Contra

Ein Verbot ist grundfalsch!

Um es vorweg zu sagen: Ich persönlich kann der Böllerei nichts abgewinnen. Das ist ungünstig, wenn man in einer Stadt lebt, die sich jedes Jahr an Silvester in ein gefühltes Kriegsgebiet verwandelt. Geknallt wird, was das Zeug hält, gern auch mit in Polen erworbenen illegalen Doppelt-so-laut-Chinakrachern. Den letzten Jahreswechsel habe ich deshalb lieber an der Ostsee verbracht.

Trotzdem halte ich den Versuch der SPD-geführten Bundesländer, im Zuge der neuen Corona-Regeln in diesem Jahr das Feuerwerk ganz zu verbieten , für völlig falsch. Schon die Begründung klingt nicht überzeugend. Im Vergleich zu den Corona-Demonstrationen dürfte das Infektionsrisiko, wenn sich an Silvester kleine Menschengruppen im Freien zu einer kurzen Knallerei treffen , überschaubar sein. Auch die Entlastung des Gesundheitssystems durch ein Verbot ist wohl eher begrenzt. Es wird selbst ohne Böller zu vielen Unfällen durch Alkohol kommen.

Am wichtigsten aber finde ich den psychologischen Effekt der Böllerei: Ursprünglich diente sie dazu, symbolisch die bösen Geister des alten Jahres zu vertreiben. An diesem Silvester dürfte das Bedürfnis vieler Menschen, 2020 lautstark zum Teufel zu wünschen, besonders groß sein. Sie alle haben ein Dreivierteljahr zahlreiche Einschränkungen hinnehmen müssen. Weitere harte Monate stehen bevor. Gerade deshalb sollte man ihnen nicht auch noch das Gefühl eines „richtigen“ Silvesters rauben.

Lesen Sie hier das Pro zum Thema: Vorsicht ist am wichtigsten

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