Hochwasser

Klimakrise: Das ist der Grund für Starkregen in Deutschland

| Lesedauer: 7 Minuten
Hochwasser im Westen Deutschlands: Dutzende Tote

Hochwasser im Westen Deutschlands: Dutzende Tote

In Folge starker Regenfälle sind viele Flüsse im Westen Deutschlands über die Ufer getreten; besonders betroffen sind der Norden von Rheinland-Pfalz und NRW. Dutzende Menschen kamen ums Leben.

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Berlin  Das Hochwasser im Südwesten Deutschlands sorgt in vielen Ortschaften für Chaos. In Zukunft könnten solche Extremwetter noch zunehmen.

Die Bilder aus dem Südwesten schockieren Deutschland: Überschwemmte Straßen, voll gelaufene Keller, eingestürzte Häuser und teilweise sogar Straßen. Extreme Niederschläge haben in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für Zerstörung gesorgt. Doch das Wetterereignis ist kein Zufall.

Vielmehr sind derartige „Extremwetter“ und Unwetter eine Folge der Klimakrise. Wissenschaftler rechnen vor allem in Bezug auf Starkregen – also die sintflutartigen Niederschläge, die für das Hochwasser gesorgt haben – damit, dass die Regenmengen mit der globalen Erwärmung weiter zunehmen werden.

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Hochwasser: Folgen der Klimakrise sind in Deutschland angekommen

Die Folgen der globalen Klimakrise sind schon jetzt in Deutschland deutlich zu spüren: Seit Jahren steigt beispielsweise die Zahl der Hitzetage pro Jahr deutlich an. Doch wer denkt, dass die globale Erwärmung lediglich höhere Temperaturen verursacht, hat zu kurz gedacht.

Laut Deutschem Wetterdienst kann es mittlerweile sogar nahezu überall in Deutschland zu extremen Unwettern, Starkregen und Überschwemmungen kommen. Grund dafür ist die Klimakrise.

Welche Rolle spielt der Klimawandel beim Hochwasser durch Starkregen?

Zwar ist der Zusammenhang bei Wetterereignissen wie beispielsweise der extremen Hitze, die zuletzt in Kanada zu enormen Waldbränden und Toten führte, deutlicher. Forscher sind sich hier einig, dass derartige Temperaturen in der Region ohne den Klimawandel nie möglich gewesen wären.

Bei Starkregen und den daraus resultierenden Hochwassern handelt es sich meist um eine Kombination aus Wetterzufällen und den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel. Doch Daten zeigen, dass die Niederschlagextreme in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Dass das auch von der Erwärmung durch den Klimawandel verursacht wird, ist in der Physik begründet.

Wenn sich die Temperatur in der Atmosphäre erhöht, ist auch der Sättigungspunkt für die Feuchtigkeit höher. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen – bleiben die sonstigen Rahmenbedingungen des Wetters gleich, rund sieben Prozent mehr pro Grad Erwärmung. Gleichzeitig dauert es durch diese verbesserte Aufnahmefähigkeit länger, bis das Wasser abregnet. Wenn es dann so weit ist, ist der Regen sehr viel stärker, da die Wassermassen größer sind.

Hochwasser: Jetstream verlangsamt sich durch Klimawandel

Zudem hat sich in den letzten Jahren die Dynamik in der Atmosphäre verändert. Dies betrifft besonders die Jetstreams, also atmosphärische Windbänder, die kalte von warmen Luftmassen trennen. Für das europäische Wetter ist maßgeblich der Polarfrontjetstream bedeutend. Studien zeigen, dass sich die Zirkulation des Jetsstreams wahrscheinlich in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel im Sommer verlangsamt habe. Dadurch halten Wetterhochs und -tiefs länger an – und bleiben in einer Region.

Die Verlangsamung des Jetstreams hängt mit der Erwärmung in der Arktis zusammen. Da der Jetstream vom Temperaturgefälle zwischen dieser eigentlich kalten Region und den Tropen angetrieben wird, bewegt sich das Windband langsamer. Je wärmer es in der Arktis wird, desto instabiler wird der Jetstream. Extremwetter werden dadurch noch wahrscheinlicher.

