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Corona: So könnte ein Lockdown noch verhindert werden

| Lesedauer: 57 Minuten
Bundesweite Inzidenz steigt auf mehr als 450

Bundesweite Inzidenz steigt auf mehr als 450

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen steigt weiter an und hat mit mehr als 450 einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Todesopfer stieg laut RKI um 73.

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Berlin.  Ein Forscherteam um die Physikerin Viola Priesemann ist der Meinung, dass ein Lockdown noch zu verhindern wäre. Mehr dazu im Blog.

  • In Mecklenburg-Vorpommern treten aufgrund der hohen Belastung der Kliniken am Mittwoch Kontaktbeschränkungen in Kraft
  • Forscher haben ein Papier dazu veröffentlicht, wie ein Lockdown verhindert werden kann
  • An den Schulen in Deutschland steigen die Corona-Zahlen
  • Biontech arbeitet an einem Impfstoff gegen die Omikron-Variante
  • Die Ampel-Koalition will offenbar die Corona-Regeln verschärfen
  • Dieses Corona-Blog ist geschlossen – in unserem neuen Newsticker er lesen Sie alle weiteren Nachrichten zu Corona-Lage

Berlin. Die neue Corona-Variante Omikron bereitet große Sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt das Risiko als "sehr hoch" ein, Experten warnen vor möglicherweise hoher Ansteckungsgefahr – und der Fähigkeit zum Immunescape. Omikron ist bereits in Deutschland angekommen, auch Nachbarländer melden Fälle. Für den morgigen Dienstag ist kurzfristig eine Telefonkonferenz von Bund und Ländern anberaumt worden.

Noch ist die Variante zwar relativ unerforscht, Impfungen und Booster gelten aber weiterhin als bester Schutz vor Ansteckung und schwerem Verlauf. "Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie einer neuen Variante begegnen", sagte RKI-Chef Lothar Wieler.

Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen und der neuen Variante werden Forderungen nach einem neuen Lockdown immer lauter. So sprach sich etwa der Vizepräsident der Leopoldina für sofortige Kontaktreduzierung aus, die Deutsche Krankenhausgesellschaft hält einen Lockdown gar für "zwingend erforderlich". Ob es dazu am Ende kommt, ist offen – die Ampel-Koalition will aber zumindest die Corona-Regeln nachschärfen, wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mitteilte. Dabei werden sich wohl nicht nur Ungeimpfte auf Einschränkungen einstellen müssen.

RKI meldet aktuelle Corona-Zahlen

Die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut übermittelten Corona-Neuinfektionen liegt bei 29.364 Fällen in 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 452,4 an – abermals ein Höchstwert. Lesen Sie dazu: Corona in Deutschland: Fallzahlen und Hospitalisierungsrate

Corona-News von Montag, 29. November: Omikron-Variante auch in Schweden festgestellt worden

20.20 Uhr: Dieses Corona-Blog ist geschlossen. Hier lesen Sie alle weiteren Nachrichten zu Corona-Lage.

18.43 Uhr: Die Omikron-Variante ist erstmals auch in Schweden festgestellt worden. Das teilte die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten mit. Sie sei in einer etwas mehr als einer Woche alten Probe einer reisenden Person nachgewiesen worden, die sich kürzlich in Südafrika aufgehalten habe. Die Person stamme aus der südschwedischen Region Skåne. Es sei erwartet worden, dass die Variante auch in Schweden auftauchen werde.

Bayerischen Omikron-Infizierten geht es laut Holetschek gut

18.19 Uhr: Den drei in Bayern festgestellten Corona-Infizierten mit der neuen Omikron-Variante geht es nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) gut. "Mein jetziger Kenntnisstand ist, dass es ihnen soweit gut geht", sagte Holetschek nach Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz in München. Alle drei Infizierte befänden sich weiter in Isolation.

