Schulen leiden unter Stundenausfall und Lehrermangel

Hannover.  Die rechnerische Unterrichtsversorgung liegt weiter unter 100 Prozent, Kultusminister Tonne spricht von einem soliden Wert.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel. Niedersachsen liegt bei der landesweiten rechnerischen Unterrichtsversorgung weiter unter 100 Prozent.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel. Niedersachsen liegt bei der landesweiten rechnerischen Unterrichtsversorgung weiter unter 100 Prozent.

Foto: Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Niedersachsen tritt beim Thema Unterricht und Stundenausfall auf der Stelle. Die rechnerische Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2019/2020 erreichte zum Stichtag 29. 8. 2019 einen landesweiten Durchschnittswert von nur 99,6 Prozent. Das sind laut Ministerium 0,2 Prozentpunkte mehr als zum vorherigen Stichtag. „Das ist ein solider, ein ordentlicher Wert“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Für das zweite Schuljahreshalbjahr rechnet Tonne mit einem „etwas höheren“ Prognosewert.

Mehr Einstellungen als Abgänge

„Die zentrale Erkenntnis ist, dass die guten Einstellungsdurchgänge die im Landesschnitt verbesserte Lage ermöglicht haben“, erklärte Tonne. 2019 waren laut Tonne rund 800 Lehrer mehr eingestellt worden als in Pension gingen. Auch für die laufende Februar-Einstellungsrunde wurden laut Ministerium bereits rund 300 Lehrer mehr eingestellt als ausscheiden. Dass Niedersachsen die 100-Prozent-Marke bei der Unterrichtsversorgung weiter verfehlt, sieht der Minister auch in den - politisch ausdrücklich gewollten - „Zusatzbedarfen“ für Inklusion und Ganztagsbetrieb begründet. Die erhobenen Versorgungswerte setzen die benötigten „Soll“- und die zur Verfügung stehenden „Iststunden“ in Beziehung. Kurzfristigen Stundenausfall, etwa durch Krankheit, erfassen sie nicht. Für Vertretungsreserven im Kollegium, die Ausfälle von Lehrern flexibel auffangen können, gelten statistische Werte von deutlich über 100 Prozent als notwendig.

Weiter Abordnungen nötig

Die im Durchschnitt am besten versorgte Schulform ist weiter das Gymnasium mit 102,2 Prozent. Die Grundschulen liegen bei 101,5 Prozent. Die Gesamtschulen erreichten am Stichtag 99,1 Prozent, die Realschulen 98,1 Prozent und die Hauptschulen 94,3 Prozent. Die Oberschulen liegen bei 97,1 Prozent und die Förderschulen bei 93,4 Prozent. Probleme, Lehrerstellen zu besetzen, gibt es in der laufenden Einstellungsrunde laut Tonne bislang vor allem an Oberschulen. Der SPD-Politiker sagte, dass auch im zweiten Schulhalbjahr umfassende Abordnungen von Lehrern nötig sein würden. Diese Lehrer unterrichten dann stundenweise außer an ihrer Stammschule auch an einer anderen Schule, etwa Gymnasiallehrer an Grundschulen. „Wenn Niedersachsen nicht endlich den Lehrerberuf gerade im nicht-gymnasialen Bereich durch eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte mindestens nach A13 attraktiver macht und die immense Belastung der Lehrkräfte nicht spürbar senkt, wird sich an der angespannten Lage nichts ändern“, sagte Torsten Neumann, Landesvorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte. Deutliche Kritik kam auch aus weiteren Bildungsverbänden und der Opposition im Landtag.

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