Leben in Quarantäne: „Diese Unsicherheit“ ohne Corona-Test

Osterode.  Ein Mann befindet sich derzeit in Quarantäne. Er spricht über seine Symptome und das Gefühl, vom Gesundheitssystem im Stich gelassen worden zu sein.

Seit gut einer Woche ist Gregor Haarmann in Quarantäne. Er hat Symptome und hält sich streng an die Vorschriften, verlässt das Haus nur, um im Garten frische Luft zu schnappen.

Seit gut einer Woche ist Gregor Haarmann in Quarantäne. Er hat Symptome und hält sich streng an die Vorschriften, verlässt das Haus nur, um im Garten frische Luft zu schnappen.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa (Symbol)

Die Nase läuft, die Augen sind verquollen und der Kopf ist dicht – eine Situation, wie sie in normalen Zeiten schon lästig ist, die aber wohl jeder kennt. Doch im Fall von Gregor Haarmann (Name von der Redaktion geändert) ist es anders: „Ich habe Kopfschmerzen, wie ich sie noch nie erlebt habe“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei, als wollte die Schädeldecke abheben, „absolut unnormal“, beschreibt Haarmann seine Symptome. Was erschwerend hinzukäme: „Diese Unsicherheit“.

Seit vergangenem Donnerstag ist Gregor Haarmann mit seinen Symptomen in Quarantäne, ein Test, ob es sich bei seiner Erkrankung um Covid-19 handelt, steht noch aus. „Diese Unsicherheit“ sei es, die seine Situation – neben den fürchterlichen Kopfschmerzen – so unerträglich mache. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass seine Lebensgefährtin im Sozialen Dienst tätig ist und täglich mit Menschen aus Risikogruppen im unmittelbaren Kontakt steht. Denn ihr habe man keine Quarantäne verordnet.

Vor rund zwei Wochen war Gregor Haarmann beruflich in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um den 13. März sei er wieder nach Hause gekommen. Wie sich später herausstellte, hatte er zuvor Kontakt zu jemandem, der an Covid-19 erkrankt war. „Da lagen aber 14 Tage dazwischen“, erinnert er sich. Der Infizierte hatte Haarmann erst später über die Erkrankung unterrichtet.

Die ersten Symptome

Am Mittwoch nach seiner Rückkehr aus NRW seien dann die ersten Symptome bei ihm aufgetreten. „Es fühlt sich an wie eine Erkältung“, sagt er, nur eben mit diesen starken Kopfschmerzen. Am nächsten Tag habe er telefonisch seinen Hausarzt kontaktiert, gesprochen habe er aber bisher nur mit den Arzthelferinnen. Er bekam eine 14-tägige Quarantäne verordnet und eine Krankschreibung ausgestellt, die Haarmanns Partnerin noch am gleichen Tag abholte.

Nachdem sich die Symptome nicht verbesserten, rief er am Montag erneut in der Hausarztpraxis an. Seine Nachfrage nach einem Corona-Test habe man abgewiesen. „Ich habe eben kein Fieber“, äußert er argumentierend, aber das hätten ohnehin nicht alle mit Corona infizierten Personen.

Die Quarantäne

Gregor Haarmann hält sich streng an die Quarantänevorschriften, arbeitet, so wie es die Erkrankung gerade zulässt, im Home Office. Er sei froh, dass er einen eigenen kleinen Garten mit hohen Hecken und Mauern habe, in dem er sich hin und wieder zurückziehen und die frische Luft genießen kann. „Ich will mir nicht vorstellen, wie es Leuten gehen muss, die in dieser Situation in Großstädten in kleinen Wohnungen ohne Garten oder vielleicht sogar ganz alleine leben. Das muss eine fürchterliche psychische Belastung sein“, sagt er.

Aber auch Haarmann merkt, wie all das an ihm zehrt. „Ich merke es an den Gesprächen, mir fehlt die Motivation, alles strengt an“, sagt er. Auch im Gespräch mit unserer Redaktion wird deutlich, wie erschöpft er sein muss – auch mental. Er fühlt sich nicht gut aufgefangen, im Stich gelassen vom Gesundheitssystem. „Die sehen das alles recht lax. Ich hätte einfach gerne einen Test gemacht, um Sicherheit zu haben“, betont er, gerade in Bezug auf die berufliche Situation seiner Lebensgefährtin. Er habe durchaus Verständnis dafür, dass in den Testzentren und Arztpraxen gerade die Hölle los sei, dennoch: „Ich möchte für mich und meine Partnerin Klarheit“, sagt der 66-Jährige.

Wie es jetzt weitergeht ist für den Mann aus dem Altkreis Osterode noch nicht ganz klar: „Ich werde noch mal beim Arzt anrufen“, erklärt er – entweder, um endlich einen Test machen lassen zu können, oder um sich im äußerten Falle Medikamente gegen die Kopfschmerzen verordnen zu lassen.

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