Omikron erstmals auch in Spanien nachgewiesen

18.09 Uhr: Erstmals ist auch in Spanien ein Fall der neuen Variante Omikron nachgewiesen worden. Das teilte das Labor für Mikrobiologie des Krankenhauses Gregorio Marañón in Madrid auf Twitter mit. Es handele sich um einen Patienten, der aus Südafrika eingereist sei. Ihm gehe es soweit gut, schrieb das Labor weiter.

Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte ab Mittwoch in MV

17.28 Uhr: In Mecklenburg-Vorpommern treten aufgrund der hohen Belastung der Kliniken mit Corona-Patienten am Mittwoch weitere Einschränkungen in Kraft. So gelten dann Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. In Läden erhalten nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Ausnahmen gelten für Geschäfte des Grundbedarfs, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte.

Vier weitere Omikron-Verdachtsfälle in Hessen

17.27 Uhr: In Hessen gibt es vier weitere Verdachtsfälle der neu entdeckten Variante Omikron. Das bestätigte das hessische Sozialministerium. Woher die betroffenen Personen stammen und in welchem Gesundheitszustand sie sind, dazu konnte das Ministerium keine Angaben machen. Die Betroffenen befänden sich in Quarantäne, teilte die Behörde mit.

Forschergruppe: Wie ein Lockdown vermeidbar wäre

17.12 Uhr: In Corona-Hotspots gilt bereits ein Lockdown, ein Großteil der deutschen Bevölkerung hält ein flächendeckendes Herunterfahren des öffentlichen Lebens noch vor Weihnachten für unvermeidbar. Einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Stuttgarter Unternehmensberatung Horváth zufolge gehen bis zu 80 Prozent der Befragten davon aus, dass das aktuelle Pandemiegeschehen diese Folgen haben wird. Auch verschiedene Experten plädieren dafür.

Doch nicht alle Fachleute teilen diese Meinung: Renommierte Forscher und Forscherinnen, darunter Viola Priesemann, sind der Auffassung, dass ein Lockdown noch abwendbar wäre. Voraussetzung dafür sind laut einem jetzt veröffentlichten Papier die konsequente und verstärkte Umsetzung von Schutzmaßnahmen und schnelleres Impfen.

Die Expertengruppe empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Mindestens zwei Prozent der Bevölkerung sollen pro Tag geimpft werden, das würde rund 1,5 Millionen Impfungen pro Tag bedeuten. Spezielle Kapazitäten für ältere und vulnerable Gruppen sollen bereitgestellt werden.
  • Am Arbeitsplatz sollen 3G- und Homeoffice-Regeln konsequent umgesetzt werden, dies reduziere auch Ansteckungen im öffentlichen Verkehr.
  • Veranstaltungen in Innenräumen mit mehr als 50 Personen sollen reduziert oder ausgesetzt werden.
  • In Restaurants, Bars, Clubs, Kinos oder Sporthallen soll 2G plus umgesetzt werden, im Freien mindestens 2G. Der Mund-Nasen-Schutz muss außer am Platz immer getragen werden, bei einer hohen Hospitalisierungsrate soll die Personendichte reduziert werden.
  • Auch im Einzelhandel soll die Personendichte je nach Hospitalisierungsrate reduziert werden.
  • Schulen benötigen eine Teststrategie, möglichst mit PCR-Tests. Zusätzlich muss konsequent gelüftet werden. Ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz muss auch im Unterricht getragen werden. Bei hohen Inzidenzen wird zudem eine Reduktion der Gruppengrößen empfohlen.

72.000 Schülerinnen und Schüler in einer Woche infiziert

16.41 Uhr: An den Schulen in Deutschland steigen die Corona-Zahlen. Nach am Dienstag veröffentlichten Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) waren in der Woche vom 15. bis 19. November 72.000 Corona-Fälle bei Schülerinnen und Schülern bekannt. Das waren knapp 30.000 mehr als in der Woche davor. Darüber hinaus waren fast 126.000 von 10 Millionen Schülern in Quarantäne (Vorwoche rund 87.000).

