Niedersachsens Städte für zweite Flüchtlingswelle gewappnet

Lüneburg.  Der Städtetagspräsident rechnet wieder mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen. Er weist auf Integrationsprobleme hin und fordert mehr Geld vom Bund.

Migranten stehen Schlange, um eine Fähre von der Insel Lesbos zum griechischen Festland zu besteigen. Fünf Jahre nach dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen in Niedersachsen sehen sich die Städte für eine mögliche zweite Welle gewappnet, fordern aber Unterstützung vom Bund (Archivbild).

Migranten stehen Schlange, um eine Fähre von der Insel Lesbos zum griechischen Festland zu besteigen. Fünf Jahre nach dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen in Niedersachsen sehen sich die Städte für eine mögliche zweite Welle gewappnet, fordern aber Unterstützung vom Bund (Archivbild).

Foto: Panagiotis Balaskas / dpa

Fünf Jahre nach dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen in Niedersachsen sehen sich die Städte für eine mögliche zweite Welle gewappnet, fordern aber Unterstützung vom Bund. „Ich stelle mich darauf ein mit unserer Stadt“, sagte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der als Präsident des Städtetags Niedersachsen aber auf viele Schwierigkeiten hinweist. „Natürlich haben wir Reserven, zumal das Land erstmal Übergangseinrichtungen hat und es ein halbes Jahr dauert, bis sie zu uns kommen. Das Problem ist aber die Integration, es reicht ja nicht, nur in Containern aufgenommen zu werden“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Parallelgesellschaften: Fehler der 90er nicht wiederholen

Finanzminister Olaf Scholz habe „30 Milliarden Euro in seiner Flüchtlingsrücklage, die soll er auskehren“, verlangte Mädge. Die Fehler der 90er Jahre, als sich Parallelgesellschaften gebildet hätten, dürfe man nicht wiederholen. „Ich muss die Leute in die Schule, Kindergarten und Arbeit bringen, die gehen nicht so schnell in ihre Heimatländer zurück“, sagte er. So sei die Sprachausbildung vor allem auch der Frauen sehr wichtig. Zudem komme das schwierige Thema Wohnungsmarkt in den Städten hinzu. So sei Lüneburg voll. „Umso wichtiger ist es, dass wir in den Wohnungsbau kommen“. Die derzeit leeren Container könnten wegen der unsicheren Situation in Griechenland mit dem Lager Moria nicht zurückgebaut werden.

Eine Sozialarbeiter für zehn Flüchtlinge

„Wenn die zweite Welle kommt, wissen wir schon, wie wir damit umgehen. 2015 haben wir gut gemeistert, mit viel ehrenamtlichem Engagement“, meinte Mädge. „Die sagen, jetzt müssen aber auch einmal andere ran.“ Um Flüchtlinge gut zu integrieren, brauche es mehr als drei Jahre. „Wenn Sie es gut machen wollen, braucht man für etwa zehn Flüchtlinge einen Sozialarbeiter“, begründete er die Forderung nach finanzieller Unterstützung vom Bund.

Grundsätzlich habe Niedersachsen ein gut austariertes Verteilungssystem. „Wir können sie unterbringen und versorgen. Es fehlen aber Mittel für Bildung und Berufsausbildung“, sagte Mädge.

Mehr zum Thema

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)