Interview

Til Schweiger: Das plant er neben „Die Hochzeit“ 2020

Essen.  Mit „Die Hochzeit“ kommt am 23. Januar ein neuer Film von und mit Til Schweiger ins Kino. Im Interview zieht der Schauspieler Bilanz.

Drei Dinge, die man über Til Schweiger wissen muss
Beschreibung anzeigen

„Klassentreffen 1.0“ war ein Erfolg. Jetzt kommt Til Schweiger mit der Fortsetzung „Die Hochzeit“ (ab 23. Januar) ins Kino. Mit diesem „Feel-Good“-Movie ist das Multi-Talent nach dem Flop von „Head Full of Honey“, der englischen Version des Hits „Honig im Kopf“, wieder oben auf. Im Interview zieht der 56-Jährige Bilanz und blickt voraus.

Ursprünglich wollten Sie Lehrer werden, haben sich dann aber für die Schauspielerei entschieden. Haben sich die Erwartungen, die Sie damals an den Beruf hatten, erfüllt? Oder wurden sie sogar übertroffen?

Til Schweiger: Meine Erwartungen haben sich vehement übererfüllt. Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich gar keine großen Erwartungen oder Träume hatte. Als ich auf die Schauspielschule ging, habe ich allenfalls davon geträumt, mal in einem „Schimanski-Tatort“ die Hauptrolle spielen zu können. Denn 1986 gab es eigentlich keine Filmindustrie in Deutschland.

Schweiger: Vor allem für kommerzielle Filme, die vom Publikum goutiert worden wären. Die große Ausnahme war „Männer“ von Doris Dörrie. In meinem Abschlussjahr habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich von dem Beruf überhaupt mal würde leben können. Die meisten Schauspieler waren ja arbeitslos.

Ich wollte versuchen, beim Fernsehen unterzukommen; an Kinofilme habe ich damals überhaupt nicht gedacht. Da war ich 27 – und dachte, ich gebe mir Zeit, bis ich 30 bin. Wenn ich bis dahin einen Fuß in die Tür kriege, mache ich weiter; und wenn nicht, studiere ich wieder Germanistik – und werde Lehrer.

Was war Ihr Antrieb?

Schweiger: Mir hat die Schauspielerei Spaß gemacht. Allerdings habe ich bald gemerkt, dass mir das nicht reicht. Denn ich wollte Geschichten erzählen, die ich selbst geschrieben habe und die ich als Regisseur auch selber inszeniere. Das ist mein eigentlicher Antrieb: Die Freude an den Dingen, die ich mache!

Sie sind Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent. Sie entwerfen aber auch Kaschmir-Pullover, haben einen Online-Shop, ein Hotel, ein Restaurant, eine Lodge in Südafrika und bald auch die MS Barefoot – ein Restaurant-Schiff. Die Filmarbeit füllt Sie offensichtlich nicht aus…

Schweiger: …ich habe eben sehr viele Ideen und kreiere sehr gerne Dinge. Ich rede nicht – ich mache! Wie ich das alles unter einen Hut kriege? Indem ich mit vielen tollen Leuten zusammenarbeite. Ich produziere einen Film ja nicht alleine! Wenn ich einen Film mache, dann bin ich allerdings hundertprozentig dabei und blende alles andere aus, bis auf meine Kinder.

Aber sonst bin ich offen für neue Vorschläge und Ideen. Wenn man auf mich zukommt und mir etwas anbietet, das mich interessiert, dann greife ich natürlich zu. Das sage ich auch immer meinen Kindern: Ihr müsst die Chancen erkennen, die euch das Leben bietet. Und wenn sie euch gefallen – nutzt sie!

Dazu gehört auch viel Mut.

Schweiger: Sicher. Ich bin mutig. Ich habe auch keine Angst, Fehler zu machen. Man muss nur zu seinen Fehlern stehen. Und daraus lernen. Es gibt ja dieses Sprichwort: „Nur wer wagt, gewinnt!“ Viele Menschen trauen sich nicht, etwas zu wagen und vielleicht auch Fehler zu machen.

Leider ist dann genau bei denen die Schadenfreude sehr groß, wenn jemand anderer etwas gewagt hat und dabei auf die Nase gefallen ist. Das Wort „Schadenfreude“ gibt es übrigens nur im Deutschen. Im Englischen haben sie das Wort einfach übernommen. Sollte man aber Erfolg haben mit dem, was man macht, dann wird man von denen beneidet. Schadenfreude und Neid gehören immer zusammen.