Die KMK legt im Wochenrhythmus Zahlen vor. Grundlage sind Rückmeldungen aus den Bundesländern aus rund 28.000 allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen mit knapp 10 Millionen Schülerinnen und Schülern. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 11 Millionen Schülerinnen und Schüler an rund 40.000 Schulen und Berufsschulen. An knapp 1000 Schulen gab es demnach Einschränkungen im Präsenzbetrieb. 66 Schulen waren geschlossen.

Die Statistik für die Woche vom 15. bis 19. November weist außerdem 5670 Corona-Fälle bei Lehrkräften aus (Vorwoche 3600) und zusätzlich rund 3400 Quarantäne-Fälle (Vorwoche: 2100). Zugrunde liegen hier Angaben zu etwa 880.000 Lehrkräften.

Berliner Gesundheitssenatorin will öffentliches Leben runterdrehen – aber keinen "Lockdown wie letztes Mal"

15.55 Uhr: Vor den Bund-Länder-Gesprächen zur Corona-Krise dringt die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci darauf, das öffentliche Leben mit bundesweiten Regeln wieder auf ein Minimum zu reduzieren. Wegen der niedrigen Impfquote "werden wir nicht drum herum kommen, das öffentliche Leben komplett runterzudrehen", sagte die SPD-Politikerin am Montag dem Nachrichtensender Welt. "Dafür brauchen wir aber bundeseinheitlich abgestimmte, nächste Schritte."

Bund und Länder wollen an diesem Dienstag wieder über die Corona-Krise beraten. Kalayci hatte bereits am Wochenende eine "Bundesnotbremse" gefordert. Bei Welt stellte sie jetzt klar: "Man kann aber nicht den Lockdown wiederholen wie letztes Mal." Es müsse differenziert werden, etwa mit Blick auf die Bildung und andere sensible Felder. Lesen Sie dazu den Kommentar: Omikron offenbart Probleme deutscher Pandemiepolitik

Die von ihr geforderte Kontaktreduzierung soll nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für Geimpfte gelten. Dabei reiche es nicht, "wenn jedes Bundesland irgendwas macht". Nötig sei vielmehr, "dass man hier bundesweit zu neuen Maßnahmen kommt".

Zweitstärkste Impfwoche gegen Corona

15.45 Uhr: Mit weit mehr als 3,1 Millionen Corona-Impfungen war die vergangene Woche in Deutschlands Arztpraxen die zweitstärkste Impfwoche aller Zeiten. Das teilte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung am Montag in Berlin mit. Die Zahl von 3.161.348 Schutzimpfungen wurde demnach lediglich in der 23. Kalenderwoche im Juni dieses Jahres übertroffen, als die niedergelassenen Ärzte rund 3,38 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft hatten. Die Hausarztpraxen übernehmen den Angaben zufolge mit 75 Prozent den Löwenanteil aller Impfungen.

Virologe Schmitdt-Chanasit warnt vor Spekulationen um Omikron-Variante

15.24 Uhr: Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hat vor Spekulationen rund um die neue Omikron-Variante des Coronavirus gewarnt. "Wir wissen bezüglich der Übertragbarkeit der Virus-Variante, der möglichen Schwere bei einer Erkrankung oder Impfdurchbrüchen noch zu wenig", sagte der Forscher von der Universität Hamburg am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auch sei noch gar nicht klar, ob sich diese Variante durchsetzen werde. Erfreulich sei jedoch, dass sowohl einige Schnell- als auch die PCR-Tests die in Südafrika entdeckte Omikron-Variante detektieren können. "Auch geht niemand davon aus, dass die vorhandenen Impfstoffe bei der neuen Variante gar nicht mehr helfen."

