Mit „Staats“ verschwindet ein Stück Lengeder Dorfgeschichte

Lengede.  Die Gastwirtschaft wird 1851 das erste Mal erwähnt. Nun weicht sie einem Betreuten Wohnen. Viele Lengeder bedauern den Abriss.

Die Abrissbagger haben schon ganze Arbeit geleistet in den vergangenen Tagen. Hinten war zuletzt noch der Eingang zur alten „Kneipe“ von Staats. In dem am Montag noch stehenden Haus rechts war der „Saal“, in dem getanzt wurde oder Filme gezeigt wurden. Einige Lengeder bleiben dieser Tage an der Baustelle stehen und unterhalten sich über ihre alten Staats-Geschichten.

Die Abrissbagger haben schon ganze Arbeit geleistet in den vergangenen Tagen. Hinten war zuletzt noch der Eingang zur alten „Kneipe“ von Staats. In dem am Montag noch stehenden Haus rechts war der „Saal“, in dem getanzt wurde oder Filme gezeigt wurden. Einige Lengeder bleiben dieser Tage an der Baustelle stehen und unterhalten sich über ihre alten Staats-Geschichten.

Foto: Arne Grohmann

Staats-Geschichten, inklusive der Affären, machen derzeit in Lengede die Runde. Die alte Gastwirtschaft im Herzen des Dorfes, zuletzt bereits geschlossen, wird dieser Tage endgültig abgerissen. Immer wieder bleiben Bürger an der Baustelle stehen und erzählen sich dabei ihre Erlebnisse, die sie mit dem Traditionslokal verbinden.

Im alten Dorf der Ortschaft Lengede sollen am heutigen Brückenweg 32 Apartments für Betreutes Wohnen in diesem Jahr gebaut werden. Dafür müssen das alte Gasthaus Staats und seine Nebengebäude sowie das Vereinsheim der Musikgruppe Rot-Weiß weichen. Das frühere Landhotel und der Bürgersaal sind nicht betroffen, das neue „Landhaus Lengede“ hat mit Kerim Kaptantogrul inzwischen wieder einen neuen Besitzer.

Wir treffen Heimatpfleger Werner Cleve am Baustellenzaun. Er hat Auszüge aus der Lengeder Chronik dabei. Die Gastwirtschaft Staats wird zum ersten Mal 1851 erwähnt, geht daraus hervor. „Alle, die hier vorbei kommen, sind traurig“, sagt Werner Cleve. Er selbst habe von 1975 bis zuletzt regelmäßig bei Staats Doppelkopf gespielt.

Der Traditionsbetrieb hatte zuletzt nicht mehr das beste Blatt auf der Hand. 2016 kam die Insolvenz. Nach mäßig erfolgreicher Insolvenzverwaltung sprang die Gemeinde Lengede ein, kaufte den Betrieb und suchte auf eigene Faust einen neuen Betreiber. Kerim Kaptantogrul griff zu, aber nur bei Restaurant, Hotel und Bürgersaal nebenan. Für Staats „alt“ stand da schon der Verkauf an den Investor und damit der Abriss fest.

„Wir hatten früher einige Kneipen in Lengede“, erinnert sich Werner Cleve. „Hardt“, „Räke“, „Kreye“, und ab den 50er Jahren „Möller“, zählt er auf. Aber nur „Staats“ habe richtig lange durchgehalten. Denn unter anderem die „Tanzvergnügen“ auf dem großen Saal seien sehr beliebt gewesen. So manch eine Lengeder Beziehung habe dort ihren Anfang genommen.

Der Saal neben der Kneipe von Staats sei ursprünglich das Lager des Hauses des Windmüllers gewesen (die Mühle stand bei der heutigen Glückauf-Apotheke). Und es sei nicht nur getanzt worden. „Es wurden schon 1920 Stummfilme dort gezeigt“, weiß Werner Cleve. Woher? Die letzte Inhaberin, Stefanie Trautmann, habe der Ortsheimatpflege erlaubt, Räume und Inventar auf brauchbare historische Informationen zu untersuchen. „In einer Truhe waren ganz viele alte Unterlagen. Und da haben wir Werbung für die Filmvorführungen gefunden“, erzählt Werner Cleve.

„Das ist von der Kegelbahn“, sagt der Lengeder Heimatpfleger am Bauzaun und zeigt auf ein paar Trümmer. Auch die Kegelbahn könnte bestimmt diverse Geschichten erzählen, war sie doch für Spaß und Unterhaltung ebenso beliebt wie die diversen Stammtische, die bei Staats regelmäßig zusammenkamen.

Nun kommt alles weg, der Abriss geht voran. Auf der Internetseite der Gemeinde Lengede heißt es: „Das Grundstück zwischen Woltwiescher Weg und Brückenweg umfasst eine Gesamtfläche von rund 2.100 m². Der Baubeginn ist 2019 geplant und die Bauzeit ist für 1,5 Jahre angesetzt. Die einzelnen Wohnungsgrößen liegen zwischen 43,5 und 58,5 m² und sind jeweils entweder mit einem Balkon oder einer Terrasse ausgestattet.“ Die Leitung habe die Immac Sozialbau GmbH, die auch für das Projekt des Pflegeheims an der Brucknerstraße verantwortlich sei.

Weitere Eckdaten zu „Staats“ in Lengede:

1851: Die Gastwirtschaft „Staats“ wird zum ersten Mal erwähnt.

1892: Conrad Staats kauft das Nachbargrundstück Nummer 58 (Brückenweg 4) und baut zwischen diesen Gebäuden eine neue Gaststube an, die alte wird zum Clubraum.

Um 1900: In den alten Stallungen und der Scheune in Haus Nummer 58 wird der Saal gebaut. Für seinen Getreidehandel baut Conrad Staats einen Schuppen in den Garten. Den nutzt die Musikgruppe Rot-Weiß Lengede von 1981 bis 2001 als Vereinsheim.

1958: Das alte Pissoir, über den Hof, wird abgerissen. Die Scheune wird für Mietwohnungen ausgebaut.

1969: Eckhard Trautmann ist Geschäftsinhaber des Gasthauses Staats.

1975: Seit Mitte der 70er Jahre werden die Clubräume und der Saal immer mehr für Familienfeiern genutzt. Zuvor waren die Hauptnutzer die Vereine.

1977: Abriss und Neubau der Kegelbahn.

2001: Der von der Musikgruppe genutzte Schuppen wird wegen des Neubaus des Landhotels Staats und des Bürgerhauses abgerissen. Rot-Weiß bekommt vor Ort ein neues Vereinsheim gebaut. Dafür wird die Bühne des großen Saals abgerissen.

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