Peine – Sparkasse kündigt 5000 Prämiensparverträge

Peine.  Als Grund für dieses Vorgehen wird die Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angeführt.

as Bild zeigt die Peiner Zentrale der Sparkasse an der Celler Straße. Straße). Anfang 2017 fusionierte die frühere Kreissparkasse mit Hildesheim und Goslar zur Sparkasse HGP (Hildesheim Goslar Peine)

as Bild zeigt die Peiner Zentrale der Sparkasse an der Celler Straße. Straße). Anfang 2017 fusionierte die frühere Kreissparkasse mit Hildesheim und Goslar zur Sparkasse HGP (Hildesheim Goslar Peine)

Foto: Henrik Bode / Archiv

Zum 30. April kündigt die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine (HGP) Altverträge des Prämiensparen. Rund 5000 Verträge im Wert von 98 Millionen Euro sind betroffen – zunächst. Dazu gehören auch Verträge von Mitarbeitern. Das teilte die Sparkasse am Donnerstag mit. Die Kündigungsschreiben werden demnach aktuell versandt.

Konkret geht es um die Verträge, die bereits 15 Jahre oder länger laufen und somit mindestens einmal – viele sogar schon mehrere Jahre – den höchsten Prämiensatz auf die jährlichen Sparraten erhalten haben. Im Geschäftsgebiet im Landkreis Peine geht es um 1600 Verträge, in Goslar um 2800 und in Hildesheim um 500, wie Elke Brandes, Leiterin Vorstandsstab, auf Nachfrage vorrechnete. Als Grund wird die Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angeführt.

Die Sparkasse stützt sich auf Urteile des Bundesgerichtshofs. Demnach dürften Sparkassen diese Verträge mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen, wenn die Kunden mindestens einmal in den Genuss des höchsten Prämiensatzes gekommen seien.

Die wirtschaftlichen Bedingungen hätten sich seit damaligem Vertragsabschluss extrem verändert. Das anhaltende und historisch niedrige Zinsniveau veranlasse die Sparkasse zu diesem Schritt. Eine Weiterführung der Verträge, so Vorstandsvorsitzender Jürgen Twardzik, sei wirtschaftlich nicht mehr zu verantworten. Twardzik äußert Verständnis für die betroffenen Sparer: „Natürlich verstehen wir die Enttäuschung unserer Kunden.“ Und er fügt hinzu: „Aber wir sind genauso Leidtragende der EZB-Politik und sitzen mit unseren Kunden in einem Boot.“ Die aktuelle Zinssituation, gepaart mit dem negativen EZB-Einlagensatz für Banken, der aktuell bei minus 0,50 Prozent liege, zwinge die Sparkasse zu dem Handeln. Er betont: „Es liegt in unserer Verantwortung als Kreditinstitut vor Ort, auch einmal unbequeme Entscheidungen zu treffen, um die Sparkasse sicher durch das schwierige Zinsumfeld zu navigieren.“

An die Kunden richtet die Sparkasse den Hinweis, dass das Haus „gute Anlagealternativen“ biete. „Selbstverständlich lassen wir unsere Kunden mit der Entscheidung, wie sie in Zeiten von niedrigen Zinsen sparen und Geld anlegen können, nicht alleine.“

Seitens der Sparkasse werden weitere Kündigungen nicht ausgeschlossen. „Wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern, planen wir, auch künftig Verträge zu kündigen, die die Voraussetzungen erfüllen“, so Elke Brandes. Die Zahl solcher Verträge gibt es Sparkasse mit insgesamt rund 20.000 an.

Laut einer Erhebung des unabhängigen Finanz- und Verbraucherportals biallo.de haben Banken und Sparkassen allein 2019 wegen der Niedrigzins-Problematik bundesweit mehr als 200.000 Sparer aus ihren Sparverträgen gedrängt. Seit Beginn der Kündigungswelle 2015 hätt schon rund 90 Sparkassen Kündigungen verschickt.

Verbraucherschützer kritisieren, dass Banken das Problem auf den schwächeren Vertrags­partner abzuwälzen versuchten. Andrea Heyer, Referats­leiterin für Finanz­dienst­leistungen bei der Verbraucherzentrale, erklärt: „Natürlich ist die anhaltende Nied­rigzins­phase eine Belastung, doch professionelle Kredit­institute sollten typische Risiken wie das Zins­änderungs­risiko im Griff haben.“ Betroffenen wird geraten, die Rechtmäßigkeit einer solchen Kündigung von einem Experten überprüfen zu lassen. Weil die Bedingungen der Prämiensparver­träge von Bank zu Bank unterschiedlich seien und manchmal dieselbe Sparkasse verschiedene Vari­anten verkauft habe, könne eventuell ein Wider­spruch sinn­voll sein.

Gerade für die Sparkassen dürften die Kündigungen ein Dilemma sein. Denn keine andere Bankengruppe steht so sehr für das Sparen wie sie – schon der Name ist Programm. Zumal Prämiensparverträge auch dazu gedacht waren, Kunden lange zu binden. Nun kündigen Sparkassen ausgerechnet ihren treuesten Kunden, die für 15 Jahre und mehr auf diese Weise gespart haben. Die Sparkasse HGP rechne jedoch nicht mit Klagen, weil der BGH bereits entschieden habe.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder