Niedersachsen: Zehn-Jahres-Tief bei Wohnungseinbrüchen

Hannover.  Niedersachsen legt die Kriminalstatistik 2018 vor - und will Taten mit Stichwaffen genauer analysieren und bekämpfen.

Der Innenminister lobte seine Polizei und auch jene Bürger, die ihre Wohnungen und Häuser besser vor Einbrechern schützten als früher.

Der Innenminister lobte seine Polizei und auch jene Bürger, die ihre Wohnungen und Häuser besser vor Einbrechern schützten als früher.

Foto: dpa

Der Innenminister lobte seine Polizei und auch jene Bürger, die ihre Wohnungen und Häuser besser vor Einbrechern schützten als früher. „Der positive Trend bei der Kriminalitätsstatistik 2017 hat sich auch 2018 weiter fortgesetzt“ , sagte Boris Pistorius (SPD) zu den Zahlen für das Jahr 2018. In vielen Deliktsfeldern gebe es sogar die niedrigsten Werte der vergangenen zehn Jahre oder sogar darüber hinaus, betonte Pistorius.

Dass es sich in Niedersachsen vergleichsweise sicher lebt, versuchte Pistorius mit der sogenannten Häufigkeitszahl zu belegen. Bei der Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner landete Niedersachsen laut Pistorius beim niedrigsten Wert seit 1980 und unter dem Bundesschnitt. Die Zahl der erfassten Straftaten insgesamt sank 2018 um fast 20 000 Fälle, laut Ministerium knapp vier Prozent. Pistorius hob besonders die Entwicklung beim Thema Wohnungseinbrüche hervor. „Wir hatten 2018 etwa ein Drittel weniger Taten als noch drei Jahre vorher. Das ist gleichzeitig ein 10-Jahres-Tief“, so der Minister. Zum einen würden immer mehr Menschen Haus oder Wohnung effektiver schützen. Vier von zehn Einbrüchen blieben so mittlerweile im Versuch stecken. Die Polizei hatte allerdings auch spezielle Ermittlergruppen eingesetzt, die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Bundesländern verbessert und eine Software zur Risikoanalyse eingesetzt.

Auch die Straftaten gegen das Leben sanken - allerdings auch deshalb, weil die Mordserie des Oldenburger „Todespflegers“ statistisch 2018 nur noch mit wenigen mutmaßlichen Taten einfloss. Die Zahl der Diebstähle, die insgesamt ein Drittel der bekannt gewordenen Straftaten ausmachen, sank ebenfalls. Dagegen stieg die Zahl der Sexualdelikte, vor allem weil das Strafrecht um sexuelle Belästigung verschärft worden war. Es gab allerdings auch mehr Vergewaltigungen. Zwar wurden weniger Polizeibeamte Opfer von Gewalt, Rettungskräfte der Feuerwehr und andere Helfer waren allerdings öfter Angriffen ausgesetzt. „Es ist wichtig, dass die Justiz hier klare Kante zeigt und die Angreifer bestraft werden“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff. Im Jahr 2017 sei mit Inkrafttreten des Paragrafen §114 StGB der Schutz der Vollstreckungsbeamte gestärkt worden. Schilff forderte außerdem, in der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung ein besonderes Augenmerk auf die hohe Zahl der „Messerangriffe“ zu richten und Strategien dagegen zu entwickeln. Niedersachsen legte die Zahlen unter dem Stichwort „Tatmittel Stichwaffe“ bei der Präsentation vor. Die Gesamtzahl der Messer-Fälle blieb insgesamt fast konstant. Nach 3757 Fällen im Jahr 2017 waren es 2018 nun laut Ministerium 3754 Fälle, darunter sieben tödliche Angriffe. „Wozu braucht man ein Messer im öffentlichen Raum?“, fragte Pistorius. Auf die Frage nach den Tatverdächtigen bei Stichwaffeneinsatz antwortete das Landeskriminalamt: „Im noch nicht abgeschlossenen mehrstufigen Projekt werden in weiteren Schritten auch Aussagen zu Tatverdächtigen angestrebt. Aktuell ist das aber noch nicht möglich.“ Die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge sank deutlich, auch die Zahl der Straftaten von Flüchtlingen ging 2018 zurück. Dabei spiele vermutlich auch die bessere materielle Absicherung der Flüchtlinge eine Rolle, so Polizeiexperte Axel Brockmann. Typische Delikte waren erneut Schwarzfahren und Ladendiebstahl, Gewalt richte sich zumeist gegen andere Flüchtlinge.

Der Minister betonte, dass gegen die weiterhin umfassende Kriminalität im Internet bei der Polizei zahlreiche Experten eingestellt worden seien. Einen erheblichen Anstieg hatte es 2018 insbesondere bei „digitalem Identitätsdiebstahl“ gegeben. Das Internet werde massiv für Straftaten genutzt, es sei „allgegenwärtig“, sagte Brockmann.

„Die heute veröffentlichten Zahlen machen deutlich, dass wir mit unsere Themensetzung richtig liegen“, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Lechner. Minister Pistorius verwies auch auf die gestiegene Aufklärungsquote. Mit 62,8 Prozent habe sie den höchsten Stand seit 2010. „Die PKS ist in erster Linie eine Art Arbeitsnachweis der Polizei und gibt keinen ausreichenden Überblick über die tatsächliche Sicherheitslage in Niedersachsen“, erklärte dagegen der Grünen-Abgeordnete Belit Onay.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (25)