Bundestagswahl

FDP: Ziele, Mitglieder, Geschichte – Alle Fakten zur Partei

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Bundestagswahl: FDP hält sich alles offen

Bundestagswahl: FDP hält sich alles offen

Eine Woche vor der Bundestagswahl möchte die FDP den Abstand zu den Grünen verringern und verhindern, dass konservative Wähler in Richtung Union abwandern. Bei ihrem Parteitag in Berlin zeigt die FDP taktische Unschärfe in der Koalitionsfrage und hält sich alles offen.

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Berlin  2013 verpasste die FDP den Einzug in den Bundestag. Doch sie hat sich erholt und liegt nun konstant bei über 10 Prozent. Alle Fakten.

Die FDP vertritt klassische liberale Positionen


  • In Deutschland war sie an diversen Bundesregierungen beteiligt

  • Ziele, Mitglieder, Geschichte: Dich wichtigsten Fakten zur Partei von Christian Lindner

  • Sie war an vielen Regierungen der Bundesrepublik beteiligt und von 1949 bis 2013 ununterbrochen im Bundestag vertreten – doch dann stürzte die FDP ab. Bei der Bundestagswahl 2013 verloren die Liberalen fast zehn Prozentpunkte und scheiterten nach 64 Jahren im Bundestag mit 4,8 Prozent der Stimmen an der Fünfprozenthürde.

    Unter Christian Lindner gelang der Partei der Wiederaufstieg - allerdings nicht in die Bundesregierung. Die FDP ließ 2017 nach sechs Wochen die Koalitionsverhandlungen mit CDU und Grünen platzen. Das bescherte der Partei eine neue Durststrecke. Doch in der Pandemie haben sich die Liberalen als Kämpfer für Freiheitsrechte und Digitalisierung wieder in Position gebracht. Damit könnten sie nach der Bundestagswahl eine entscheidende Rolle einnehmen.

    Doch was ist die Geschichte der Partei? Welche Werte vertritt sie? Die wichtigsten Fakten zur FDP im Überblick.

    Parteigeschichte: Wann wurde die FDP gegründet?

    Die Freie Demokratische Partei (FDP) wurde am 12. Dezember 1948 gegründet. Seither ist sie neben CDU/CSU und SPD die einzige Partei, die seither ihre parlamentarische Existenz langfristig sichern konnte – mit Ausnahme des Scheiterns an der Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl 2013. Erst im Jahr 1983 bekam die FDP in ihrer Rolle als kleine, dauerhaft im Bundestag vertretene Partei Konkurrenz von den Grünen.

    2017 zog die FDP als Fraktion der Freien Demokraten wieder in den Bundestag ein, unter ihrem neuen Vorsitzenden Christian Lindner gelang ein erfolgreicher Wiederaufstieg. Mittlerweile ist die FDP in elf deutschen Landesparlamenten und drei Landesregierungen vertreten.

    Der FDP kam in den Jahren seit Gründung der Bundesrepublik stets eine Schlüsselrolle bei der Koalitionsbildung zu. Bis 2013 zählten die Liberalen deshalb sogar mehr Regierungsjahre als SPD und Union, da sie sich sowohl an konservativen als auch sozialliberalen Bündnissen beteiligten. Insgesamt war die FDP 47 Jahre an der Bundesregierung beteiligt.

    Außerdem stellten die Freien Demokraten zweimal den Bundespräsidenten: Mit Theodor Heuss von 1949 bis 1959 sogar den ersten, in den Siebzigerjahren hatte zudem der FDP-Politiker Walter Scheel das Amt für vier Jahre inne.

    Wie viele Mitglieder hat die FDP?

