müssen CDU und SPD Erfolge vorweisen, die die Menschen spüren.“

Die AfD hat die Sozialdemokraten so richtig auf die Palme gebracht. Die Rechtspopulisten haben im Brandenburger Landtagswahlkampf das Konterfei von Willy Brandt mit dessen berühmter Maxime „Mehr Demokratie wagen“ auf Plakate gedruckt. Die ostdeutschen SPD-Spitzenfrauen Manuela Schwesig und Franziska Giffey produzierten flugs ein Video, in dem beide den schamlosen Akt von rechts verdammen. Der kurze Anti-AfD-Film endet damit, dass die beim eigenen Parteivorsitz so verzagten Hoffnungsträgerinnen kichernd im Ostseewind „Wir sind Willy“ aufsagen. Bei allem Verständnis für die angeknackste
SPD-Seele: Muss man wirklich über jedes Stöckchen springen?

Die Brandenburger AfD mit ihrem Rechtsausleger Andreas Kalbitz steht in Meinungsumfragen derzeit nicht ganz vorne, weil sie geschmacklosen Schabernack mit dem Brandt-Schatz betreibt. Die Partei schafft das, was über zwei Jahrzehnte der PDS/Linkspartei gelungen war. Sie sammelt die Enttäuschten ein.

Nach der Einheit wurden viele Fehler gemacht. Die Angleichung der Ost- an die Westen-Renten hätte früher kommen müssen. Die Rasenmäher-Methode der Treuhand war kein Ruhmesblatt für die westdeutschen Politiker.

Um die AfD irgendwann wieder kleiner zu kriegen, müssen CDU und SPD darüber hinaus Erfolge vorweisen, die die Menschen spüren. Die in der Koalition umkämpfte Grundrente würde vielen ostdeutschen Frauen mit kleinen Renten sofort zugute kommen. Das könnte helfen, der AfD das Wasser abzugraben. Das gilt auch für die Infrastruktur. Internet und Handyempfang sind vielerorts ein Witz. Ebenso der Regionalverkehr der Bahn.

Für Weltuntergangsstimmung gibt es jedoch keinen Grund. In Brandenburg und Sachsen werden voraussichtlich mindestens 70 Prozent Parteien der Mitte wählen. Die AfD ist nicht DER Osten.

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