Unwetter

Hurrikan "Ian" in Florida fordert mindestens zwölf Tote

| Lesedauer: 5 Minuten
Videografik: So entstehen Tornados

Videografik: So entstehen Tornados

Der US-Bundesstaat Kentucky ist schwer von Tornados getroffen worden. Die Wirbelstürme gehören zu den heftigsten und zerstörerischsten Stürmen überhaupt. Sie entstehen, wenn warme feuchte Luft, oft vom Meer kommend, auf trockene kalte Luft von den Polen trifft.

Beschreibung anzeigen

Washington.   Experten bezeichnen ihn als "Monster-Sturm": Mindestens zwölf Menschen in Florida wurden durch den verheerenden Hurrikan "Ian" getötet.

  • Hurrikan "Ian" verwüstet Teile Floridas
  • Mindestens zwölf Menschen starben
  • Millionen sind ohne Strom
  • US-Präsident Joe Biden warnt

Meterhohe Überschwemmungen durch Sturzfluten, brachiale Winde mit Tempo 240 Stundenkilometern, die Dächer abreißen und Bäume wie Strohhalme knicken, Niederschläge von 200 Litern und mehr pro Quadratmeter – Hurrikan "Ian" hat den US-Bundesstaat Florida fest im Würgegriff. Die anfängliche Annahme, dass "Ian" vorwiegend die Golfküste Floridas durcheinanderwirbeln würde, hat sich als falsch erwiesen.

Die Zahl der Todesopfer infolge des Durchzugs vom Hurrikan steigt immer weiter. Wie der Sender CNN sowie Vertreter verschiedener örtlicher Behörden berichten, wurden mindestens zwölf Menschen durch den verheerenden Sturm getötet.

Zwei Menschen starben beim Einsturz ihrer Häuser. Zudem sank am Mittwoch ein Boot mit Migranten aus Kuba vor der Küste Floridas. Die US-Küstenwache suchte nach 23 Menschen, drei wurden gerettet. Vier weitere hatten eine vorgelagerte Insel bei Key West erreicht.

Es sei noch zu früh, um abzuschätzen, wie viele Menschen tatsächlich infolge des Hurrikans gestorben seien, sagte der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis. Hunderte Menschen waren seinen Angaben zufolge weiterhin auf Hilfe durch Rettungskräfte angewiesen.

US-Hurrikanzentrum warnt vor "lebensbedrohlichem, katastrophalem" Verlauf

Nachdem sich "Ian" vorübergehend zu einem Tropensturm abgeschwächt hatte, stufte ihn das US-Hurrikanzentrum NHC im weiteren Verlauf wieder als Hurrikan ein und warnte weiterhin vor "lebensbedrohlichen, katastrophalen" Sturmfluten, starkem Wind und Regen.

Der Hurrikan zog am Donnerstagabend weiter in Richtung der Bundesstaaten Georgia sowie South- und North-Carolina. Von der Hurrikan-Warnung des NHC waren die gesamten Küstenregionen von South Carolina sowie Teile von Georgia und North Carolina betroffen. Nach Angaben des NHC könnte sich der Sturm erneut verstärken, bevor er wieder auf Land trifft. Er werde sich wahrscheinlich über dem Südosten der USA in der Nacht von Freitag auf Samstag "rasch abschwächen".

"Ian" hatte Florida am Mittwochnachmittag mit Windgeschwindigkeiten von 240 Stundenkilometern erreicht und dort schwere Verwüstungen angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört, Bäume und Stromleitungen stürzten um. Überschwemmungen und Zerstörungen wurden vor allem aus den Städten Fort Myers und Naples gemeldet.

Experten bezeichnen Hurrikan "Ian" als "Monster-Sturm"

Handy-Videos zeigten, was die Experten vor Ort mit "größter Monster-Sturm seit Jahrzehnten" meinten. In Fort Myers und Sanibel Island standen Straßenzüge bis zur Oberkante der Hinweisschilder unter Wasser.

