Bewährungsstrafe für Iraker nach Feuer in Bettmar

Bettmar.  Der 35-Jährige war verzweifelt und suchte den Freitod. Er gilt als vermindert schuldfähig.

Feuer in Flüchtlingsunterkunft. Nun gibt es das Urteil.

Feuer in Flüchtlingsunterkunft. Nun gibt es das Urteil.

Foto: Corgarashu / Fotolia

Am 15. Februar war Rauch aus einer Wohnung in dem als Flüchtlingsunterkunft dienenden Zweifamilienhaus in Bettmar gen Himmel gestiegen. Die Feuerwehr brach die Tür auf, löschte kleinere Brandherde und zog den bewusstlosen Bewohner aus dem Gebäude. Der Iraker musste sich seit Ende Juli vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Vorwurfs der schweren Brandstiftung verantworten. Jetzt gab es das Urteil.

Der Beschuldigte bekommt eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Folter in der Heimat

Zum Tatzeitpunkt stand der Mann unter dem Einfluss von Alkohol, weil er Wodka getrunken hatte. Auch Schmerzmittel hatte er konsumiert. Dass er die Tat aus Verzweiflung und in suizidaler Absicht begangen hatte, stand nie wirklich außer Frage. Der 35-Jährige selbst hatte angegeben, sich nicht mehr an den Abend erinnern zu können. Allerdings hatte der Iraker dem Gericht über seine Lebensumstände berichtet – von Verfolgung und Folter in seiner Heimat über die Flucht bis hin zu seiner ihn deprimierenden Situation in Deutschland: einsam auf dem Dorf, ohne Arbeitserlaubnis – und dann die Trennung von seiner neuen Lebensgefährtin.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte zunächst eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Im Verlauf der Verhandlung zeigte sich aber, dass dies auf sprachlichen Missverständnissen bei der Begutachtung beruhte. Ein vom Gericht bestellter Zweitgutachter verneinte die Erstdiagnose. Anders als sein Kollege stellte er keine Schuldunfähigkeit fest, sondern lediglich eine verminderte Schuldfähigkeit.

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15.000 Euro Sachschaden

In seinem Plädoyer verwies der Oberstaatsanwalt auf den Sachschaden, rund 15.000 Euro. Auch die Gefährdung der unter ihm wohnenden Familie habe der Iraker in Kauf genommen. Aber: Letztlich sei die Tat dank glücklicher Umstände glimpflich ausgegangen. Und: Juristisch gilt der Vorfall nur als Versuch der schweren Brandstiftung, weil keine festen Gebäudeteile brannten. Forderung: ein Jahr, acht Monate. Die Verteidigung plädierte für ein Jahr und zwei Monate. Das Gericht landete am Ende dazwischen.

Der 35-Jährige ist nun an strenge Bewährungsauflagen wie medizinisch-psychiatrische Kontrollen und Arztbesuche gebunden, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Der Angeklagte selbst hatte sich mehrfach entschuldigt und um eine Chance auf ein neues Leben gebeten. Das können ihm die Richter zwar nicht bieten – gestatteten dem Iraker aber immerhin, das Gebäude als freier Mann zu verlassen.

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