Terror-Prozess: Ein Angeklagter kommt frei

Celle.  Im Verfahren um den Prediger Abu Walaa wird der Hildesheimer Mitangeklagte Ahmed F.Y. nach seinem Geständnis aus der U-Haft entlassen.

Der Angeklagte Ahmed F. Y. steht vor Prozessbeginn im Oberlandesgericht in Celle.

Der Angeklagte Ahmed F. Y. steht vor Prozessbeginn im Oberlandesgericht in Celle.

Foto: Holger Hollemann / picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Die Erleichterung steht Ahmed F.Y. ins Gesicht geschrieben: Nach mehr als drei Jahren Untersuchungs-Haft kann er das Gefängnis verlassen und zu seiner Familie zurückkehren. Lächelnd nimmt der Kameruner im Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts Celle neben seinen beiden Anwälten Platz; hinter Panzerglas sitzen jetzt nur noch der Hildesheimer Prediger Abu Walaa und drei weitere Angeklagte. Das Gericht gab am Mittwoch einem Antrag der Verteidiger von Ahmed F.Y. auf Haftentlassung statt. Der Entscheidung vorausgegangen war dessen Geständnis vor zwei Wochen. Er hatte unter anderem eingeräumt, im Auftrag Abu Walaas einem Sympathisanten der Terrormiliz Islamischer Staat Kontaktnummern für dessen Ausreise nach Syrien gegeben zu haben. Die Anklage wirft ihm unter anderem Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Er soll Teil eines bundesweit tätigen dschihadistischen Netzwerks gewesen sein mit dem Ziel, junge Gläubige für den IS zu rekrutieren.

Ahmed F.Y. sei weiterhin dringend tatverdächtig, erklärten die Richter. „An den letzten vier Hauptverhandlungstagen hat er aber ein umfassendes und glaubhaftes Geständnis abgelegt.“ Dadurch habe sich die Straferwartung so weit reduziert, dass es unverhältnismäßig gewesen wäre den Haftbefehl und weiteren Vollzug der Untersuchungshaft aufrecht zu erhalten.

Die Anklage fuße im Wesentlichen auf den Aussagen eines teils zweifelhaften Kronzeugen und eines V-Mannes, der vor Gericht nicht direkt befragt werden konnte. Umso höher sei das Geständnis seines Mandanten zu bewerten, sagte der Anwalt des 30-Jährigen, Matthias Jochmann aus Goslar, am Rande des Prozesses in Celle.

Die anderen Angeklagten bestreiten bislang die Vorwürfe oder schweigen – bis auf F.Y., den Zeugen als rechte Hand des Predigers in der Hildesheimer Moschee beschrieben. Vier Tage hatte sich der Kameruner den Fragen des Senats und der Bundesanwälte gestellt und damit für eine überraschende Wende in dem Mammut-Prozess gesorgt. Den Verteidigern der anderen Angeklagten wollte er nicht mehr Rede und Antwort stehen. Vor allem Abu Walaa belastete er mit seiner Aussage schwer: Der Prediger habe einen direkten Draht zur Terrormiliz gehabt: Ausgereisten sei es mit der Fürsprache des Predigers gelungen, innerhalb des IS in hohe Positionen aufzusteigen. Außerdem sei bekannt gewesen, dass er Anhängern Geld für die Ausreise zum IS gegeben habe.

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