Bis zu 2500 Bauern in Hannover bei Demo erwartet

Hannover/Bremen.  In Niedersachsen machen sich die Landwirte mit ihren Traktoren auf den Weg zu Demos in Hannover und Bremen. Auch Fridays For Future streikt.

Aufgrund der Bauernproteste kann es in Niedersachsen zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Aufgrund der Bauernproteste kann es in Niedersachsen zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Zahlreiche Bauern haben sich am Freitagmorgen mit ihren Traktoren auf den Weg zu Demonstrationen in Hannover und Bremen gemacht. Pendler müssen sich wegen der Proteste auf Verkehrsbehinderungen einstellen.

Mehr als 2500 Landwirte in Hannover erwartet

Allein zu der Kundgebung in der Landeshauptstadt werden mehr als 2500 Landwirte mit ihren Fahrzeugen erwartet, wie die Sprecherin der Initiative „Land schafft Verbindung“, Henriette Struß, sagte. Sie wollen sich mit der Aktion gegen aus ihrer Sicht zu scharfe Umweltauflagen wehren – Rückendeckung bekommen sie unter anderem von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Aber auch Aktivisten der Klimabewegung Fridays for Future wollen am Freitag wieder auf die Straße gehen.

In Bremen beginnt Protest später

Bereits am frühen Morgen waren laut Polizei rund 450 Fahrzeuge in die Landeshauptstadt unterwegs. Die Verkehrslage sei allerdings noch entspannt gewesen, hieß es. Die Wege der Trecker nach Bremen seien noch unbekannt und könnten sowohl über Land- als auch Kreisstraßen führen, sagte ein Polizeisprecher in Rotenburg/Wümme. In Bremen sollte die Demo und damit auch der Andrang erst später starten, wie eine Sprecherin der Polizei sagte.

Kritik an verschärfter Düngeverordnung

Die Bauern wollen für die Interessen der Agrarbetriebe und gegen aus ihrer Sicht zu harte Umweltschutzregeln demonstrieren. Die Demos sollten von 10 bis 15 Uhr auf dem Trammplatz in Hannover und ab 13 Uhr auf dem Bremer Rathausplatz stattfinden. Die Landwirte kritisieren unter anderem die geplante Verschärfung der Düngeverordnung und Auswirkungen des Insektenschutzes.

Eine pauschale Unterversorgung von Pflanzen führe zu Humusabbau und letztlich höherer CO2-Freisetzung, hieß es in einer Mitteilung der Protestbewegung. Die Landwirtschaft dürfe nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein.

Niedersächsisches Umweltministerium fordert vom Bund Nachbesserungen

Im Streit um eine verschärfte Düngeverordnung hatten das niedersächsische Landwirtschafts- und das Umweltministerium vom Bund Nachbesserungen verlangt. Der Grundwasserschutz sei wichtig. „Die berechtigten Interessen der Landwirte dürfen dabei jedoch nicht aus dem Blick geraten“, hatte es am Donnerstag in Hannover geheißen.

Kritik an „roten Gebieten“

Unter anderem forderten Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) den Bund auf, von einer pauschalen Reduzierung der Düngung in den Gebieten mit hoher Grundwasserbelastung („rote Gebiete“) Abstand zu nehmen. Das ist einer der Kernkritikpunkte der Landwirtschaft an der geplanten Verschärfung. Landwirte befürchten etwa Ertragseinbußen, weil die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

Althusmann kritisierte auch das SPD-geführte Bundesumweltministerium. Ministerin Svenja Schulze solle ihre „Blockadehaltung gegenüber der Landwirtschaft aufgeben“, sagte er der „Bild“-Zeitung – sonst seien Jobs in der Agrarwirtschaft in Gefahr.

3000 Teilnehmer bei Fridays-For-Future-Demo in Hannover

Auch die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future will wieder aktiv werden, in der Landeshauptstadt ist es für sie der erste Jahrestag der Aktionen. Hier rechnen die Veranstalter mit rund 3000 Teilnehmern. Landwirte und Klimaschützer demonstrieren dabei nur einige Hundert Meter voneinander entfernt: Die Bauern kommen um 12.00 Uhr am Trammplatz zusammen, die Klimabewegung versammelt sich um 12.30 Uhr am Opernplatz.

In Bremen macht Fridays for Future um 10.00 Uhr am Marktplatz den Auftakt. Drei Stunden später findet am selben Ort eine Kundgebung der Landwirte statt. Mehrere Straßen sollten gesperrt werden, um als Parkplatz für die Traktoren zu dienen. dpa

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