Pandemie

Corona: Wo das Virus den Sommerurlaub gefährdet

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Mallorca: Das ist die Lieblingsinsel der Deutschen

Mallorca: Das ist die Lieblingsinsel der Deutschen

Vier Millionen Deutsche fliegen jedes Jahr auf Mallorca. Die Geschichte der Lieblingsinsel der Deutschen.

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Berlin  In fast allen Urlaubsländern steigen die Inzidenzen stark an. Wer sich infiziert, muss sich vor Ort isolieren - aber es gibt Ausnahmen.

Endlich Ferienzeit! Viele Deutsche packen ihre Koffer, beginnen mit Reisevorbereitungen. Gleichzeitig aber steigen in vielen Feriengebieten die Corona-Infektionszahlen rasant an. Wie gehen die Länder damit um? Wo gibt es Maskenpflicht, wo gilt 3G? Und wie verhalte ich mich, wenn ich mich infiziere? Eine Übersicht über die Lage in beliebten Urlaubsländern:

Spanien: Die Maske kehrt zurück

Ausgerechnet in der Urlaubssaison steigt die Zahl der Neuinfektionen in Spanien rasant. Und zwar so sehr, dass Gesundheitsministerin Carolina Darias empfiehlt, in geschlossenen Räumen wieder die Maske aufzusetzen. Schuld ist die hoch ansteckende Omi­kron-Variante BA.5, die inzwischen der dominante Virustyp ist – auf Mallorca ist BA.5 für 80 Prozent aller Corona-Fälle verantwortlich. Die BA.5-Welle macht sich besonders in Krankenhäusern bemerkbar. Zuletzt lagen nahezu 11.000 Menschen mit Corona-Komplikationen im Hospital – rund viermal mehr als im Juli 2021.

Der Maskenappell verhallte nicht ungehört. Nicht nur in Supermärkten sieht man jetzt wieder mehr Menschen mit Mundschutz. Offiziell ist die Maske allerdings nur noch in Bahn, Bus, Taxi oder Flugzeug sowie in Apotheken und Gesundheitszentren Pflicht.

Generelle Sieben-Tage-Inzidenzen werden nicht mehr veröffentlicht. Lediglich bei den über 60-Jährigen werden Infektionen noch gezählt. Aber auch nur, wenn sie zum Arzt gehen. Dieser unvollständigen zufolge liegt die Inzidenz in den Hotspots Mallorca, Madrid und Kanaren bei über 700 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Wirklichkeit ist sie wohl höher.

Eine Isolationspflicht gibt es nicht mehr. Genauso wie die 3G-Regel für die Ein- und Rückreise aufgehoben wurde. Urlauber müssen somit nicht mehr befürchten, bei einer Infektion in Isolationshotels eingesperrt zu werden oder nicht wie geplant heimreisen zu können.

Österreich: Infektionszahlen steigen deutlich

Die Infektionszahlen gehen in Österreich nach oben. Und zwar deutlich. Die Inzidenz liegt derzeit bereits wieder bei um die 800. 80 Prozent der Erkrankungen gehen auf die Subtypen BA.5 und BA.4 zurück. Doch die Regierung plant keine neuen Beschränkungen.

Die Maskenpflicht gilt nur noch im Gesundheitsbereich sowie in Wien in Bussen und Bahnen. Einen negativen Test braucht man für Besuche in Krankenhäusern oder Altenwohnheimen. Auch die beschlossene Impfpflicht wurde wieder abgeschafft. Ebenso wurde das Testangebot massiv reduziert. Die jetzigen offiziellen Zahlen kann man also kaum mit denen aus vorangegangenen Wellen vergleichen. Abwassertests lassen jedenfalls weitaus höhere Infektionszahlen vermuten. Wer infiziert ist, muss sich isolieren. Nach fünf Tagen ist eine Freitestung möglich, der CT-Wert muss 30 oder höher sein, um die Isolation zu beenden.

Doch im öffentlichen Leben findet die Pandemie nicht mehr statt. Masken werden kaum mehr getragen, empfohlene Abstände nicht mehr eingehalten. Trotzdem steigt die Hospitalisierungsrate kaum an.

Italien: Wer sich infiziert, muss in Isolation

Italien hat als letztes westliches Land die Corona-Restriktionen gelockert und schon ist es mit einer neuen Welle konfrontiert. Eine Million Italiener sind derzeit mit dem Coronavirus infiziert. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg in der vergangenen Woche von 504 auf 763 Fälle pro 100.000 Einwohner. Die Zahl der stationären Patienten in den Krankenhäusern beträgt 7212 Personen. Die Wiedereröffnung der Covid-19-Abteilungen ist in den Kliniken im Gespräch. Da in Italien die 2G- und 3G-Pflicht abgeschafft wurde, ist die Zahl der täglichen Tests stark zurückgegangen.

Die Regierung plant vorerst keine neuen Maßnahmen. „Wir müssen mit dem Virus leben“, erklärte Gesundheitsstaatssekretär Andrea Costa. In Italien sind Masken nur noch Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie bei Krankenhausbesuchen.

Bei der Einreise gelten keine Beschränkungen mehr. Wer sich aber in Italien infiziert, der muss sich isolieren – Nichtgeimpfte zehn Tage, Geboosterte sieben Tage. Doch erst wenn der Test negativ ist, ist die Isolation vorbei. Wer einen symptomfreien Verlauf hat, kann sich schon nach fünf Tagen freitesten.