Wie bei einem Staudamm, dessen Schleusen geöffnet werden, drückte der Hurrikan, der ohrenbetäubenden Lärm erzeugte, die Fluten zwischen die Häuserzeilen, riss Dächer ab, legte Palmen flach und ließ Autos auf den Wellen tanzen. In Port Charlotte mussten die Patienten eines Krankenhauses verlegt werden.

Jim Cantore, der wohl erfahrenste TV-Reporter im "Weather Channel", wäre bei Böen von über 200 Stundenkilometern bei einer Live-Schalte fast von den Beinen geweht worden.

Bevor "Ian" am Mittwochnachmittag Land erreichte, meldeten Meteorologen ein seltenes Phänomen. Der Sturm saugte über viele Kilometer das strandnahe Wasser ab. Manche nutzten die Gelegenheit für einen Spaziergang über den sandig-schlammigen Meeresboden.

Hurrikan in Florida: "Ian" sorgt für großflächige Stromausfälle

Die Regierung von Ron DeSantis erklärte, dass über 2,5 Millionen Haushalte ohne Strom sind. 40.000 Reparatur-Arbeiter stünden bereit, um abgerissene Leitungen zu erneuern. Das kann Wochen dauern.

Nach Angaben des Republikaners gehört "Ian" zu den fünf schwersten Hurrikans in der Geschichte Floridas: US-Präsident Joe Biden warnte, es könnte sich um den "tödlichsten Hurrikan in der Geschichte Floridas" handeln

Ob er unterhalb der Zerstörungskraft von "Andrew" bleiben wird, wird sich zeigen. Der Hurrikan der Kategorie 5 hinterließ vor genau 20 Jahren 23 Tote und 26 Milliarden US-Dollar Sachschaden. "Citizens Property Insurance", der größte staatliche Versicherer für die meisten Hauseigentümer, kalkuliert mit mindestens 250.000 Anträgen auf Schadensausgleich.

"Ian" hat zudem wie erwartet den Flugverkehr im Südosten der USA weitgehend zum Stillstand gebracht. Von Dienstag bis Freitag wurden nach Angaben der Internet-Seite "Flightaware" rund 5000 Flüge zwischen Tampa und Orlando gestrichen. Entertainment-Gigant Disney in Orlando hat seinen berühmten Themen-Park Disney World bis einschließlich Donnerstag geschlossen.

Hurrikan: "Ian" wird auch für Retter zum Problem

Auf Facebook nahmen bis zum Mittwochabend fast 600.000 Menschen Anteil am Schicksal der Feuerwache im südlich gelegenen Napels. Die Station stand binnen weniger Stunden 1,20 Meter tief unter Wasser. An Ausrücken war nicht zu denken.

Vielerorts legte der Sturm 911-Notrufzentralen lahm. Hunderte Menschen, die den Aufrufen zur Evakuierung nicht gefolgt waren, blieben in ihren Wohnungen gefangen, erklärten Polizeisprecher.

"Ian": Hurrikan gewann in sehr kurzer Zeit an Stärke

Unterdessen lenkten Wissenschaftler im Hurrikan-Zentrum in Miami die Aufmerksamkeit darauf, dass "Ian" sich auf seinem Weg aus der Karibik über Kuba bis zur Küste Floridas in extrem kurzer Zeit zu einem Mega-Hurrikan ausgewachsen hat. Das hänge eindeutig mit gestiegenen Meeres-Temperaturen und hoher Feuchtigkeit in der Atmosphäre zusammen. "Der Klimawandel hinterlässt seine Handschrift", sagte ein Forscher dem TV-Sender ABC.

Mitten in der Katastrophe macht ein fast schon ikonisches Foto den Menschen etwas Mut: Die Leiter des 100 Jahre alten Botaniker-Tierpark-Mekkas "Sunken Gardens" in St. Petersburg brachten die beliebtesten Bewohner rechtzeitig vor "Ian" in Sicherheit: Etliche Flamingos harrten, versorgt mit Futter und Wasser, in der Toilette aus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de