Kostenlose Schnelltests für alle: Das ist jetzt beschlossen

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Corona-Pandemie: Bund und Länder weisen Weg aus dem Lockdown

Corona-Pandemie: Bund und Länder weisen Weg aus dem Lockdown

Bund und Länder wagen in der Corona-Politik eine neue Strategie: Sie wollen Deutschland Schritt für Schritt aus dem Lockdown herausführen, obwohl die Infektionszahlen derzeit leicht steigen.

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Berlin.  Schnell- und Selbsttests sollen jetzt Laden- und Schulöffnungen absichern. Die Nachfrage ist groß. Wird es genug Tests für alle geben?

  • Mit kostenlosen Corona-Schnelltests will die Bundesregierung aus dem dauerhaften Lockdown-Zustand
  • Doch die Pläne von Jens Spahn wurden wieder von der Kanzlerin kassiert
  • Denn die Bundesregierung hat bisher wohl keine Schnelltests vorbestellt

Auf Schnell- und Selbsttests liegt die große Hoffnung in dieser Pandemie: Denn mit ihnen könnte künftig etwas mehr Normalität im Corona-Alltag einkehren. Nach der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die nationale Teststrategie.

Bis allen Menschen in Deutschland eine Impfung angeboten werden kann, stellten regelmäßige Corona-Tests einen wichtigen Baustein dar, um sichere Kontakte zu ermöglichen. "Schnell- und Selbsttests sind mit guter Genauigkeit in der Lage festzustellen, ob jemand aufgrund einer akuten COVID-19-Infektion aktuell ansteckend ist", heißt es im Beschluss von Bund und Ländern.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) erwartet schnell ausreichende Kapazitäten für Tests. "Es gibt sehr viele Testangebote, die beschafft werden können", sagte Scholz auf die Frage, ob es zügig ausreichende Kapazitäten geben werde. "Und deshalb gehe ich davon aus, dass nach einer kurzen Übergangsphase, die ja diesem Beschluss notwendigerweise folgen muss, überall genügend bestellte Tests zur Verfügung stehen und diese Testzentren, die dann eingerichtet werden können, auch mit den Tests arbeiten können." Irgendwann werde es dann auch Selbsttests "in großem Umfang" geben, etwa zum Einsatz an Schulen.

Schnelltests kaufen: In Apotheken, Läden und Online

Kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürgerinnen und Bürger sollen schon ab 8. März möglich sein. Der Bund will ab dann die Kosten dafür übernehmen. Die Länder sollen die Tests schnellstmöglich anbieten, auch mit einer Bescheinigung zum Ergebnis. Konkret soll mindestens ein Schnelltest pro Person und Woche möglich sein, den geschultes Personal etwa in Testzentren oder Praxen abnimmt. Lesen Sie hier: Inzwischen sechs Selbsttests zugelassen

Daneben ist vorgesehen, dass auch Corona-Selbsttests auf breiter Front genutzt werden können, die bald frei in Apotheken, anderen Geschäften und im Internet zu kaufen sind.

Tests im Discounter erhältlich

Der Discounter Aldi hat angekündigt, schon ab Samstag, 6. März, deutschlandweit Corona-Schnelltests zu verkaufen. Pro Kunde werde die Abgabemenge auf eine Packung begrenzt, damit möglichst viele Kunden zum Zuge kämen, teilten Aldi Nord und Aldi Süd am Mittwoch mit. Eine Packung umfasst demnach fünf Tests für einen Nasenabstrich, der Preis beträgt 24,99 Euro pro Packung. Die Packungen sind direkt an der Kasse erhältlich. Mehr zum Thema: Corona: Drogerien und Aldi verkaufen Schnelltests

Zudem soll nach den Plänen von Bund und Ländern eine gemeinsame Taskforce zur schnellen und günstigen Beschaffung von Tests eingerichtet werden.

Lesen Sie hier: Corona-Lockdown – Was sich wo für den Einzelhandel ändert

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Schnelltests sollen auch in Schulen eigensetzt werden

Laut Beschluss sollen die Länder im Rahmen ihrer Testkonzepte Lehrkräften an Schulen, Personal in Kindergärten, den betreuten Kindern und Schülerinnen und Schülern pro Präsenzwoche ein Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest machen.

Weiter heißt es, dass es für einen "umfassenden Infektionsschutz" notwendig sei, dass Unternehmen den Mitarbeitenden, die im Betrieb anwesend sein müssen, pro Woche mindestens einen kostenlosen Schnelltest anzubieten. Dazu will die Bundesregierung mit der Wirtschaft noch in dieser Woche abschließend beraten.

Corona-Schnelltests: Bund hat keine Vorbestellungen getätigt

Fraglich ist allerdings, ab wann diese bundesweit geplante Teststrategie aufgehen wird. Wie aus Teilnehmerkreisen zu hören war, musste Kanzlerin Merkel bei den Bund-Länder-Beratungen einräumen, dass der Bund für die dringend benötigten Schnell- und Selbsttests zur Absicherung geplanter Lockerungen bislang keine Vorbestellungen getätigt habe. Erst ab April seien jetzt erste verbindliche Lieferungen mit Herstellern vereinbart worden.

Aus Länderkreisen hieß es, das sei haarsträubend. "Der Bund hat nichts geordert." Dabei habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ganz andere Erwartungen geweckt. Nun würden Selbsttests zur Eigenanwendung zuerst bei Discountern im Regal liegen – bevor der Bund relevante Mengen bereitstellen könne. Die Länder hatten gehofft, der Bund werde sie bei den Testungen von Schulen und Kitas rasch mit Schnelltests unterstützen können.

Viele Länder haben zwar längst selbst Tests bestellt und geliefert bekommen. In Berlin beispielsweise reichen sie aber derzeit nicht aus, um Lehrern zugesagte zweimalige Testungen pro Woche einzuhalten.

Auch der Brandenburger Städte- und Gemeindebund kritisierte den Bund. "Aus meiner Sicht ist da noch ganz viel offen“, sagte Verbandspräsident und Bürgermeister von Wittenberge, Oliver Hermann, am Donnerstagmorgen im RBB-Inforadio.

Tests als Pfeiler der Pandemie-Bekämpfung

Regelmäßige Testungen könnten dabei unterstützen, auch Infektionen bei Menschen ohne Krankheitssymptome zu erkennen, wird im Beschluss von Bund und Ländern betont. Infizierte Personen könnten so schneller in Quarantäne gebracht, dazu ihre Kontakte besser nachvollzogen werden. Der Effekt sei umso größer, je mehr Bürgerinnen und Bürger sich konsequent an dem Testprogramm beteiligten.

So sollen Lockerungen des Lockdowns abgesichert werden: "Bund und Länder sehen eine Chance, dass durch die deutliche Ausweitung von Tests und ein Testprogramm in Verbindung mit einer besseren Nachvollziehbarkeit der Kontakte im Falle einer Infektion Öffnungsschritte auch bei höheren Sieben-Tage-Inzidenzen mit über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner möglich werden."

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(fmg/mja/dpa/afp)

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