Schmidt-Chanasit geht davon aus, dass aufgrund der intensiven Forschungsarbeit bereits in wenigen Wochen und nicht erst in Monaten eine bessere Beurteilung der Omikron-Variante möglich sein wird. Dass Wissenschaftler jetzt alarmiert seien, bedeute keinesfalls, dass nun auch die Bevölkerung alarmiert sein müsse, betonte er. Unter Wissenschaftler heiße das vielmehr, dass die Sache dringend untersucht und erforscht werden müsse. Für die Bevölkerung gelte nach wie vor: Eine Impfung, das Maskentragen und Abstandhalten schützten.

"Wir können von Südafrika nicht automatisch auf Deutschland schließen", sagte Schmidt-Chanasit. Dort gebe es eine andere Bevölkerungsstruktur und auch ganz andere Grunderkrankungen.

Omikron-Fälle in Italien bestätigt – Reisender steckte Familie an

15.01 Uhr: In Italien haben sich vier Menschen mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert. Nachdem am Wochenende ein aus Mosambik eingereister Mann positiv auf B.1.1.529 getestet worden war, bestätigte eine komplette Genomsequenzierung den Verdacht, wie die Region Kampanien am Montag mitteilte. Der Mann lebt in dieser süditalienischen Region. Laut Behördenangaben hat er seine Frau und seine zwei Kinder angesteckt. Bei den drei Familienmitgliedern wurde die Variante ebenfalls nachgewiesen. Die vier Patienten weisen "keine relevanten Symptome" auf, weil sie geimpft waren, wie es weiter hieß.

Chinas Präsident Xi verspricht Afrika eine Milliarde Impfdosen

14.50 Uhr: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Chinas Staats- und Parteichef dem afrikanischen Kontinent eine Milliarde Impfdosen in Aussicht gestellt. In einer Rede per Video auf dem China-Afrika-Kooperationsforum (Focac) in Dakar in Senegal sagte Xi Jinping am Montag, 600 Millionen Impfdosen wolle China kostenlos zur Verfügung stellen. Weitere 400 Millionen sollten Unternehmen beider Seiten gemeinsam produzieren.

Ziel sei es, die Impfquote in Afrika zu erhöhen. Xi Jinping verwies auf das Ziel der Afrikanischen Union (AU), noch in diesem Jahr eine Quote von 60 Prozent zu erreichen. Als Unterstützung werde China auch 1500 medizinische Fachkräfte in Teams nach Afrika entsenden, kündigte Xi Jinping an. Nach Angaben von Experten liegt die Impfquote in vielen afrikanischen Ländern bisher nur im einstelligen Bereich.

NRW-Grüne für schärfere Kontaktbeschränkungen

14.47 Uhr: Die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern angesichts der dramatisch steigenden Corona-Zahlen drastische Kontaktbeschränkungen. Öffentliche Veranstaltungen in Innenräumen sollten untersagt und im Außenbereich die Anzahl der Teilnehmer massiv begrenzt werden, heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Zehn-Punkte-Plan. Bars und Clubs sollten geschlossen und Ausgleichszahlungen für Betreiber sichergestellt werden. Für eine bessere Koordinierung zwischen Land und Kommunen müsse der Krisenstab der Landesregierung aktiviert werden.

Darüber hinaus fordern die NRW-Grünen schärfere Schutzmaßnahmen auch für Geimpfte im gesamten Freizeitbereich. So sollten nur noch Geimpfte oder Genesene mit aktuellem negativen Corona-Test Zutritt zu Restaurants, Hotels, zum Einzelhandel jenseits des täglichen Bedarfs sowie zu Freizeitaktivitäten im Innenraum erhalten. Die 2G-plus-Regel sollte ab dem 18. Lebensjahr gelten.

In den Kitas sollten die Gruppen wieder getrennt werden und an den Schulen flächendeckend wieder die Maskenpflicht gelten. In Innenräumen und im Nah- und Fernverkehr sollten FFP2-Masken für Personen ab 14 Jahren als Standard gelten.

Bund und Länder tagen am Dienstag

13.55 Uhr: Die Länderchefinnen und -chefs werden am Dienstag zu einem Gespräch über das Vorgehen in der Corona-Pandemie zusammenkommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Wie die "Welt" zudem aus mehreren Quellen erfahren haben will, soll das Gespräch um 13 Uhr nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Bundesnotbremse stattfinden. An dem telefonischen Gespräch sollen demnach neben den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten und der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz teilnehmen.

Inhalt des Gesprächs soll, neben der Entscheidung Karlsruhes auch der neue Krisenstab und die derzeitige Corona-Lage sein. Die Richter in Karlsruhe werden am Dienstag entscheiden, ob und in wie weit der Gesetzgeber zur Pandemiebekämpfung Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen verhängen und Schulen schließen darf.

Nach AFP-Informationen handelt es sich dabei aber noch nicht um die geplante Ministerpräsidentenkonferenz. Diese ist bislang für den 9. Dezember geplant, allerdings wurde auch über ein Vorziehen des Termins diskutiert.

Region Hannover plant fünf Impfstraßen – zwei davon ausschließlich für Kinder

13.45 Uhr: Im Erlebnis-Zoo Hannover sollen fünf Impfstraßen mit zusammen zehn Impfplätzen entstehen. Das geht aus einer Mitteilung der Stadt Hannover vom Montag hervor. Die Straßen sollen im ehemaligen Regenwald-Panorama des Zoos entstehen, zwei davon werden ausschließlich der Impfung von Kindern dienen, sobald der Impfstoff für Kinder zur Verfügung steht. Bis dahin werden sich ab kommender Woche Erwachsene im Zoo impfen lassen können.

Biontech arbeitet an Impfstoff-Anpassung – "Keine Zeit verlieren"

13.34 Uhr: Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech arbeitet neben laufenden Labortests zur Untersuchung der neuen Corona-Variante Omikron auch an der Entwicklung eines angepassten Impfstoffs – vorbeugend für den Fall, dass dieser notwendig werden könnte. "Um keine Zeit zu verlieren, gehen wir diese beiden Aufgaben parallel an, bis die Daten vorliegen und wir mehr Informationen darüber haben, ob der Impfstoff angepasst werden sollte oder nicht", teilte eine Biontech-Sprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die beiden Arbeitsgänge überschneiden sich den Aufgaben zufolge teilweise. Als Beispiel wurde der Bauplan des Spike-Proteins für die Labortests mit dem Pseudovirus genannt, mit dem die Experimente durchgeführt werden. In den Labortests werden dabei Sera von Geimpften mit dem Spike-Protein der Variante konfrontiert. "Die Sera enthalten die Antikörper, die wir nach der Impfung haben", erklärte die Biontech-Sprecherin. Es werde dann darauf geschaut, wie gut sie das neue Spike-Protein neutralisieren, also unschädlich machen.

Lauterbach: Weiterer Omikron-Verdachtsfall in NRW

12.47 Uhr: In Nordrhein-Westfalen gibt es einen weiteren Verdachtsfall der neuen Omikron-Variante des Coronavirus. Nach Angaben des Kreises Kleve besteht bei einem Fall in Rees der Verdacht auf eine Corona-Infektion mit der Omikron-Variante. Die vollständig immunisierte Person sei mit ihrem Partner am 24. November in Frankfurt am Main aus Südafrika eingetroffen, teilte der Kreis Kleve am Montag mit. Am Folgetag seien dann Symptome einer Erkrankung aufgetreten. Ein PCR-Test fiel den Angaben zufolge positiv aus.

