Corona-Impfstoffe: Das sind die großen Hoffnungsträger

Berlin.  Biontech/Pfizer und Moderna sind da, auf AstraZeneca wird in Deutschland noch gewartet: Die vielversprechenden Impfstoffe im Überblick.

Spahn ruft zum Impfen auf: "Wir krempeln zusammen die Ärmel hoch"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat an die Menschen in Deutschland appelliert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. In seiner Regierungserklärung im Bundestag verteidigte Spahn den europäischen Ansatz bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen.

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  • Überall auf der Welt hoffen Menschen, dass Corona-Impfstoffe bald für große Teile der Bevölkerung verfügbar sind
  • Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind derzeit in der EU zugelassen
  • Als nächstes könnte das Vakzin von AstraZeneca zugelassen werden
  • Wir geben einen Überblick darüber, welche Impfstoff-Hersteller die größten Hoffnungsträger sind

Die ersten Personen konnten die eine Impfdosis gegen das Coronavirus in Deutschland kurz nach Weihnachten erhalten. Nach dem Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Konzerns Pfizer wurde Anfang Januar auch das Vakzin des US-Herstellers Moderna zugelassen. Als nächstes könnte der AstraZeneca-Impfstoff die EU-Zulassung bekommen.

Nach Ausbruch der Pandemie lieferten sich Pharmakonzerne ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entwicklung von Impfstoffen. Im Rekordtempo wird seitdem an Vakzinen geforscht.

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Bis sich alle Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen können, die eine Dosis erhalten möchten, wird es aber dennoch eine Weile dauern. Lesen Sie dazu: Wann ist Ihre Impfung? Dieser Rechner kalkuliert Impftermin

Biontech und Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson: Die Liste der für Europa interessanten Hersteller wird immer länger. Welche Impfstoffe sind vielversprechend, wie wirksam sind sie und wie steht es um ihre Zulassung? Wir stellen die Hoffnungsträger vor.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wird seit Ende Dezember auch in Deutschland verimpft. Die Entwickler des Impfstoffes des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer gehen von einer 95-prozentigen Schutzwirkung der Zweifachimpfung aus. Aus einer Ampulle können sechs Impfdosen gezogen werden. Anfangs waren fünf Impfdosen pro Ampulle vorgesehen.

Eine logistische Herausforderung ist die notwendige Kühlung: Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Wie aus aktualisierten Handlungsempfehlungen von Biontech hervorgeht, kann der Impfstoff allerdings auch schon als fertige Dosis in der Spritze bis zu sechs Stunden bei zwei bis acht Grad transportiert werden. Das hätten neue Daten zur Stabilität des Impfstoffes ergeben.

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Das Vakzin könne also bei Bedarf schon im Impfzentrum verdünnt und dann als vorbereitete Dosis in der Spritze vorsichtig transportiert werden. Dafür sollten spezielle Kühlboxen verwendet werden. Die Spritzen oder Fläschchen sollten laut Empfehlung sicher verpackt sein, damit sie während des Transports aufrecht stehen und nicht lose sind oder rollen. Zuvor wurde empfohlen, bereits verdünnten Impfstoff nicht zwischen Einrichtungen zu transportieren – also zwischen den Impfzentren der Länder, wo das Präparat bei minus 70 Grad lagert, und Impf-Einsätzen in Pflegeheimen oder Einrichtungen des betreuten Wohnens.

Es handelt sich bei dem Vakzin von Biontech und Pfizer um einen sogenannten RNA-Impfstoff : Darin stecken genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß produziert – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

Von dem Präparat hat die EU für das Jahr 2021 300 Millionen Dosen bestellt. Davon bekommt Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium über 85 Millionen Impfdosen. Mit dem Hersteller wird zudem gerade über zusätzliche Lieferungen verhandelt.

Die Entwicklung des Impfstoffs BNT162b2 war bereits seit Mitte Januar von Biontech im Projekt „Lightspeed“ („Lichtgeschwindigkeit“) entwickelt worden. Gegründet wurde das Mainzer Unternehmen von Özlem Türeci und Uğur Şahin .

