Ministerin rechnet auch in Niedersachsen mit Corona-Fällen

Braunschweig.  Helmholtz-Forscher Gérard Krause: Der Schutz von Risikogruppen ist jetzt womöglich sinnvoller als die weitere Verzögerung der Ausbreitung.

Carola Reimann (SPD), Gesundheitsministerin Niedersachsen, hat den Niedersächsischen Landtag über das Corona-Virus informiert.

Carola Reimann (SPD), Gesundheitsministerin Niedersachsen, hat den Niedersächsischen Landtag über das Corona-Virus informiert.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Neue Coronavirus-Fälle in Deutschland versetzen die Behörden in Alarmstimmung. Nachdem bis Mittwochnachmittag zwei neue Infektionen mit dem Erreger in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg nachgewiesen worden sind, wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Länderkollegen an, sofern noch nicht geschehen, ihre Landes-Pandemiepläne in Kraft zu setzen und sich auf eine Ausbreitung der Krankheit vorzubereiten.

Reimann: „Leichte Krankheitsverläufe sind die Regel“

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann sandte am Mittwoch zwei Botschaften aus: Das Land sei gut auf ernste Fälle vorbereitet. Gleichzeitig gebe es keinen Grund zur Panik. „Nach allem, was wir heute über das Coronavirus wissen, sind leichte Krankheitsverläufe die Regel“, sagte die SPD-Politikerin im Landtag. Dies erschwere zwar das Erkennen, bedeute aber auch, dass die meisten Betroffenen eine mögliche Erkrankung zuhause auskurieren könnten. Für schwere Krankheitsverläufe verfüge jedes Krankenhaus im Land über das notwendige Know-how, um eine gute Versorgung der betroffenen Patienten sicherzustellen.

WHO: Bisher keine Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bleibt derweil bei ihrer Einschätzung, dass es sich bei den Corona-Epidemien – in mittlerweile 46 Staaten – noch nicht um eine weltumspannende Pandemie handelt. „Es kann dazu kommen, aber wir sollten dem nicht vorgreifen“, unterstreicht auch die Braunschweiger Virologin Prof. Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). „Theoretisch“ könne man zwar von einer Pandemie sprechen, aber die „Endzeitstimmung“, die für viele bei diesem Wort mitschwinge, sei „definitiv fehl am Platze“.

Auch Prof. Gérard Krause, Epidemiologe am HZI, ist um Differenzierung bemüht: „Pandemie“ sage nichts darüber aus, wie hoch der Anteil schwerer Erkrankungen sei. „Eine Pandemie muss also nicht zwangsläufig dramatische Auswirkungen auf die Gesellschaft haben“, erklärt der Mediziner und langjährige Fachgebiets- und Abteilungsleiter am Robert Koch-Institut.

Gérard Krause fordert Schutz von Risikogruppen

Den „Patienten Null“ zu finden, der das Virus nach Italien getragen hat, um die Infektionskette des jüngsten Ausbruchs möglichst lückenlos nachzuverfolgen, ist aus Krauses Sicht „eher von akademischem Interesse“. Der Umgang mit der Krankheit müsse nun in eine neue Phase eintreten: „Wir müssen jetzt täglich aufgrund das Lagebildes neu entscheiden, ob es noch sinnvoll ist, Ressourcen für die Ausbreitungsverzögerung zu investieren.“ Stattdessen könne es bald sinnvoller sein, alle Kräfte darauf zu konzentrieren, Menschen mit besonders hohem Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu schützen und zu versorgen . „Ebenso müssen für das medizinische Personal Bedingungen geschaffen sein, damit es die bekannten hygienischen Standards bei seiner wichtigen Arbeit auch einhalten kann.“

Vom Coronavirus betroffen ist derweil die italienische Audi-Tochter Italdesign. Alle drei Standorte bei Turin seien zwei Tage lang geschlossen worden, weil einer der rund 1000 Mitarbeiter sich mit dem Virus angesteckt habe, sagte eine Konzernsprecherin am Mittwoch.

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