Sprechen wir über Ihren neuen Film „Die Hochzeit“. Da geht es vor allem um Liebe und Freundschaft. Was wiegt denn für Sie schwerer?

Schweiger: Im Idealfall hat man ja mit dem Partner, den man liebt, auch eine Freundschaft. Ansonsten ist das Wichtigste im Leben für mich die Freundschaft. Liebe vergeht. Freundschaften bleiben. Freunden gegenüber ist man auch toleranter. (Lacht) Man sieht sie ja auch nicht jeden Tag!

Wie hoch war denn das Budget von „Die Hochzeit“?

Schweiger: Viel weniger als bei „Klassentreffen 1.0“. Da hatte wir acht Millionen Euro. Bei „Die Hochzeit“ waren es etwa 1,3 Millionen weniger.

Sie äußern immer wieder in sozialen Medien Ihre Meinung und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Dafür bekommen Sie schon mal den ein oder anderen Shitstorm ab. Haben Sie das Gefühl, dass man hierzulande noch alles sagen kann?

Schweiger: Der Handballer Stefan Kretschmar hat schon vor ein paar Jahren gesagt, dass es in Deutschland nur eine „gefühlte Meinungsfreiheit“ gibt. Und hat dafür einen riesigen Shitstorm bekommen. Er war da wohl seiner Zeit voraus. Natürlich darf man in Deutschland alles sagen, was man will.

Per Grundgesetz ist die Meinungsfreiheit ja garantiert. Allerdings muss man dann auch mit den Konsequenzen leben. Leider ist es aber so, dass es oft nicht geschätzt wird, wenn man öffentlich seine ehrliche Meinung sagt.

Gerade ging eine Dekade zu Ende. Was waren denn für Sie die Hochs und Tiefs in dieser Zeit?

Schweiger: Zu den Höhepunkten gehören auf jeden Fall meine Filme „Kokowääh 1 + 2“ und natürlich 2014 „Honig im Kopf“. Der Film hatte über 7,4 Millionen Zuschauer. Ein Tiefpunkt waren sicherlich die ungerechtfertigten Rezensionen von „Head full of Honey“ in Amerika. Was dort gelaufen ist, möchte ich nicht weiter kommentieren. Privat gab es viele Höhepunkte. Menschen, die ich kennengelernt habe, die Zeit mit meinen Kindern, Beziehungen, die lange sehr, sehr schön waren…

Dana Schweiger: So offen spricht sie jetzt über Ex-Mann Til
Dana Schweiger- So offen spricht sie jetzt über Ex-Mann Til

Welche Pläne haben Sie für 2020 und für die folgenden Jahre?

Schweiger: Ich mache eigentlich keine Pläne, weil es eh’ so kommt, wie es eben kommt. Wünschen kann man sich viel… aber ob das dann tatsächlich in Erfüllung geht? Das heißt nicht, dass man nicht träumen soll. Aber ich versuche, realistisch zu träumen.

Ich hoffe einfach, dass mir auch weiterhin gute Geschichten einfallen. Und dass ich noch den ein oder anderen guten Film machen oder das ein oder andere Hotel oder Schiff-Restaurant eröffnen kann.

Woher nehmen Sie die ganze Energie für diese vielfältigen Projekte?

Schweiger: Ich bin so auf die Welt gekommen. Mit 19 hat mein Hausarzt zu mir gesagt: „Til, du stehst ständig so unter Strom – du musst Tai-Chi oder Yoga machen, um etwas runterzukommen.“ Habe ich dann auch probiert, hat aber nicht funktioniert. Es ist eigentlich ganz einfach: Ich liebe das, was ich mache. Daraus ziehe ich viel Energie.

Wenn Ihr Leben ein Film wäre – was wäre der Titel?

Schweiger: (Lacht) Das ist einfach: „Der bewegte Mann“.

Neben „Die Hochzeit“ soll in diesem Jahr ein weiterer Schweiger-Film bei Amazon Prime Video erscheinen – eine Dokumentation über den Fußballer Bastian Schweinsteiger. Im vergangen Oktober eröffnete Til Schweiger ein Hotel in Südafrika, die „Barefoot“-Lodge – demnächst soll sogar ein „Barefoot“-Kreuzfahrtschiff geben.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder