Ilsede zeigt Flagge im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Ilsede.  Die Gleichstellungsbeauftragte Carolin Koch und die Integrationsbeauftragte Zican Yalcin machen aufmerksam auf diese Straftaten.

Prangern Gewalt an: die Gleichstellungsbeauftragte Carolin Koch (links) und die Integrationsbeauftragte Zican Yalcin.

Prangern Gewalt an: die Gleichstellungsbeauftragte Carolin Koch (links) und die Integrationsbeauftragte Zican Yalcin.

Foto: Harald Meyer

Buchstäblich Flagge zeigt die Gemeinde Ilsede: Zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am morgigen Mittwoch weisen die Gleichstellungsbeauftragte Carolin Koch und die Integrationsbeauftragte Zican Yalcin der Südkreiskommune am Rathaus auf diese Straftaten hin.

Gewalt gegen Frauen – „es gibt sie in allen gesellschaftlichen Schichten und in allen ethnischen Gruppen“, machen Zican Yalcin und Carolin Koch deutlich. Wobei in der Corona-Krise die häusliche Gewalt – betroffen sind vor allem Frauen und Kinder, aber auch Männer – nachweislich anhand der Kriminalstatistik bundesweit zugenommen hat. Der Grund: In Zeiten von Home-Office, Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit und angesichts der Kontakteinschränkungen verbringen Paare und Familien mehr Zeit als sonst zusammen in der Wohnung oder im Haus.

Allerdings: Häusliche Gewalt findet vor allem in den eigenen vier Wänden, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – daran erinnern die beiden Beauftragten. „Die Dunkelziffer ist also extrem hoch“, verdeutlicht Carolin Koch. Zican Yalcin setzt hinzu: „Mit den beiden Fahnen der Frauenorganisation ,Terre des Femmes’ vor dem Ilseder Rathaus mit der Aufschrift ,Frei leben ohne Gewalt’ wollen wir die Aufmerksamkeit auf das Thema ,Gewalt gegen Frauen’ lenken.“ Carolin Koch ergänzt: „Den Opfern wird die Gewalt oft an den Körperstellen angetan, die für Außenstehende nicht zu sehen sind.“

Somit ist es ein Irrglaube anzunehmen, im Kreis Peine gäbe es solche Gewalttaten nicht: Offensichtlich wird das dadurch, dass das Peiner Frauenhaus mit seinen acht Zimmern und 19 Betten nicht alle Hilfesuchenden aufnehmen kann, notwendig ist eine Erweiterung der Kapazitäten. Für weibliche Gewaltopfer ist diese Einrichtung eine wichtige Anlaufstelle, zumal Zican Yalcin und Carolin Koch betonen: Aus Angst vor ihren Peinigern würden nach wie vor Frauen die Gewalttäter nicht bei der Polizei anzeigen.

Die Beauftragten unterstreichen die Bedeutung von Schulen, Kindertagesstätten und Jugendzentren – zum einen, weil dort Fachleute Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, erkennen; zum anderen weil eine bessere Bildung (gute Bildungschancen für alle) ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Gewalt wäre. Zican Yalcin und Carolin Koch verweisen auf das Bundes-Aktionsprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt“, das sich dafür einsetzt, dass:

• mehr Frauen und Männer Mut haben und sich wehren, wenn sie von körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt betroffen sind.

• mehr Menschen im Umfeld von Betroffenen hinsehen und ihnen helfen.

Information:

• Hilfe: Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der Nummer (08000) 116 016 jederzeit anonym und kostenlos zu erreichen. Weitere Informationen unter www.hilfetelefon.de, staerker-als-gewalt.de, zuhause-nicht-sicher.de im Internet.

• Die Vereinten Nationen (UNO) haben den „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ erstmals 1960 ausgerufen: Anlass war die Ermordung von drei Frauen in der Dominikanischen Republik.

• Die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Peine: Silke Tödter (Landkreis), Banafsheh Nourkhiz (Stadt Peine), Kathrin Drost (Vechelde, zurzeit nicht im Dienst), Melanie Dettke (Wendeburg), Sabine Wunderling (Lengede), Carolin Koch (Ilsede) und Martina Laas (Hohenhameln). In der Gemeinde Edemissen ist die Stelle unbesetzt.

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