Erfolgreicher Neuanfang in Wendeburg

Wendeburg.  Amina Ahmed Ali aus Somalia baut sich in Wendeburg ihr neues Leben auf. Sie ist gibt dabei ordentlich Gas.

Amina sitzt am Küchentisch und lernt - nach erfolgreichen Deutschprüfungen befasst sie sich jetzt mit Politik.

Amina sitzt am Küchentisch und lernt - nach erfolgreichen Deutschprüfungen befasst sie sich jetzt mit Politik.

Foto: Bettina Stenftenagel

Sie hat das Nähen, Fahrradfahren und Schwimmen gelernt und seit einigen Tagen hat sie die Deutsch-Prüfung in der Tasche, die „B1“, die ihr die Zulassung zum Hauptschulabschluss ermöglicht: Es geht voran für Amina Ahmed Ali – mit großen Schritten sogar. Denn als sie aus Somalia in Wendeburg angekommen ist, konnte sie nichts von alldem – und das ist erst ein Jahr und sieben Monate Jahre her. Die 22-Jährige hat klare Ziele vor Augen. „Ich will Krankenschwester werden“, sagt sie. „Aber erst will ich den Hauptschulabschluss machen.“

Bis die Schule beginnt, macht sie an der Volkshochschule in Braunschweig einen Kursus in Politik und Geschichte. „Das interessiert mich“, sagt sie, in Wendeburg am Küchentisch über ihren Büchern sitzend. Genau verfolgt sie die Nachrichten, „und ich habe mir ein Grundgesetz bestellt – ich will wissen, was darin steht“.

„Schule wie in Deutschland gibt es in Somalia nicht“, erzählt Amina Ahmed Ali. Zwei Jahre lang habe sie Englisch und Mathe gelernt, mehr nicht. „Fahrradfahren dürfen in Somalia nur die Männer. Das habe ich hier gelernt, in Wendeburg – und jetzt bin ich auch für den Führerschein angemeldet“, sagt sie – und die Freude in ihrem Blick ist deutlich zu sehen. Eine gute Lehrerin hat die 22-Jährige in Dorte Huhse, die sich über das Wendeburger Netzwerk Flüchtlinge schon von Anfang an um Geflüchtete kümmert, die in der Gemeinde Wendeburg leben. Nahezu jeden Abend treffen sich Dorte Huhse und Amina Ahmed Ali im Auebad, um zu schwimmen und um sich miteinander zu unterhalten.

„In der Wiederholung liegt das Verständnis“, sagt Dorte Huhse. Und so hat sie mit Amina nicht nur das Schwimmen trainiert, sondern auch das Sprechen in ganzen Sätzen. Und die Autofahrt zum Auebad gerät schnell mal zu einer Allround-Lerneinheit. „Ich frage Amina dann, wer Bundespräsident ist, wer Bundeskanzlerin, wo Brüssel liegt – und auch, welche Bedeutung die Verkehrszeichen haben.“ Im Hallenbad in Vechelde hat Amina ihre ersten Schwimmzüge gemacht und die Seepferdchen-Prüfung, im Auebad den Freischwimmer. Als nächstes will sie Rückenschwimmen lernen. „Das Schwimmen am Abend ist für uns beide Entspannung“, sagt Dorte Huhse. Sie hat auch die beiden jüngeren Brüder von Amina im Blick. Diese bekommen noch ganz andere Lerneinheiten. Zum Beispiel diese: „Ihr müsst Eure Kräfte auch mal für die Frauen einsetzen und mithelfen.“

Integrationsbeauftragte: „Eine größere Wohnung wäre schön“

Aminas Mutter Anab ist 2012 aus Somalia geflüchtet – sie war dort in Gefahr – und in Wendeburg „gestrandet“. Drei Jahre kämpfte sie darum, ihre Kinder nachzuholen (wir berichteten). „Jetzt ist alles gut“, sagt sie heute. „Noch nicht ganz“, schränkt die Wendeburger Integrationsbeauftragte Monika Giesen ein. „Denn es wäre schön, wenn wir eine größere Wohnung für die Familie finden würden.“ Zurzeit teilen sich Amina und ihre Mutter und die beiden Jungs je ein Zimmer. Abdibasid besucht die Berufsbildenden Schulen, Bruder Abdiaziz einen Integrationskursus und er hat einen Platz in einer Berufsbildenden Schule (BBS) in Braunschweig, weil er Krankenpfleger werden möchte. „Alle lernen sehr gut“, lobt Monika Giesen.

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