Ein Lengeder Ausflugsziel verschwindet

Lengede.  Das Verlanden der früheren Klärteiche ist kaum noch zu verhindern. Fische und Vögel sind schon weg.

Der vordere der Lengeder Teiche, wenn man vom Vallstedter Weg hochkommt, ist quasi nicht mehr vorhanden.

Der vordere der Lengeder Teiche, wenn man vom Vallstedter Weg hochkommt, ist quasi nicht mehr vorhanden.

Foto: Arne Grohmann

Die Kuh, die in Lengede um die gleichnamigen Teiche läuft, wird das zukünftig zwar nicht viel schneller schaffen, aber wahrscheinlich kaum noch Teich dabei zu sehen bekommen.

Das beliebte Ausflugsziel, ein Relikt aus der Zeit der Klärteiche während der Bergbauzeit der Dörfer der Gemeinde Lengede, verschwindet. Genauer gesagt: Es verlandet, die Pflanzenwelt erobert die Wasserflächen, alles wuchert von außen nach innen immer mehr zu.

In diesem Sommer, der längst nicht so heiß wie der 2018 war, sind einige der Teiche fast vollständig trocken gefallen. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen: Die Naturschutzbehörde des Landkreises Peine verweist unter anderem darauf, dass die Verlandung der nach dem Ende der Bergbauära nicht mehr benötigten Klärteiche von Anfang an vorgesehen war.

Doch eigentlich hatten sich längst nicht nur die Bürger der Gemeinde Lengede an ihre „Teiche“ gewöhnt. Denn es gab sie inzwischen sehr lange. Zumindest bemühte sich die Gemeinde, die Teiche als Ausflugsziel einigermaßen attraktiv zu halten. Wege wurden immer wieder freigeschnitten, ebenso Sichtschneisen auf die Gewässer, dies aber mal mehr mal weniger engagiert und erfolgreich.

Naturschützer kritisierten schon früh, dass die Maßnahmen des Landkreises Peine und der Gemeinde Lengede viel zu gering seien. Es kam wie es wohl kommen musste: Irgendwann war das Zuwuchern der Wasserflächen mit Bordmitteln, also mit nur seltenen Einsätzen, nicht mehr zu verhindern.

Das nahmen und nehmen Bürger und Naturschützer den Verwaltungen weiterhin krumm. Auch die bisher an den Lengeder Teichen gerne anwesenden und gerne beobachteten diversen Vögel, teilweise geschützte Arten, buchten nach und nach andere Quartiere.

Das wird womöglich dazu führen, dass die Teiche zumindest ihren EU-Schutzstatus verlieren. Kein Wasser, keine seltenen Vögel, kein Schutzstatus mehr – so nimmt die Geschichte ihren Lauf, damit dürften die Lengeder Teiche auch irgendwann Geschichte sein.

Als die Wasserstände immer mehr sanken, machten sich nicht nur einige Bürger Sorgen, was mit den Fischen passiert. Ein Abfischen aus der restlichen Wasserfläche stand aber nicht zur Debatte.

Zu gefährlich, hieß es. „Der Boden der Teiche besteht aus abgelagerten Sedimenten des Bergbaues, in dem man tief einsinkt“, erläuterte Lengedes Fachbereichsleiter Cord-Heinrich Helmke. Die genaue Zusammensetzung des früheren Klärschlamms steht nicht fest.

Der Landkreis Peine ergänzte: Die Lengeder Teiche seien eine sogenannte Bergbaufolgelandschaft. Die künstlichen Teiche dienten der Klärung/Reinigung der „Aufbereitungstrübe“, einer schlammigen Flüssigkeit aus der Erzwäsche.

Diese sei in die Teiche eingeleitet worden, wo sich Schwebstoffe absetzten. Klares Wasser sei dann in die Vorfluter abgeleitet oder zur Wiederverwendung in der Erzwäsche aufbereitet worden.

„Nach Kenntnis der Unteren Naturschutzbehörde erfolgten damals keine chemischen Analysen dieses Wassers. Das gilt in gleicher Weise für die Sedimente in den Teichen“, so der Landkreis Peine.

Bekannt sei lediglich, dass der Untergrund aus schlammigem Material bestehe, das nicht begehbar bzw. nicht tragfähig sei. Daran seien 2015 die Versuche der Unteren Naturschutzbehörde gescheitert, mit einem Bagger Material zu entnehmen und so der Verlandung entgegen zu wirken.

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