Pandemie

Corona: Spahn stellt Drei-Punkte-Plan gegen vierte Welle vor

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Nun werden die Booster-Impfungen verabreicht.

Nun werden die Booster-Impfungen verabreicht.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Berlin  Der geschäftsführende Gesundheitsminister Spahn wirbt für Booster-Impfungen. Die soll es bald nicht mehr nur für Risikogruppen geben.

"Die Pandemie ist alles andere als vorbei." Mit dieser Einschätzung leitete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die heutige Pressekonferenz zur Corona-Lage ein. Er sei falsch verstanden worden: Das Auslaufen der epidemischen Lage heiße nicht, dass wir die Pandemie hinter uns hätten. Im Gegenteil, die vierte Welle sei mit voller Wucht angekommen.

"Wir verlassen den rechtlichen Ausnahmezustand", so Spahn. Aber es brauche weiterhin Vorsicht, Schutzmaßnahmen und Eigenverantwortung aller Bürgerinnen und Bürger.

Es fiel der Begriff der "Pandemie der Ungeimpften": massiv steigende Infektions-, Hospitalisierungs- und Todeszahlen, vor allem unter Ungeimpften. Die Zahlen seien sprunghaft angestiegen, bestätigte auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. "Die vierte Welle verläuft genau so wie wir es befürchtet haben."

Spahn stellt Drei-Punkte-Plan vor

Für Spahn liegt die Lösung und das Brechen der Coronawelle in einem Drei-Punkte-Plan. Erstens müssten die 3G-, Masken- und Abstandsregeln konsequent umgesetzt werden. Gegebenenfalls müsse auch die 2G-Regel eine Option sein, bei der nur Geimpfte und Genesene Zutritt zum Beispiel zu Veranstaltungen und Restaurants erhielten.

Bereits im August habe er diese schärfere Regelung für stark belastete Regionen gefordert. Das sei auch übrigens kein "Impfmobbing". Es gelte schlicht, die Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden.

Diese Überlastung sei bereits da, so Charité-Immunologe Leif Erik Sander. Nicht nur steigen die Zahlen derjenigen, die intensiv behandelt werden müssten. Auch seien die Intensivkapazitäten "regelrecht weggebrochen" nach den Belastungen der vergangenen Pandemiemonate. Auch auf anderen Stationen sei die zusätzliche Belastung bereits spürbar.

Booster-Impfung auch für unter 70-Jährige?

Zweitens, so Spahns Plan, soll ein verpflichtendes Testkonzept für Pflegeheime umgesetzt werden. Die Todesfälle in einem Altenheim in Osthofen habe erst kürzlich gezeigt, wie wichtig das sei.

Der dritte Schritt ist die Auffrischung der Impfungen, die sogenannte Booster-Impfung. Bisher seien nur 2 Millionen Auffrischungsdosen verimpft worden, das sei bei weitem zu wenig. Das Beispiel Israel zeige, dass die Drittimpfung helfe, die pandemische Lage deutlich abzuschwächen. "Israel hat sich aus der Delta-Welle effektiv rausgeboostert", erklärte Sander weiter.

Doch für wen ist die Booster-Impfung vorgesehen? Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie für Menschen über 70 Jahren, Menschen mit Immunschwäche sowie Pflegepersonal, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. In Deutschland seien das 30 Millionen Menschen, sagt Sander, das Vielfache der bislang Drittgeimpften. "Das Impftempo reicht nicht, um den Effekt der Booster-Kampagne mitzunehmen."

Spahn: Booster-Impfungen schon für 16-Jährige?

Aktuell sei wichtig, risikoadaptiert vorzugehen, so der Immunologe. Das heißt also, diejenigen zuerst zu impfen, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines schweren oder sogar tödlichen Verlaufs am höchsten ist.

Zugelassen ist die Booster-Impfung jedoch bereits für alle Personen ab 16 Jahren. "Ich verstehe nicht, warum der Booster nicht auch für Jüngere möglich sein sollte", meint Spahn. Die Zulassung sei da, und zusammen mit den Erfahrungen aus anderen Ländern sehe er keinen Grund, nicht allen ein Drittangebot zu machen, unabhängig vom Alter.

Impfkapazitäten fehlen - Länder sollen Angebot ausbauen

Dazu fehlt es aber momentan vor allem an einem: an Kapazitäten. Denn die Impfzentren sind größtenteils geschlossen, Hausärztinnen und -ärzte kommen nicht hinterher. "Die Länder müssen das Angebot wieder ausbauen", so Spahn. Das könne auch dezentral passieren, es müsse nicht zwingend in Impfzentren sein. Der Bedarf sei jedenfalls da.

Für seinen Drei-Punkte-Plan will der geschäftsführende Gesundheitsminister in einer Konferenz mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten sowie der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel werben.

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