100.000 Euro für neue Autobahn-Schilder: Geldverschwendung?

Hannover.  Das Land Niedersachsen stellt 74 neue Schilder auf, die Autofahrer auf den Autobahnen begrüßen und verabschieden sollen. Macht das Sinn?

Mit "Klar" werden künftig Reisende auf den Autobahnen an Niedersachsens Landesgrenzen begrüßt und verabschiedet. 

Mit "Klar" werden künftig Reisende auf den Autobahnen an Niedersachsens Landesgrenzen begrüßt und verabschiedet. 

Foto: Peter Mlodoch

Kein lustiges „Moin“, kein fröhliches „Tschüss“: Niedersachsen begrüßt und verabschiedet seine Besucher auf den Autobahnen künftig ganz schlicht und nüchtern in Schwarz auf Weiß mit „Willkommen“ und „Auf Wiedersehen“. Derzeit lässt die Landesstraßenbaubehörde im Auftrag des Wirtschaftsministeriums an den Grenzen zu Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Thüringen und den Niederlanden die Gruß-Schilder austauschen.

Und neben dem roten Wappen findet sich unten auf den neuen Tafeln auch der ebenso knackige wie umstrittene Werbeslogan „Niedersachsen. Klar.“ Die 2007 vom damaligen FDP-Wirtschaftsminister Walter Hirche eingeführte Gruß-Formeln „Immer eine gute Idee. Niedersachsen“ und „Alles Gute, Niedersachsen“ gehören damit der Vergangenheit an. Eigentlich hätte der Ersatz der betagten Schilder, die seit langem verblasst, verrostet und teilweise auch komplett schrottreif sind, bereits vor dreieinhalb Jahren erfolgen sollen. Doch Uneinigkeit im Regierungslager über das Drumherum und den Inhalt der Tafeln verzögerte immer wieder deren Aufstellen.

„Klar“ – typisch norddeutsch?

Im September 2016, noch zu rot-grünen Zeiten, hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit großem Brimborium den Werbe-Claim „Klar.“ präsentiert. „Kurz und trocken, typisch norddeutsch eben, so ist unser Land, so sind unsere Menschen“, lobte der Regierungschef den neuen Reklamespruch.

So schätzt unser Redakteur Philipp Engel das Thema ein.

45.841,20 Euro kostete diese Schöpfung einer professionellen Werbeagentur. „Das ist wohl das teuerste Wort der Landesgeschichte“, spottete der damalige Oppositionsführer, CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Ein gutes Jahr später saß die Union gemeinsam mit der SPD selbst in der Regierung. Einen Koalitionskrach wegen „Klar.“ wollte man allerdings nicht riskieren. So blieb das Wörtchen auf Briefbögen und im Internetauftritt des Landes.

Prägnante Slogans für die Autobahnen

An die Autobahnen aber schafften es die vier Buchstaben vorerst nicht. Weils Staatskanzlei und das für die Straßen zuständige Ressort von CDU-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann stritten sich um die möglichen Varianten der Schilder. Mit Bildern von Menschen oder Landschaften? Mit angeblich niedersächsischen Adjektiven wie „sturmfest“ oder „weitläufig“? Mit typisch norddeutschen Grußbotschaften? Über solch weltbewegenden Fragen zerbrachen sich die Verantwortlichen monatelang den Kopf. „Ein Autofahrer, der von Kassel nach Norden fährt, versteht ein ‚Moin‘ nicht unbedingt“, warnte ein besorgter Ministerialbeamter.

Minimalistische Version bleibt übrig

Übrig bleibt nun die minimalistische Version. Zuviel Lockerheit wollte das CDU-geführte Wirtschaftsministerium der SPD-geleiteten Staatskanzlei nicht zugestehen. Groß ankündigen oder gar feiern mag das Althusmann-Ressort, anders als seinerzeit FDP-Mann Hirche, den Schildertausch nicht. Dieser vollzieht sich fast schon in einer Art Geheimaktion. „Das scheint denen ja ziemlich peinlich zu sein“, lästert eine Genossin. FDP-Fraktionschef Jörg Bode kritisiert dagegen das Umfallen der CDU als „erschreckend“. Nachdem diese damals noch heftig über das „Klar.“ hergefallen sei, verewige sie jetzt das nichtssagende Wort auch noch auf den Autobahn-Tafeln, schimpft der frühere Wirtschaftsminister. „Diese Botschaft ist pure Geldverschwendung.“

Kurz und knapp: Insgesamt 74 neue Tafeln – 37 mal „Willkommen“, 37 mal „Auf Wiedersehen“ – sind es an den Autobahnen A1, A2, A7, A27, A30, A31, A33, A36, A38, A261 und A280. Das Aufstellen kostet nach Angaben einer Ministeriumssprecherin 100.000 Euro. Ende März soll der Austausch an allen Landesgrenzen abgeschlossen sein.

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