Hochwasser

Liebesbrief in freigespültem Nazi-Schatz in NRW entdeckt

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Im Vordergrund sieht man die Vielzahl der Dokumente, die aus der Wand (im Hintergrund) geholt wurden.

Im Vordergrund sieht man die Vielzahl der Dokumente, die aus der Wand (im Hintergrund) geholt wurden.

Foto: Stadtarchiv Hagen

Hagen  Der durch das Hochwasser in NRW entdeckte Nazi-Schatz begeistert die Welt. Ein Teil des Fundes ist auch ein tragischer Liebesbrief.

  • Durch das Hochwasser in NRW ist in Hagen ein Nazi-Versteck freigespült worden
  • Hinter einer Mauer, die durch die Flut zerstört wurde, waren seit über 75 Jahren diverse Erinnerungsstücke versteckt
  • Experten haben unter den Fundstücken nun sogar einen mehr als hundert Jahre alten Liebesbrief entdeckt

Der durch das Jahrhunderthochwasser in Nordrhein-Westfalen freigespülte Nazi-Schatz begeistert seit Wochen Experten - plötzlich gibt es sogar weltweit Interesse an dem Hagener Stadteil Eckesey.

Von New York bis Wien erreichen unzählige Nachfragen Sebastian Yurtseven und das Stadtarchiv. Dort erfolgt gerade die Auswertung des Fundes. Diese hat eine neue Sensation zu Tage gefördert: Zusammen mit den Nazi-Stücken war auch ein tragischer Liebesbrief versteckt, der sogar noch aus der Kaiserzeit stammt.

Liebesgeschichte aus der Kaiserzeit neben Hitler-Portrait

Geschrieben hat ihn der Gärtner Rudolf Busch 1905. Mit rührender Unsicherheit gesteht er darin seiner Nachbarin Hedwig Wiedey seine Liebe "mit der ganzen Glut seines Herzens". Eigentlich habe er ihr das schon persönlich sagen wollen, als er ihr Rosen überbracht habe, sich dann aber doch nicht getraut.

"Nirgends finde ich Ruhe mehr, seit ich einmal zu tief in ihre verlockenden Augen geschaut (...) Was ich auch beginnen möge, ihr holdes Bild umschwebt mir überall", schrieb Busch weiter. Seine Ungewissheit treibe ihn schier in den Wahnsinn. "Es ist ja eigentlich unerlaubt, dass ich dummer Gärtner die Augen zu ihnen erhebe, aber ich finde keinen Ausweg mehr. Liebe teure Hedwig, wenn Sie mich nur ein ganz klein wenig lieb haben, so lassen Sie mich bitte nicht länger in dieser Ungewissheit zwischen Hoffen und Entsagen. Ganz der Ihre Rudolf Busch."

Seine Ungewissheit hat Hedwig Wiedey wohl aufgeklärt. Jedoch mit keinem guten Ende, wie Recherchen aus dem Hagener Stadtarchiv zeigen. Buschs Nachbarin heiratete 1913 einen anderen. Der Gärtner selbst verließ Hagen.

In Zusammenhang mit dem Nazi-Schatz steht der Liebesbrief nicht, teilte das Stadtarchiv mitteilte. Der Schacht in den Wiedey den Brief schmiss und in dem auch der Nazi-Fund entdeckt wurde, fungierte wohl über Jahrzehnte als Versteck.

Nazi-Fund umfasst Pistolen, Parteiadler und Aufzeichnungen über Schwangere

Finder Yurtseven hatte ihn erst vor kurzem wiederentdeckt. Das Hochwasser hatte das Erdgeschoss des Hauses seiner Tante geflutet. Als Folge löste sich eine durchnässte Rigips-Platte von der Wand. Yurtseven sah genauer hin und entdeckte in einem Loch hinter der Platte zunächst eine Zeitung aus dem Jahr 1940, wie er der Westfalenpost schilderte.

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Als der 39-Jährige, der als Geschichtslehrer tätig ist, daran zog, kam noch viel mehr zum Vorschein:

  • ein Revolver
  • Schlagringe
  • Gasmasken
  • ein Parteiadler der NSDAP
  • ein Gemälde von Adolf Hitler
  • NS-Literatur

Noch viele weitere Stücke fanden sich in dem Versteck – und eine außergewöhnliche Dokumentation. In ihr ist exakt der damalige Stand der Schwangerschaften in Eckesey festgehalten. "Mir ist erst wenige Momente später klar geworden, dass es sich hierbei um einen Fund handelt", erzählt Yurtensen über seinen Gänsehautmoment.

Historiker begeistert: "Schlaglicht auf NS-Dienststellen"

Auch Experten sind begeistert. "Es handelt sich um einen unglaublich wichtigen Fund. Er wirft ein Schlaglicht auf das Handeln und Wirken von NS-Dienststellen auf lokaler Ebene. Darüber ist in der Forschung immer noch zu wenig bekannt", sagte der Fachdienstleiter Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen, Dr. Ralf Blank.

Zusammen mit dem Archivamt für Westfalen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe soll der Fund, der sich für die Forschung als wahrer Schatz erweisen könnte, nun konserviert werden. Im Anschluss soll er dann im Stadtmuseum Hagen ausgestellt werden.

Mehr über den Nazi-Schatz aus Hagen erfahren Sie im Artikel der Westfalenpost

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