Bürger nicht überfordern

„Deutschland geht einen bemerkenswerten Schritt,und das ist gut so.“

Die Tinte unter der gemeinsamen Erklärung des Klimakabinetts ist noch nicht trocken, da wollen die Grünen die Maßnahmen im Klimapaket gleich noch einmal verschärfen. Mit guten Umfragen im Rücken und Hunderttausenden Umweltfreunden auf den Straßen „geht da noch was“, mag man sich in der grünen Parteiführung gesagt haben. Wenn das mal kein Trugschluss ist.

So wie nicht jeder Einwanderungsskeptiker automatisch AfD wählt, ist nicht jeder Demonstrant vom vergangenen Freitag automatisch ein Grüner. Und wer jetzt versucht, im Bundesrat mit einem Vetorecht das beschlossene Paket auszuhebeln und mehr zu wollen, überfordert sicher viele Menschen. Es ist doch kein schlechtes Zeichen, wenn eine deutliche Mehrheit der Bürger die meisten der beschlossenen Maßnahmen gut findet – obwohl man weiß, dass sie am Ende bares Geld kosten.

Dieser erste Trend zeigt, dass die Deutschen offenbar doch nicht nur reden, sondern tatsächlich bereit sind, zu handeln. Das ist eine gute Basis für die nächsten notwendigen Schritte und ein beeindruckendes Signal an die ganze Welt. Daher wäre es ein Fehler, jetzt gleich draufzusatteln und die Akzeptanz vieler Bürger für eine notwendige Veränderung zu zerstören.

Deutschland geht einen bemerkenswerten Schritt, und das ist gut so. Das sollten auch die Grünen wertschätzen und sich konstruktiv zeigen. Oder hat da jemand Sorge, dass ihm das Gewinnerthema abhandenkommt, wenn der politische Gegner in Sachen Umweltschutz auf Zustimmung trifft? Sollte das so sein, sei daran erinnert: In den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen nach der Bundestagswahl waren manche grünen Positionen überraschend schnell geräumt. Viel schneller als einigen Grünen-Wählern lieb war. Wer gefühlt schon an der Macht ist, tut sich offenbar leichter mit Kompromissen.

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