Flutkatastrophe

Hochwasser-Held: Dieser Mann rettete die Steinbachtalsperre

| Lesedauer: 3 Minuten
Seehofer: Nationaler Kraftakt nach Hochwasser nötig

Seehofer: Nationaler Kraftakt nach Hochwasser nötig

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat bei einem Besuch in der Hochwasserregion in Ahrweiler einen nationalen Kraftakt zur Bewältung der Folgen gefordert. "Jetzt in diesen Tagen ist die Stunde der Hilfe und der Solidarität", sagte Seehofer.

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Euskirchen.  Die Steinbachtalsperre ist gesichert. Das ist vor allem einem Baggerfahrer zu verdanken, der über seinen gefährlichen Einsatz berichtet.

  • Das Hochwasser bedrohte die Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen
  • Dass sie den Wassermassen standhielt, lag auch am beherzten Eingreifen eines Baggerfahrers
  • Ein Abfluss an der Steinbachtalsperre verstopfte - 18 Meter unter dem Wasserspiegel. Der Mann riskierte sein Leben

Einige Tage nach der Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands gibt es immerhin einen Grund zum Aufatmen: Die tagelang vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen scheint zu halten. Ein Dammbruch ist nicht mehr zu befürchten, teilten die Behörden mit. Bewohnerinnen und Bewohner umliegender Orte konnten zurück in ihre Häuser.

Das ist vor allem mutigen Menschen wie Hubert Schilles zu verdanken. Er hat mit seinem Bagger den Abfluss der Steinbachtalsperre freigeräumt und brachte sich dabei selbst in Lebensgefahr. „Man hat mich angerufen, mit der Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dort reinzufahren. Mit dem Hinweis, dass ich wissen muss, was auf mich zukommt. Weil das lebensgefährlich ist“, berichtet der 68-Jährige in einem Interview mit der „FAZ“.

Schilles ist Geschäftsführer eines Tiefbauunternehmens aus der Region. Für ihn sei klar gewesen, dass er den Auftrag an der Steinbachtalsperre selbst ausführt. „Ich kann dieses Risiko doch keinem zumuten, da reinzufahren. Mir war bewusst, was ich mache.“ Angst habe der 68-Jährige nicht gehabt, sagt er, sein Glaube an Gott habe ihm Kraft gegeben.

Steinbachtalsperre: Baggerfahrer in Lebensgefahr

Die Wand an der Talsperre ist laut Schilles 18 Meter hoch. Aufgrund des Unwetters verstopfte ein Ausfluss an der Bodenseite, sodass das Wasser nicht mehr ablaufen konnte. „Deshalb stand ich unten am Auslaufrohr, 18 Meter unter dem Wasserspiegel, und habe das Rohr freigemacht“, berichtet der Baggerfahrer. Wäre der Damm gebrochen, hätte es keine Überlebenschance für ihn gegeben.

Doch die Mission glückte. Am Donnerstag, den 15. Juli um 18:31 Uhr, floss wieder Wasser aus dem Rohr. Durch den Abfluss konnten dann 6000 Liter pro Sekunde abfließen – dennoch blieb die Lage noch tagelang angespannt. Inzwischen besteht laut Behörden allerdings keine akute Gefahr mehr an der Steinbachtalsperre.

Schilles und seine Mitarbeiter helfen derzeit mit ihren Bau-Fahrzeugen im Katastrophengebiet und transportieren Müll zur Deponie. „Kostenlos natürlich“, so der Geschäftsführer. Das sei für ihn Ehrensache. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet lobte Schilles bei seinem Besuch an der Steinbachtalsperre. Zivilcourage im Moment der Not habe geholfen, dass es nicht zu einer weiteren Katastrophe gekommen sei.

Lesen Sie hier, wie Sie jetzt für Betroffene des Hochwassers spenden können.

(amw)

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