Angst um Job

Pizzeria und Friseur in Vechelde erwarten mit 2G-Plus ein Minus

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Pizzeria-Chef Giovanni Guttuso in Vechelde mit einem Kontakt-Nachverfolgungsbogen vor seinem Restaurant „Pizzeria bei Toni“. 2G findet er richtig, aber 2G-Plus wird hart für sein Unternehmen.

Pizzeria-Chef Giovanni Guttuso in Vechelde mit einem Kontakt-Nachverfolgungsbogen vor seinem Restaurant „Pizzeria bei Toni“. 2G findet er richtig, aber 2G-Plus wird hart für sein Unternehmen.

Foto: Katja Beyrodt

Vechelde.  Was Vechelder von der 2G-Regel halten und warum bei der drohenden 2G-Plus-Regelung sogar Angst aufkommt, den Job zu verlieren.

„Wenn 2G-Plus kommt, werden wir sicher 50 Prozent weniger Einnahmen haben“, Giovanni Guttuso steht in der Pizzeria bei Toni und legt die Stirn in Falten. Trotzdem findet er die Einschränkungen für Ungeimpfte richtig. „Die Regeln müssen streng sein, damit sich alle impfen lassen“, sagt er.

Aktuell gilt die 2G-Regel im Landkreis Peine. Nur geimpfte und genesene Menschen können beispielsweise Essen gehen, ins Kino, zum Friseur oder ins Fitnessstudio. Die Unternehmen müssen die Nachweise prüfen. „Das klappt bei uns gut. Die Gäste zeigen direkt beim Eintreten ihre Nachweise vor“, sagt Guttuso.

Die verschärfte 2G-Plus Regel könnte in Peine schon ab dem 1. Dezember gelten

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Peine liegt am Donnerstag laut RKI bei 212,7. Bei den neuen Warnstufen, die das Land Niedersachsen ab dem 24. November festgelegt hat, entspricht diese Inzidenz schon der höchsten Warnstufe drei.

Sobald die Hospitalisierungsrate in Niedersachsen an fünf Werktagen hintereinander über der Marke sechs liegt, dann wird die zweite Warnstufe gelten. Das könnte bereits ab Mittwoch, 1. Dezember, der Fall sein. Für den Kreis Peine bedeutet dies dann die Regel 2G-Plus.

Angst davor, den Job zu verlieren

„Wir müssen seit fast zwei Jahren jeden Tag Kunden erklären, was genau jetzt gilt und dass wir die Regeln nicht ändern können. Das ist extrem nervenaufreibend“, berichtet Gabi Sander vom Vechelder Friseursalon Safak.

„Ich finde es gut, dass wir jetzt 2G haben. Aber wenn sich die Geimpften und Genesenen zusätzlich noch testen lassen müssen, werden uns sicher einige Kunden wegbleiben. Da kriegt man schon auch Angst um den eigenen Job“, sagt Sander.

Welche Einschränkungen bei 2G-Plus gelten

Mit der Verschärfung 2G-Plus müssten ab nächster Woche sogar Geimpfte und Genesene Menschen einen offiziellen Negativtest vorlegen, wenn sie zum Haareschneiden wollen, ins Restaurant gehen, oder im Hotel übernachten wollen, oder auch nur zum Training in die Sporthalle möchten.

Im Fitnessstudio nebenan sieht Clubmanager Marc Seifert der 2G-Plus Regel gelassen entgegen: „Bei uns sind die meisten geimpft. Sich vorm Studiobesuch zu testen, sehe ich auch nicht als Problem. Und auch die Nachverfolgung ist kein Thema, das regeln wir hier mit den Mitglieder-Bändern. Wenn jemand keinen Nachweis vorgezeigt hat, dann wird sein Zugang gesperrt.“ Dann kämen die Leute gar nicht erst durch die Eintrittsschranke.

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In den meisten Arbeitsbereichen gilt bis jetzt noch 3G-Regel

Im Berufsleben gilt bislang weiter die 3G-Regel. Ungeimpfte, die nicht von zuhause arbeiten können, müssen sich täglich testen. Als besondere Sicherheit in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen müssen Besucher und Personal ebenfalls einen aktuellen Negativtest vorweisen können, egal wie ihr Impfstatus ist. Dafür wurden die kostenlosen Bürgertests wieder eingeführt.

„Zwei Stunden musste ich im Testzentrum anstehen. Obwohl ich einen Termin hatte!“ , sagt eine ungeimpfte Vechelderin, deren Name nicht genannt werden soll. Sie befürchtet, wegen ihrer Gesundheitsprobleme bei einem der bisher zugelassenen Impfstoffe eine Herzmuskel-Entzündung zu bekommen. „Ich bin keine Impfgegnerin. Aber ich möchte auf diesen Impfstoff warten, der gerade geprüft wird. Der soll besser für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sein“, sagt die Frau.

Testzentrum Vechelde hat besonders abends viel zu tun

Im einzigen Testzentrum von Vechelde, der Löwen-Apotheke, beschreibt Inhaberin Christel Keller-Wedler die Mehrbelastung, die sie und ihre Kolleginnen durch die Tests nun wieder haben. „Das Telefon steht gar nicht mehr still, die Menschen haben so viele Fragen.“ Nicht nur das Telefonieren ist zeitaufwendig, auch für die Bürgertests muss immer wieder Personal neben der normalen Arbeit abgestellt werden.

Apothekerin Keller-Wedler ruft zum Zusammenhalt auf: „Viele sehen ja diese verheerenden Auswirkungen auf die Erkrankten, die hier vorbei kommen, nicht so deutlich wie wir.“

Zu Menschen, die weiter misstrauisch gegenüber der Vakzine sind, sagt Keller-Wedler: „Kein Impfstoff wurde so umfassend getestet wie die Corona-Impfstoffe. Bei den Pocken hatte man früher gar nicht die Möglichkeit, die Wirkung so gut zu untersuchen.“

Für sich und ihre Kolleginnen aus der Löwen-Apotheke hat Keller-Wedler einen Wunsch: „Dass sich alle impfen lassen.“

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