Corona-Pandemie

Mallorca: Wie Ballermann-Lokale ihre Verbote umgehen

Palma.  Behörden auf Mallorca haben die Ballermann-Lokale auf Schinken- und Bierstraße geschlossen. Die Gastronomen reagieren erfinderisch.

Partys auf Mallorca in Corona-Zeiten besorgen Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich besorgt über die Partys deutscher Touristen auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca gezeigt. "Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl gibt."

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  • Aus Sorge vor einem neuen Corona-Hotspot sind im Juli sämtliche Lokale auf der „Bier“- und „Schinkenstraße“ am Ballermann auf Mallorca zwangsgeschlossen worden
  • Die Regionalregierung der Balearen hatte ebenfalls die Schließung der Lokale der Straße Puerto Ballena in der Briten-Hochburg Magaluf westlich der Inselhauptstadt angeordnet
  • Damit hatte Mallorca auf einige Skandal-Partys am Ballermann reagiert
  • Die betroffenen Lokale umgehen nun das Verbot mit einem Trick

Aus Sorge vor einem neuen Corona-Hotspot hatte die mallorquinische Regierung im Juli eine sofortige Zwangsschließung der besonders bei deutschen Touristen beliebten Lokale auf der „Bier“- und „Schinkenstraße“ angeordnet. Das Dekret hatte der balearische Tourismusminister Iago Negueruela in Palma verkündet. Das Verbot ist zwar noch gültig – trotzdem haben betroffene Lokale inzwischen wieder geöffnet.

Wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet, haben mehrere Bars und Restaurants an der „Bierstraße“ die Eingänge zur anderen Straßenseite geöffnet, um so den Betrieb wieder zu ermöglichen.

Im Lokal „Pancho“ habe man kurzerhand den Eingang an die hintere Querstraße der Schinkenstraße verlegt und so das Betriebsverbot umgangen. Ähnlich gingen demnach die Betreiber des „Las Palmeras“, die sämtliche Zugänge zur Bierstraße versperrten und lediglich die Eingänge zum Carrer del Llaüt offen ließen.

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Auch der an der Bierstraße gelegene Treppenzugang zum „Deutschen Eck“ seien mit Barrieren und Blumenkübeln verstellt worden und lediglich der Eingang vom Carrer des Llaüt geöffnet worden, schreibt die Zeitung.

In den Tagen zuvor waren immer wieder Fotos und Videos von feiernden Touristen im dichten Gedränge auf Mallorca aufgetaucht – ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand, ohne Schutzmasken. Als Reaktion hatten die Behörden auf Mallorca die Maskenpflicht verschärft und Strafen für Verstöße gegen Corona-Regeln mit Preisschildern bis zu 600.000 Euro versehen. Bei den deutschen Touristen schien die Warnung jedoch nicht angekommen zu sein.

Mallorca: Auch Briten sind von Schließungen betroffen

Das Gleiche gilt wohl auch für britische Touristen. Denn die Regionalregierung ordnete ebenfalls die Schließung der Lokale der Straße Puerto Ballena in der Briten-Hochburg Magaluf westlich der Inselhauptstadt an. Die Schließung der Lokale an Ballermann und Puerto Ballena soll zunächst für zwei Monate gelten.

Das Verhalten einiger weniger Urlauber und Lokalbesitzer dürfe nicht die riesigen Anstrengungen der Menschen auf den Balearen im Kampf gegen die Pandemie aufs Spiel setzen, sagte Minister Negueruela. Mit Blick auf die Bilder der illegalen Corona-Partys hatte zuvor auch Gesundheitsminister Jens Spahn gewarnt: „Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann kein zweites Ischgl wird.“

Polizei überwacht die Einhaltung der Sperren

Im betroffenen Herzstück der vor allem bei deutschen Gästen beliebten Feier-Meile an der „Bier-“ und „Schinkenstraße“ der Playa herrschte einen Tag nach der Anordnung gähnende Leere. Außer Polizisten, die über die Einhaltung des Anordnung wachten, waren dort nur wenige Menschen zu sehen. Alle Lokale, die hier normalerweise oft schon mittags rappelvoll und ohrenbetäubend laut sind, waren geschlossen.

Am Vortag, als das Dekret in Kraft getreten war, hatten sich dort, wo sonst schon zu früher Stunde Tänzerinnen leicht bekleidet Kunden anlocken und die Gäste einen über den Durst trinken, bewegende Szenen abgespielt. „Als die Polizei (am Mittwoch) kam, haben einige Kellner zu weinen angefangen“, erzählte ein Unternehmer der Zeitung „Diario de Mallorca“.

Mallorca drängte auf Wiederbelebung des Tourismus

Die balearische Regierung hatte lange auf eine frühzeitige Öffnung der Inseln für den Tourismus gedrängt, der auf den Inseln mit Abstand den stärksten Wirtschaftssektor darstellt.

Am Ende bekam Regionalpräsidentin Francina Armengol ihren Willen. In einem Pilotprojekt durften 10.900 deutsche Touristen nach Mallorca einreisen lassen – sechs Tage bevor sich die Grenzen im Rest von Spanien für Urlauber öffneten. Die deutschen Touristen wurden von den Einheimischen mit Applaus begrüßt. Der dürfte nun verstummt sein.

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Mallorca: Bleibt der Corona-Ausbruch aus?

Noch machen sich die illegalen Corona-Partys am Ballermann im Infektionsgeschehen aber laut Andreu Serra, dem Dezernatsleiter für Tourismus des Inselrates von Mallorca, nicht bemerkbar. Aktuell gebe es offiziellen Angaben zufolge 128 aktive Coronafälle auf der Insel.

Die exzessiven Feiern von Touristen ohne Schutzmaßnahmen am vorigen Wochenende hätten nicht zu einem Corona-Ausbruch geführt, sagte Andreu Serra am Mittwoch. Allerdings kann die Inkubationszeit der Infektion bis zu 14 Tage dauern. Die Bilder von den Corona-Partys am Wochenende bezeichnete Serra als isolierte Einzelfälle in zwei Straßen. Die große Mehrheit der Touristen halte sich sehr gut an die Einschränkungen.

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(dpa/jas)

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