Der Kreis Kleve sprach in dem Zusammenhang von einem begründeten Verdacht auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus, über den das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen informiert worden sei. Auch das NRW-Gesundheitsministerium teilte am Montag auf Anfrage der dpa mit, dass es inzwischen neben Düsseldorf und Essen auch im Kreis Kleve einen weiteren Verdachtsfall zur neuen Omikron-Variante gebe. Laut dem Kreis Kleve läuft zu dem Verdachtsfall in Rees gegenwärtig die Laboruntersuchung mit einer Sequenzierung, ob es sich um die neue Omikron-Variante handele.

Coronamaßnahmen werden kurzfristig verschärft

11.50 Uhr: Die Ampel-Koalition will nach den Worten des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach die Corona-Maßnahmen kurzfristig verschärfen. Es werde "noch in dieser Woche" entsprechende Vorschläge geben, kündigte Lauterbach am Montag im Fernsehsender Phoenix an. Angesichts hoher Infektionszahlen ist nach Lauterbachs Einschätzung eine Schließung von Bars, Clubs und Diskotheken unumgänglich. Darüber hinaus werde es wahrscheinlich eine verbindliche Maskenpflicht an Schulen geben sowie weitere Einschränkungen für Ungeimpfte.

Hintergrund der Verschärfungen ist auch die neue Omikron-Variante des Virus, die nach Lauterbachs Worten "zur Unzeit" kommt. Es gebe nichts Schlimmeres, als während einer schweren Infektionswelle noch eine gefährlichere Mutation zu bekommen. Deshalb warb er noch einmal eindringlich für Impfungen: "Die Booster-Impfung ist wahrscheinlich unsere mit Abstand schärfste Waffe."

Länderbeschäftige erhalten 1300 Euro Corona-Bonus

11.30 Uhr: Mehr als eine Million Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Bundesländer bekommen ab Dezember 2,8 Prozent mehr Geld und spätestens im kommenden März eine steuer- und abgabenfreie Corona-Sonderzahlung von 1300 Euro. Darauf haben sich Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) als Arbeitgeber am Montag in Potsdam geeinigt. Nach mehreren Warnstreiks in den vergangenen Wochen, etwa an Unikliniken, sind weitere Ausstände damit vom Tisch.

Die Entgelte von Azubis, Praktikantinnen und Praktikanten und Studierenden im öffentlichen Dienst der Länder steigen demnach im Dezember um 50 Euro, im Gesundheitswesen um 70 Euro. Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Zahl der Impfungen am Wochenende stark angestiegen

11.20 Uhr: Am Wochenende haben sich in Deutschland wesentlich mehr Menschen für eine Impfung entschieden als noch am Wochenende zuvor. Am Samstag und Sonntag zählte das Robert Koch-Institut zusammen mehr als 660.000 Corona-Impfungen. Die Zahl habe sich mehr als vervierfacht, zeigte sich der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei Twitter zufrieden. Aktuell hätten bereits 9,2 Millionen Erwachsene in Deutschland eine Booster-Impfung erhalten.

Saarland stellt eigene epidemische Notlage fest

11.02 Uhr: Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich der Forderung nach einem schnelleren Spitzentreffen zur Coronalage zwischen Bund und Ländern angeschlossen. Es müsse schon vor dem bislang geplanten Datum am 9. Dezember eine Ministerpräsidentenkonferenz "mit Expertenaustausch" geben, sagte Hans am Montag in einer Regierungserklärung im Saarbrücker Landtag. Die aktuelle Lage sei eine "extreme Herausforderung", ergänzte Hans mit Blick auf die neu aufgetauchte Coronavariante Omikron. Fast alle Experten seien sich darin einig.

Für das Saarland werde die Regierung am Montag die epidemische Notlage feststellen. Zugleich verstärke das Land die Impfkampagne. Allein Arztpraxen und Impfzentren könnten bis zum Jahresende rund 300.000 Impfungen vornehmen. Dazu kämen weitere Angebote.