    Aktuell hat die FDP rund 70.000 Mitglieder. Nach der Wiedervereinigung 1990 waren es allerdings über 100.000 mehr gewesen. Doch die Zahl der Parteimitglieder nahm bis zu den 2000er-Jahren deutlich ab. 1992 waren rund 103.000 Menschen FDP-Mitglied, 2000 nur noch ungefähr 63.000. Danach erfolgte ein leichter Anstieg. Doch gerade im Jahr 2017 traten erneut viele Mitglieder aus, damals kam die Partei auf 63.000. Seit 2017 hat die FDP mehr Mitglieder als Linkspartei.

    Was sind die politischen Kernthemen der FDP?

    Die FDP ist vielen vor allem als Partei des Wirtschaftsliberalismus bekannt. Mittlerweile besetzt sie aber auch Themen wie Digitalisierung, Bildung und Bürgerrechte ein. Während der Corona-Pandemie warb die FDP stets für eine Lockerung der Freiheitseinschränkungen, insbesondere zugunsten von Unternehmen sowie Gastro- und Veranstaltungsbranche ein. Lesen Sie auch: Legalisierung von Cannabis: Was in den Wahlprogrammen steht

    Die wichtigsten politischen Werte sind für die FDP laut eigenem Leitbild Freiheit und Selbstbestimmung.

    Lindner und Co.: Das ist das Führungspersonal der FDP

    Seit 2013 ist Christian Lindner Vorsitzender der Partei. Auf dem Bundesparteitag 2021 wurde er erneut mit 93 % der Stimmen zum Bundesvorsitzenden der FDP und gleichzeitig zum Spitzenkandidaten der Partei für die Bundestagswahl gewählt.

    Stellvertretende Vorsitzende der Partei sind die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer, der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki. Der ehemalige Vorsitzende der Jungen Liberalen und Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel ist ebenfalls einer von Lindners Stellvertretern. Seit Herbst 2020 ist der rheinland-pfälzische Politiker Volker Wissing Generalsekretär der Partei.

    Wahlen: Wo ist die FDP am stärksten?

    Die Wahlergebnisse der FDP schwanken besonders auf kommunaler und Länderebene. Laut Wahlforschern hat die liberale Partei eine relativ kleine Zahl von Stammwählern, ihre Zustimmungswerte sind daher oft situationsbedingt. Nicht selten gaben Wählerinnen und Wähler ihre Zweitstimme für die FDP ab, um so auf Landes- und Bundesebene bestimmte Koalitionen zu ermöglichen.

    Die FDP wird öfter von einkommensstärkeren Wählern mit höheren Bildungsabschlüssen unterstützt. Auch Männer und jüngere Altersgruppen sind in ihrer Wählerschaft – im Vergleich zu anderen Parlamentsparteien – überproportional vertreten.

    Als sogenannte "Parteihochburgen" gelten vor allem Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Deutlich weniger erfolgreich sind die Liberalen in Ostdeutschland und Bayern.

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    Finanzierung: Wie viele Großspenden erhält die FDP?

    Der FDP wurde immer wieder zum Vorwurf gemacht, dass sie überdurchschnittlich viele Großspenden erhält. Tatsächlich war die Partei in die großen Spendenskandale der 1980er-Jahre maßgeblich mitverwickelt.

    Im Wahljahr 2021 vergrößerte sich der Anteil der FDP am Gesamtvolumen der großen Parteispenden über 50.000 Euro auf 42 Prozent - von 32 Prozent 2017. Mitgezählt ist hier auch die Spende in Höhe von 500.000 Euro, die der Unternehmer Frank Thelen Ende Juni selbst öffentlich machte. Die Stückelung dieser Summe ist bisher unbekannt, möglicherweise wird je nach Anteil der Geldgeber nur ein Teil des Betrags vom Bundestag veröffentlicht werden.

    Das Haus- und Grundvermögen der Partei in Deutschland beläuft sich auf etwa 2,8 Millionen Euro. Die FDP hält laut öffentlichen Angaben zudem Firmenbeteiligungen im Wert von rund vier Millionen Euro.

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    (bml)

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