Raumfahrer Sigmund Jähn: Weggefährten trauern um ihn

Berlin.  Sigmund Jähn ist tot. Der erste deutsche Raumfahrer starb im Alter von 82 Jahren. 1978 war er 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All.

Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, starb am 21. September 2019 Alter von 82 Jahren.

Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, starb am 21. September 2019 Alter von 82 Jahren.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist tot. Der DDR-Kosmonaut starb am Samstag im Alter von 82 Jahren, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntagabend mitteilte. „Mit Sigmund Jähn verliert die deutsche Raumfahrt einen weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur“, sagte die Vorstandsvorsitzende des DLR, Pascale Ehrenfreund, laut Mitteilung.

Jähn habe sich auch immer als Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums verstanden. „Seine Botschaft, für die Erde ins All, werden wir in ehrendem Gedenken bewahren und fortführen.“

Sigmund Jähn umkreiste die Erde 1978 125 Mal

Jähn war mit der Rakete „Sojus 31“ am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus gestartet. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934-2019) war er 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All und umkreiste die Erde dabei 125 Mal. Sein Ziel: die sowjetische Raumstation Saljut 6.

An Bord von Saljut 6 standen viele Experimente auf dem Plan, unter anderem zu Medizin, Biologie und Materialwissenschaft. Jähn machte Aufnahmen mit der Multispektral-Fotokamera MKF-6, stempelte aber auch Briefe mit Sonderbriefmarken ab.

Politiker und Wegbegleiter trauern um Sigmund Jähn

„Eine Woche lang verloren die Gesetze der Schwerkraft scheinbar ihre Wirkung, war es völlig gleichgültig, ob ich mit dem Kopf nach „oben“ oder nach „unten“ hing“, schrieb er im Buch „Erlebnis Weltraum“.In seinem persönlichen Gepäck hatte der Kosmonaut das „Manifest“ von Marx, „Faust“ von Goethe und eine Figur des DDR-Sandmännchens. Am 3. September kehrten Jähn und sein Kollege Bykowski wohlbehalten zur Erde zurück: Ihre Kapsel landete in der kasachischen Steppe.

Linken-Politiker Gregor Gysi bezeichnete Jähn als „sehr zurückhaltend und bescheiden“. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte Jähn einen echten Pionier. Er habe Millionen junger Menschen inspiriert, über sich hinauszuwachsen und neugierig zu sein.

„Ganz Deutschland trauert heute um seinen ersten Mann im All“, schrieb Ziemiak bei Twitter. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans würdigte Jähn als ein „Vorbild wie es wenige gibt und gab“. Und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) erinnerte sich: „Ich habe ihn als klugen und bescheidenen Sachsen kennengelernt. Wir werden sein Lebenswerk lebendig halten.“

Auch Wegbegleiter Jähns aus der Raumfahrt drückten ihre Trauer aus. „Die Nachricht vom Tode Sigmund Jähns hat mich tief berührt“, sagte Jan Wörner, Generaldirektor der Europäische Weltraumorganisation (Esa). „Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden, die nicht nur die Raumfahrt und seine unermüdliche Unterstützung der europäischen Astronauten betraf.“

Sigmund Jähn – ein Volksheld in der DDR

Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher ins All.

Der 1937 geborene Sachse Jähn war Oberstleutnant der DDR-Armee NVA. Der gelernte Buchdrucker stammte aus der sächsischen Kleinstadt Morgenröthe-Rautenkranz. Nach der Ausbildung zum Jagdflieger bei den Luftstreitkräften der NVA wurde er von 1976 an in der Sowjetunion mit einem harten Training auf seinen Flug ins All vorbereitet.

Jähn lebte zuletzt in Strausberg bei Berlin

Nach der Wende wurde Sigmund Jähn arbeitslos – und schrieb die Geschichte eines tragischen Kosmonauten. Später kam er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter und bildete europäische Astronauten im russischen Sternenstädtchen aus.

In seiner vogtländischen Heimatstadt erinnert die Deutsche Raumfahrtausstellung an seinen Weltraumflug. Jähn, der verheiratet war und zwei Töchter hatte, lebte in Strausberg bei Berlin, blieb seiner Heimat aber immer verbunden.

(dpa)

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