WHO stuft Omikron als "sehr hohes Risiko" ein

10.16 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das von der Omikron-Variante ausgehende globale Risiko als "sehr hoch" ein. Die Wahrscheinlichkeit einer möglichen weiteren Verbreitung der Variante sei hoch, schreibt die WHO in einem Briefing an ihre 194 Mitgliedsländer. Die Überwachungs- und Sequenzierungs-bemühungen sollten verstärkt werden.

Zwar sei noch vieles über die Variante im Unklaren, etwa was Verbreitung, schwere von Krankheitsverläufen oder den Immunescape angeht. Die WHO macht aber unmissverständlich klar: Sollte es zu einem von Omikron angetriebenen weiteren Anstieg von Covid-19-Fällen weltweit kommen, drohen "schwerwiegende Konsequenzen". Ein Anstieg der Fälle könnte zu einer überwältigenden Belastung der Gesundheitssysteme führen – unabhängig vom Krankheitsverlauf.

Zudem sind die Mitgliedsstaaten aufgefordert, ihre Impfkampagnen zu beschleunigen, gegebenenfalls Reisebeschränkungen einzuführen und sicherzustellen, dass Verteilungspläne aktiviert werden, um die gesundheitliche Grundversorgung sicherzustellen. Das Maskentragen, Kontaktbeschränkungen, Lüften, Vermeiden von Menschenansammlungen und Hand-Hygiene seien weiter der Schlüssel zur Eindämmung der Virusverbreitung.

Zweiter Omikron-Fall in Israel - Reisebeschränkungen in Kraft

10 Uhr: In Israel ist ein zweiter Fall einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus identifiziert worden. Der israelische Rundfunk berichtete am Montag, es handele sich um eine geimpfte Frau, die aus Südafrika nach Israel zurückgekehrt sei. Sie sei in gutem Zustand. Das Gesundheitsministerium bemühe sich nun, Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Außerdem würden noch elf Verdachtsfälle einer Infektion mit der Omikron-Variante geprüft, berichtete die Zeitung "Haaretz".

Die israelische Regierung hatte am Sonntag beschlossen, zur Eindämmung der neuen Variante die umstrittene Handy-Überwachung von Erkrankten wieder einzuführen. Lesen Sie dazu auch: Was ist eine Mutation – und was eine Variante?

In der Nacht zum Montag traten in Israel außerdem neue Reisebeschränkungen in Kraft. Bis auf Weiteres müssen alle Personen, die aus einem beliebigen Land nach Israel zurückkehren – darunter auch geimpfte Israelis – bei der Einreise mindestens drei Tage lang isoliert werden. Für Ausländer gilt für zunächst zwei Wochen ein Einreiseverbot.

Krankenhausgesellschaft: Laufen in Katastrophenmedizin hinein – Lockdown "zwingend erforderlich"

9.45 Uhr: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, warnt vor harten Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern. Mit Blick auf die zahlreichen Covid-Patienten auf den Intensivstationen sagte er am Montag im Deutschlandfunk: "Das findet jetzt auch aktuell statt, um sich auf noch schwierigere Lagen vorzubereiten. Wir laufen langsam, aber sicher in eine Art Katastrophen-Medizin hinein." Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, welchen Patienten sie zuerst helfen.

Schon jetzt würden Intensiv-Patienten früher "als medizinisch vertretbar" auf Normalstationen verlegt werden, erklärte Gaß. "Man weiß: Wir können nicht mehr allen Patienten die bestmögliche Behandlung ermöglichen, (...) die wir im Regelfall zur Verfügung haben." Das sei schon eine Art von Triage.

Angesichts der Situation in manchen Bundesländern sei ein harter Lockdown nun "zwingend erforderlich". In Bayern, Sachsen oder Thüringen sei "längst der Punkt überschritten, wo man noch irgendwie zuwarten könnte". Hier müsse dringen gehandelt werden, forderte Gaß. "Hier brauchen wir nicht nur ein Brechen des Trends. Wir brauchen hier dringend einen wirklichen Rückgang der Infektionszahlen - und das wird man nur über einen weitgehenden Lockdown dann auch realisieren können, der wohl auch nicht nur die Ungeimpften treffen wird, sondern auch die Geimpften treffen wird."

