Rietzer freuen sich – Via Romea ist Europäische Kulturroute

Rietze.  Die Via Romea, die auch durch Rietze im Peiner Nordkreis führt, ist vom Europarat als Kulturroute anerkannt worden. Sie führt von Stade nach Rom.

Dr. Gerhard Himmelmann (links), Streckenbeauftragter der Via Romea, und der Rietzer Ortsbürgermeister Günther Krille stehen an der ersten der beiden Rietzer Info-Stationen über den Pilgerweg des Abts Albert von Stade nach Rom.

Dr. Gerhard Himmelmann (links), Streckenbeauftragter der Via Romea, und der Rietzer Ortsbürgermeister Günther Krille stehen an der ersten der beiden Rietzer Info-Stationen über den Pilgerweg des Abts Albert von Stade nach Rom.

Foto: Bettina Stenftenagel

Der Europarat hat die Via Romea – sie führt auch durch Rietze - als Europäische Kulturroute anerkannt und zertifiziert. Nach fünfjährigem Anlauf sei es gelungen, die Kommissionen der 47 Mitgliedsstaaten des Europarates von der Qualität des Pilgerweges als „Weg der Begegnungen“ zu überzeugen, berichtet Dr. Gerhard Himmelmann aus Rietze. Himmelmann ist Streckenbeauftragter des Abschnitts der Via Romea zwischen Braunschweig und Celle. „Ich betreue die Pilger, die hier durchkommen“, erklärt er.

An diesem Mittwoch hat er übrigens Geburtstag – seinen 80. Lange hat der Förderverein „Romweg Abt Albert von Stade“ auf diese Anerkennung hin gearbeitet. Ausführlich hätten Aktivitäten entlang des Weges dokumentiert werden müssen, erklärt Himmelmann. Und es habe auch der Nachweis erbracht werden müssen, dass der Weg bereits von Pilgern aus der ganzen Welt genutzt wird. In Rietze, unter schönen alten Eichen, gibt es schon seit mehreren Jahren eine Informationstafel über die Via Romea – und auch einen Rastplatz.

Einige Meter weiter erinnert ein Gedenkstein an die Wegstrecke des Postwagens von Braunschweig nach Celle. Der Postwagen fuhr von 1771 bis 1800 regelmäßig dort. „Wir wollen den Gedenkstein an den Rastplatz versetzen“, berichtet Ortsbürgermeister Günther Krille von den neuesten Plänen.

Von Stade nach Rom – Reise dauerte ein halbes Jahr

Von Stade nach Rom – es ist eine lange Reise, die Abt Albert im Jahr 1236 angetreten hat. Er erhoffte sich von Papst Gregor IX Unterstützung, aus dem Benediktinerkloster zur Heiligen Jungfrau Maria ein Zisterzienserkloster zu machen, in dem strengere Regeln gelten. Doch der Papst erteilte dieser Klosterreform ebenso eine Absage wie zuvor schon die Klosterbrüder und der Bremer Erzbischof. Enttäuscht machte Abt Albert sich auf den Rückweg und kam dabei durch „rithhusen, das heutige Rietze.

Auf dem Hinweg ging der Abt einen Umweg über Frankreich, vermutlich, um Citeaux zu besuchen, vermuten die Geschichtskundigen des Fördervereins. Die Gesamtstrecke sei circa 3500 Kilometer lang. Der Abt sei vermutlich ein halbes Jahr unterwegs gewesen.

2007 erstmals an den Pilgerweg erinnert

Erstmals wieder an den uralten Pilgerweg erinnert haben Giovanni Caselli und Uwe Schott. Sie schrieben im Jahr 2007 die Kommunen in Deutschland, Österreich und Italien an und zitierten aus dem historischen Dokument des Abtes, den „Annales Stadenses“, in dem er seine Reise beschrieben hatte. „Seitdem haben sich hunderte Freiwillige und kommunale Repräsentanten mit Herz und Hand der Festlegung und Sicherung der Strecke gewidmet – getragen von dem Wunsch, eine Brücke in Europa und über die Grenzen hinweg zu schlagen“, sagt Thomas Dahms vom Präsidium der Europäischen Vereinigung der Via Romea. Ziel sei es, den entschleunigten, nachhaltigen und respektvollen spirituellen Tourismus zu fördern.

„Drei nationale Vereine waren in ihren Ländern für die Via Romea Germanica“ aktiv, berichtet Thomas Dahms weiter, „der Förderverein Romweg Abt von Stade, der Jerusalemway Österreich und die Via Romea Germanica Association Italien“. Diese drei Vereine gründeten im November 208 die europäische Vereinigung European Association Via Romea Germanica mit Sitz in Bolzano in Italien. „Die Europäische Vereinigung stellte den Antrag auf Anerkennung der Via Romea Germanica als Europäische Kulturroute.“

Via Romea führt in Deutschand durch zwölf Regionen

In Deutschland führt der Weg durch zwölf Regionen. In seiner Reiseweg-Beschreibung nennt der Abt folgende Orte: Stade, Celle, Rietze, Braunschweig, Hornburg, Wernigerode, Hasselfelde, Nordhausen, Bad Langensalza, Gotha, Schmalkalden, Meiningen, Bad Neustadt, Münnerstadt, Schweinfurt, Würzburg, Ochsenfurt, Aub, Rothenburg, Dinkelsbühl, Marktoffingen, Donauwörth, Augsburg, Igling, Schongau, Oberammergau, Partenkirchen, Mittenwald, Innsbruck, Brixen, Bozen, Trient, Padua, Venedig, Ravenna, Forli, Arezzo, Orvieto, Viterbo, Rom.

Zu erkennen ist der Pilgerweg an einem Logo, das den Stab des Abtes Albert zeigt. Für dieses Jahr ist – so die Corona-Pandemie es erlaubt – eine internationale Pilgerwanderung unter dem Motto „Pilger öffnen Horizonte“ geplant. Starten soll sie am 20. Juni in Stade.

Der Abt legte enttäuscht sein Amt nieder

Und was aus Abt Albert wurde? „Er legte nach seiner erfolglosen Reise sein Amt als Abt nieder“, berichtet Gerhard Himmelmann. „Der Abt war enttäuscht.“ Er trat in das Minoriten-Kloster St. Johannis zu Stade ein, das dem franziskanischen Armutsideal verpflichtet war. Dort schrieb er neben eigenen theologischen Werken die „Annales“. Darin eingebettet findet sich der Dialog zweier Klosterbrüder über die besten Wegstrecken einer (Pilger-)Reise nach Rom. In ihm beschreibt der einstige Abt seine eigene Romreise mit allen Rastplätzen, auch dem in „rithhusen“. Die Originalhandschrift befindet sich in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel.

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