Wolfsburgs Angst

„Aus der Perspektive unserer Region ist die Aufwertung der Komponente gut. Befinden sich doch in Braunschweig und Salzgitter Komponentenfabriken.“

Nun darf Weihnachten kommen. Kurz vor dem Fest der Liebe hat der VW-Aufsichtsrat den Burgfrieden wieder hergestellt. Konzernchef Herbert Diess kann die Vorstandsressorts Finanzen und Einkauf mit seinen Kandidaten besetzen, durch die Schaffung des Ressorts Technik im Konzernvorstand erhält die Komponente ein bis dato nicht bekanntes Gewicht in der Konzernleitung – was den Ansprüchen des Betriebsrats entspricht. Dass das Superressort von Komponenten-Chef Thomas Schmall geleitet wird, festigt den Burgfrieden zusätzlich. Schmall wird ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat nachgesagt.

Aus der Perspektive unserer Region ist die Aufwertung der Komponente gut. Befinden sich doch in Braunschweig und Salzgitter Komponentenfabriken, die Tausenden Arbeit bieten. Positiv ist ebenfalls, dass das Werk Wolfsburg eine „richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektro-Fahrzeugen“ werden soll. Damit wird ebenfalls eine Forderung des Betriebsrats erfüllt.

Bisher ist die Perspektive Wolfsburgs mau: Golf und Tiguan verkaufen sich schleppend. Um die Auslastung zu erhöhen, soll zusätzlich ein großes SUV gebaut werden – was nicht mehr in die Zeit passt. Kurz gesagt: Die Zukunft findet aktuell außerhalb Wolfsburgs statt. Das besorgt viele – in der Produktion und in der Technischen Entwicklung. Dass die neue Car-Software-Organisation, die ein standardisiertes Betriebssystem für die Konzern-Modelle entwickeln soll, in Ingolstadt und nicht in Wolfsburg angesiedelt wird, ist eine Bestätigung ihrer Befürchtungen.

Ohnehin steigt wegen bekannter Probleme wie Misstrauen und Angst die Unzufriedenheit in der Belegschaft, wie zu hören ist. Diese Stimmen müssen von Vorstand und Betriebsrat gehört werden, bevor der nächste Flächenbrand auflodert.

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