Leopoldina-Vize fordert zu sofortiger Kontaktreduktion auf

9.10 Uhr: Der Vizepräsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina, Robert Schlögl, fordert eine sofortige Kontaktreduzierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Das müsse so schnell wie möglich passieren, damit man Zeit gewinne, um mehr Menschen zu impfen, sagte Schlögl am Montag im RBB-Inforadio. Er sprach sich zudem für eine sofortige Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen aus. Selbst wenn man jetzt alle impfen würde, brauche es noch mindestens bis Weihnachten, ehe das wirke, sagte Schlögl: "Jeder Tag, den wir hier vertun, ist ein Tag, der schwere Gesundheitsschäden und Tote fordert."

Söder will Apotheken Impferlaubnis geben – Lockdown für alle "nicht auszuschließen"

8.45 Uhr: Angesichts der dramatischen Coronalage hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Gesetzesänderung gefordert, um Apotheker, Pflegekräfte sowie alle Ärzte an der Impfkampagne beteiligen zu könne. Die rechtliche Möglichkeit dazu müsse schnell und "am besten diese Woche" geschaffen werden, sagte er am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Dadurch werde das Boostern "einen neuen Schub bekommen". Das sei auch die besten Strategie gegen die neuartige Omikron-Variante des Coronavirus.

"Wir müssen boostern, boostern, boostern", sagte Söder. Zugleich sprach sich der CSU-Vorsitzende auch für Kontaktbeschränkungen auf nationaler Ebene aus. So müssten die Clubs und Diskotheken geschlossen werden, da dort viele Ansteckungen passierten. Die vierte Corona-Welle sei kein regionales Phänomen, sie werde "ganz Deutschland" treffen. Es müsse auch mehr 2G-Plus geben.

Auch ein Lockdown für Ungeimpfte sei letztlich nicht seriös auszuschließen, fügte Söder an. Bayern mache dies bereits in Hotspot-Regionen. "Ich denke, wir dürfen jetzt im Moment nichts ausschließen." Er forderte zugleich erneut ein Spitzentreffen von Bund und Ländern auf diese Woche vorzuziehen. "Warum zehn Tage warten? Eigentlich haben wir keine zehn Minuten", sagte Söder mit Blick auf die potenzielle künftige Bundesregierung.

Neuer Corona-Krisenstab soll rasch starten

8.30 Uhr: Der von der künftigen Ampel-Regierung geplante Corona-Krisenstab soll bereits "zu Beginn dieser Woche" starten. Das kündigte SPD-Chefin Saskia Esken am Montag im Bayerischen Rundfunk an. Es müsse jetzt alles getan werden, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen und die Intensivstationen zu entlasten, sagte Esken.

Auf Nachschärfungen des gerade erst von den Ampel-Parteien durchgesetzten Infektionsschutzgesetzes legte sich Esken jedoch nicht fest. Stattdessen verwies sie auf die Verantwortung der Bundesländer. Es gehe nun darum, dass die Länder die mit der jüngsten Novelle des Infektionsschutzgesetzes ermöglichten Maßnahmen, "also vor allem 2G und 2G plus [...], dass die auch überall umgesetzt werden."

Vor allem auf Druck der FDP waren mögliche Maßnahmen wie Ausgangssperren oder generelle Geschäftsschließungen aus dem Infektionsschutzgesetz auf Bundesebene gestrichen worden. Diese Maßnahmen stehen damit auch den Ländern nicht mehr zur Verfügung. Esken äußerte sich allerdings überzeugt, dass angesichts der Zuspitzung der Lage nun auch die FDP wieder schärfere Maßnahmen mittragen werde.