Portugal: Auf Madeira gelten andere Regeln

Portugal wurde als erstes EU-Land von der BA.5-Welle erfasst. Doch die Welle ist gebrochen. Die Inzidenz sank im nationalen Schnitt auf etwa 600 – in den portugiesischen Hotspots Azoren, Madeira und Lissabon ist sie aber noch deutlich höher.

Die Omikron-Variante BA.5 ist inzwischen in Portugal für 95 Prozent aller Fälle verantwortlich. Statt 30.000 Infektionen am Tag werden jetzt aber nur noch rund 10.000 registriert. Deswegen hat die Regierung nun die Einreise fürs Festland erleichtert: Ein Impfzertifikat ist nicht mehr notwendig und auch für den Besuch von Restaurants oder Veranstaltungen gibt es keine Einschränkungen. Maskenpflicht gilt nur im ÖPNV und in Gesundheitseinrichtungen.

Auf der Insel Madeira gibt es hingegen andere Regeln: Die Einreise ist zwar ebenfalls ohne Zertifikat möglich. Aber dafür gilt immer noch 3G für den Besuch von Restaurants, Bars, Discos, Friseuren und Kultureinrichtungen. Die Azoren verlangen wiederum bei der Ankunft den EU-Impfnachweis, doch auf den Inseln kann man sich dann frei bewegen.

Für ganz Portugal gilt, dass bei Infektion eine fünftägige Isolationspflicht besteht. Eine Meldepflicht für Infizierte gibt es aber nicht.

Türkei: Stichprobenartiges Fiebermessen am Flughafen

Rechtzeitig zu Beginn der Hauptreisesaison hat die Türkei alle bisher geltenden coronabedingten Einreisebestimmungen aufgehoben. An den Flughäfen gibt es aber weiterhin stichprobenartige Fiebermessungen. Bei erhöhter Temperatur können zusätzlich Untersuchungen angeordnet werden. Wer positiv getestet wird, muss sich für sieben Tage in Isolation begeben. Eine Maskenpflicht gibt es nur noch im Gesundheitswesen. Es gilt zwar eine Abstandspflicht (drei Meter). Aber in der Praxis wird das selten beachtet und noch seltener kontrolliert.

Seit Ende Juni nimmt die Zahl der Infektionen wieder zu. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zwar mit 98,5 noch niedrig. Aber als kritisch gilt das viertägige islamische Opferfest Kurban Bayrami, das am Sonnabend beginnt. Mediziner raten eindringlich, in öffentlichen Verkehrsmitteln und größeren Menschenansammlungen Masken zu tragen – zumal die Impfquote in der Türkei niedrig ist (62,4 Prozent).

Griechenland: Die jüngste Welle trifft einige der Ferieninseln

Seit Anfang Juni steigen die Neuinfektionen in Griechenland wieder stark an. Am Dienstag kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz über die Marke von 1000. Die jüngste Welle trifft neben dem Großraum Athen vor allem Ferieninseln wie Korfu, Kefalonia und Zakynthos im Ionischen Meer, aber auch Kreta.

Die Anmeldepflicht für Einreisende wurde abgeschafft, ein Impf- oder Testnachweis ist nicht mehr nötig. Wer sich infiziert, muss mindestens fünf Tage in Isolation. Sie kann im Hotelzimmer absolviert werden. Für Individualreisende stellen die Gesundheitsbehörden einen Aufenthaltsort zur Verfügung. Die Maskenpflicht ist weitgehend aufgehoben. Sie gilt nur noch im Gesundheitswesen, in Apotheken und im öffentlichen Nahverkehr wie Bahnen, Bussen und Taxis.

Trotz steil ansteigender Inzidenzen ist es derzeit unwahrscheinlich, dass Griechenland die Corona-Regeln verschärft. Aber für den Herbst wird die Wiedereinführung der Maskenpflicht diskutiert.

Frankreich: 3G gilt bei der Einreise

In Frankreich geht es trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von etwa 1000 entspannt zu, auch wenn die Gesamtbilanz mit über 149.600 Toten erschreckend hoch ist. Derzeit aber gibt es keine Überlastung in den Krankenhäusern.

Längst einkassiert wurden die meisten Einschränkungen, sogar die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Alltag der Bürger und Urlauber soll so normal wie möglich verlaufen können. Und das tut er auch. In Frankreich ist von der Pandemie kaum noch etwas zu spüren. Ganz verschwunden sind die Masken aber nicht. Vor allem ältere Menschen tragen sie weiterhin.

gilt 3G bei der Einreise für alle über Zwölfjährigen. Ungeimpfte müssen einen negativen Test vorweisen. Wer mit dem Flugzeug anreist, muss ein Passagierformular ausfüllen. Wer im Urlaub an Corona erkrankt, muss fünf Tage in Isolation.

Niederlande: Es gibt nur noch Empfehlungen

Die Einreise in die Niederlande ist ohne 3G-Nachweis möglich. Auch Ungeimpfte können ohne Test einreisen. Allerdings rät die niederländische Regierung, direkt nach der Einreise und fünf Tage später einen Test zu machen. Auch das gastronomische Angebot kann ohne Auflagen genutzt werden. Sogar in Bussen und Bahnen wurde die Maskenpflicht abgeschafft. Nur in Flugzeugen und am Flughafen ist der Mund-Nasen-Schutz jetzt noch vorgeschrieben.

Die Inzidenz ist niedriger als in Deutschland, sie steigt aber und liegt aktuell bei etwas über 220. Wer sich im Urlaub infiziert, dem wird geraten, sich zu isolieren. Die Isolationspflicht wurde abgeschafft. Die Niederländer sind entspannt. Aus der öffentlichen Debatte ist Corona trotz der neuen Omikron-Varianten weitgehend verschwunden.

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