„Klimaausblicke“ zeigen, wie die Klimakrise das Wetter in Deutschland verändern wird

Doch was folgt daraus genau für die Situation in Deutschland? Forscher und Forscherinnen des Climate Service Center Germany (GERICS), einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon, haben für alle deutschen Landkreise, Kreise, Regionalkreise und kreisfreien Städte die Entwicklung des Klimas in den kommenden Jahrzehnten errechnet.

Die „Klimaausblicke“ zeigen, wie sich das Wetter bis zum Ende des 21. Jahrhunderts entwickeln könnte. Dabei wurden für jeden Ort jeweils drei Szenarien berechnet: ein Szenario ohne wirksamen Klimaschutz, eines mit mäßigem und eines mit viel Klimaschutz.

Extremwetter werden in Deutschland weiter zunehmen

Die Ergebnisse machen eins deutlich: Selbst bei Klimaschutzmaßnahmen, wie sie derzeit etwa in Deutschland vorgesehen sind, werden die Extremwetter-Ereignisse weiter deutlich zunehmen.

Das Forscherteam erwartet zum Beispiel, dass in jeder Region in Deutschland die Zahl der Tage mit Starkregen zunehmen wird. Als Starkregen werden Wetterereignisse bezeichnet, bei denen die Niederschlagsmenge (Regen und Schnee) von 20mm erreicht oder überschritten wird.

Gebirgsregionen werden besonders von Starkregen betroffen sein

Besonders heftigen Starkregen gibt es aber meist in bergigen Gegenden. Auch in den Szenarien des Helmholtz-Zentrums zeigt sich, das besonders der Alpenrand, der Schwarzwald, das Erzgebirge und in Nordrhein-Westfalen die Eifel und das Bergische Land betroffen sein werden. Das ist darin begründet, dass sich in diesen Regionen Regenwolken besonders anstauen.

Die Modelle der Forscher und Forscherinnen zeigen auf, wo Unwetter-Ereignisse, wie sie gerade vor allem in NRW und Rheinland-Pfalz zu beobachten sind, in Zukunft ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit auftreten können.

Klimamodell: 22 Tage Starkregen im Berchtesgardener Land

Geht man vom mittleren Szenario aus, bei dem zwar Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden, der Ausstoß von Treibhausgasen aber noch für einige Jahrzehnte ansteigt, wird es Mitte des 21. Jahrhunderts besonders in Süddeutschland mehr Starkregen geben. Hier werden jährlich zwei Tage mit Starkregen mehr erwartet.

In Lindau am Bodensee muss man sogar insgesamt mit bis zu 18 Tagen extremem Niederschlag rechnen, im Berchtesgardener Land mit fast 22. Aber auch im bergischen Land kommt ein Starkregen-Tag dazu, ebenso in Dithmarschen und Nordfriesland.

Ende des 21. Jahrhunderts wird die Zahl der Starkregen-Tage in einigen Kreisen sogar um mehr als zwei zugenommen haben. Das gilt beispielsweise für Waldshut in Baden-Württemberg, Regen, Kempten und das Oberallgäu in Bayern sowie den Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen.

Ohne ausreichenden Klimaschutz wird die Lage für jede Region eng

Noch schlimmer fällt die Prognose im Negativszenario der „Klimaausblicke“ aus. Bei einem weiterhin hohen Ausstoß von Emissionen nimmt die Zahl der Tage, an denen so viel Regen fällt, dass teilweise Überschwemmungen möglich sind, in jedem Landkreis bis Ende des Jahrhunderts um mehr als eins zu.

Selbst in sonst trockenen Gebieten wie Sachsen-Anhalt wären dann vielerorts mehr als vier Tage Starkregen zu erwarten. Im Kreis Remscheid in Nordrhein-Westfalen müsste mindestens mit 3,5 Tagen mehr gerechnet werden, im Oberbergischen mit 3,3.

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