Produktion von Biontech-Impfstoff in Marburg genehmigt
Produktion von Biontech-Impfstoff in Marburg genehmigt

Moderna-Impfstoff: Hohe Wirksamkeit, unkomplizierte Lagerung

Eine Woche nach der Erfolgsmeldung von Pfizer und Biontech hatte der US-Pharmakonzern Moderna Mitte November verkündet, dass der von ihm entwickelte Corona-Impfstoff mRNA-1273 eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent habe. Seit Anfang Januar ist er in der EU zugelassen, die Impfungen in Deutschland mit dem Moderna-Präparat haben bereits begonnen.

Ein Vorteil des Impfstoffs besteht darin, dass er weniger temperaturempfindlich als der Biontech-Pfizer-Kandidat ist: Er kann bei minus 20 Grad gelagert werden. Nach dem Auftauen ist er 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil.

Moderna will 2021 etwa 600 Millionen Impfdosen produzieren, die EU hat sich derzeit davon 160 Millionen gesichert. Deutschland erhalte zwei Millionen Dosen im ersten Quartal 2021 und insgesamt 50 Millionen im Gesamtjahr, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

AstraZeneca: Impfung mit 70-prozentiger Schutzwirkung

Auch der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca konnte bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs Erfolge verzeichnen: Das Unternehmen gab in einer Pressemitteilung im November 2020 bekannt, dass das Vakzin AZD1222 eine Wirksamkeit von 70 Prozent aufweise.

Bei der Berechnung der Wirksamkeit wurden Daten zweier klinischer Studien mit unterschiedlichen Dosierungen berücksichtigt: Bei einer kombinierten Phase-II/III-Studie bekamen die Probanden zuerst eine halbe Dosis, einen Monat später eine volle Dosis des Impfstoffs verabreicht. Hier lag die Effektivität bei 90 Prozent . Probanden, die zweimal eine volle Dosis bekamen, waren hingegen nur zu 62 Prozent geschützt. Zusammengenommen ergibt sich den Angaben zufolge eine 70-prozentige Wirksamkeit.

Der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelte AstraZeneca-Impfstoff kann laut Mitteilung bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad gelagert werden.

Die Zulassung in der EU könnte bald erfolgen. Experten zufolge wäre dies ein großer Schritt nach vorn, weil sich die EU bereits 400 Millionen Dosen des Wirkstoffs gesichert hat. In einigen Ländern, so beispielsweise in Großbritannien, ist das Vakzin bereits zugelassen.

Curevac: Was kann der Tübinger Impfstoff?

Ein weiterer Hoffnungsträger ist das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac: Genau wie Biontech arbeitet die Firma an einem potenziellen Impfstoff auf Basis sogenannter Boten-RNA. Ob das Mittel Aussicht auf Erfolg hat, ist aber noch unklar. Seit Mitte Dezember 2020 läuft die klinische Phase-III-Studie, erste Ergebnisse werden Ende März 2021 erwartet.

Die EU-Kommission hat trotzdem schon einen Liefervertrag mit Curevac gebilligt. Für den Fall einer Zulassung hat sie sich für die EU-Staaten 405 Millionen Dosen gesichert. Der Pharmakonzern Bayer hatte Anfang Januar einen Kooperations- und Servicevertrag mit Curevac angekündigt.

Impfstoff von Johnson & Johnson: EU-Zulassung im Februar?

Auch der Impfstoff von Johnson & Johnson könnte bald zur Verfügung stehen: Bereits im Februar könnte der US-Konzern einen Antrag auf Zulassung in der EU stellen. Bei dem Präparat handelt es sich um einen vektorbasierten Impfstoff.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese sprach von einem „weiteren Hoffnungszeichen im Kampf gegen das Coronavirus“. Der Impfstoff von Curevac habe gegenüber den bisher zugelassenen Mitteln den großen Vorteil, dass nur eine Dosis für einen umfassenden Schutz ausreiche. „Und er ist viel leichter zu verarbeiten, zu lagern und zu transportieren als der Biontech/Pfizer-Impfstoff“, erklärte Liese.

Nach versehentlich von einer belgischen Regierungsvertreterin veröffentlichten Informationen ist das Mittel von Johnson & Johnson mit 8,50 Dollar (6,98 Euro) bedeutend billiger als die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Die EU hat mit dem Konzern einen Liefervertrag über 200 Millionen Dosen mit einer Option auf 200 Millionen weitere abgeschlossen. Das Mittel wird für Europa in den Niederlanden produziert.

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(raer/mit dpa/afp)

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