Wann endet das Kükentöten? Erhöhter Druck auf Ministerin

Hannover.  Mit der Tötung männlicher Küken soll bald Schluss sein, hatte Niedersachsens Agrarministerin gefordert. Doch es hat sich wenig geändert.

Ein männliches Hühner-Küken sitzt auf einer Hand.

Ein männliches Hühner-Küken sitzt auf einer Hand.

Foto: Peter Endig / dpa

SPD und Grüne haben ein sofortiges Ende der Tötung von Millionen männlichen Küken in der Geflügelhaltung in Niedersachsen gefordert. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte im Sommer angekündigt, den Ausstieg voranzutreiben – passiert ist seither aber wenig.

Die Grünen-Agrarpolitikerin Miriam Staudte forderte Otte-Kinast auf, für „diese unwürdige und unethische Praxis endlich ein klares Ausstiegsdatum“ festzulegen. „Das Töten männlicher Küken muss umgehend aufhören“, sagte Staudte der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Auch die SPD drückt als Koalitionspartner der CDU aufs Tempo: Der SPD-Abgeordnete Wiard Siebels erneuerte seine Forderung nach „einem sofortigen Ausstieg aus der Kükentötung“.Das Agrarministerium betonte, das Land strebe einen „raschen, vollständigen Ausstieg“ an. Der Verzicht auf das Kükentöten solle „zügig umgesetzt werden“. Dafür setze das Land auf eine möglichst frühe Geschlechtsbestimmung im Ei. Die als männlich erkannten Eier könnten dann als Futtermittel verwendet werden.

Millionen Küken werden umgebracht

Wie viele Küken jährlich im Land getötet werden, werde statistisch nicht erfasst, so das Ministerium. Anhand der Agrarstatistik sei rechnerisch aber davon auszugehen, dass im vergangenen Jahr rund 25,9 Millionen männliche Küken in Niedersachsen geschlüpft sind. Die deutsche Geflügelwirtschaft teilte zu Wochenbeginn mit, sie peile einen Ausstieg aus dem Kükentöten bis Ende 2021 an. Ein rein nationales Gesetz verlagere das Problem aber nur ins Ausland.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Sommer entschieden, dass das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht weiter zulässig sei – bis zur Geschlechtsbestimmung (BVerwG 3 C 28.16 und 3 C 29.16). Seit rund 50 Jahren gibt es in der Legehennenzucht für männliche Küken keine Verwendung, Millionen werden kurz nach dem Schlüpfen umgebracht.

Es gibt Alternativen

Als Alternative treibt die Bruderhahn-Initiative ein anderes Modell voran: Dabei dienen die weiblichen Tiere als Legehennen, die männlichen werden für die Fleischproduktion genutzt. So wie es vor der Industrialisierung üblich war.

Im vergangenen Juni hatte Otte-Kinast gesagt: „Für mich steht schon lange fest: Der Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken der Legelinien muss mit Nachdruck vorangetrieben werden.“ Mit Blick auf Fortschritte seitdem verweist das Agrarministerium auf größere Kapazitäten für das sogenannte Seleggt-Verfahren, bei dem das Geschlecht der Küken mittels Hormonbestimmung festgestellt wird. Zudem gebe es „intensive Gespräche“ zur Einführung eines weiteren Verfahrens, das das Geschlecht mittels der Blutgefäße bestimmt.

Das ist zu wenig, findet Grünen-Politikerin Staudte: „Jeder vergangene Tag ist ein verlorener Tag für Tausende Küken.“ Die Ankündigung der Ministerin habe kaum etwas bewirkt. „Seitdem ist es beunruhigend still geworden und ich frage mich, wie lange Otte-Kinast das Tierschutzgesetz noch ignorieren will.“Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wiard Siebels, hatte im Sommer ein Ende des Kükentötens noch im Jahr 2019 gefordert. Auf Grundlage dieser Forderung habe die Ministerin Branchengespräche geführt, berichtete er nun. Siebels begrüßte diese Gespräche, erneuerte aber auch dem Ruf nach einem sofortigen Stopp der Praxis. Darüber hinaus müsse Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) für eine bundesweite Lösung sorgen.

Nur betäubte Tiere dürfen getötet werden

Seit einem Erlass von 2011 wird das Kükentöten in Niedersachsen nur dann toleriert, wenn die Tiere tierschutzgerecht betäubt und dann in Zoos und Falknereien als Futtertiere verwendet werden. Für Betäubung und Tötung wird in Niedersachsen Kohlendioxid (CO2) eingesetzt. Eine externe Kontrolle, ob dabei alles tierschutzgerecht abläuft, gibt es laut Ministerium nicht: Dafür seien die Unternehmer verantwortlich.

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