Wahlkampf

Laschet trifft Elon Musk – und sorgt mit Aussage für Spott

| Lesedauer: 6 Minuten
Angezählt: Laschet will sich durchboxen

Angezählt: Laschet will sich durchboxen

Armin Laschet ist angezählt - und beweist Nehmerqualitäten im Boxring: Angesichts schwacher Umfragewerte demonstriert der Kanzlerkandidat der Union Kampfbereitschaft zum Start seiner Wahlkampf-Tour.

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Berlin/Grünheide  CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet trifft Elon Musk – ein perfekter Wahlkampftermin. Doch im Netz sorgt eine Szene für Gespött.

  • Armin Laschet und Elon Musk besuchten am Freitag die Tesla-Baustelle in Brandenburg
  • Der Termin lief gut für den CDU-Kanzlerkandidaten, vom Tesla-Chef gab es Lob
  • Mit einer Aussage aber sorgte Laschet dann für Gelächter bei Musk

Kanzlerkandidat trifft Tesla-Gründer: Für Armin Laschet (CDU) versprach der Ortstermin bei der Fabrikbaustelle des Elektroauto-Herstellers in Grünheide vor allem schöne Bilder im Wahlkampf. Der CDU-Vorsitzende traf auf dem Gelände Elon Musk und diskutierte mit ihm über deutsche Genehmigungsverfahren.

Ein Gesprächsthema, das Laschet in die Karten spielte. Der Unions-Politiker fordert im Wahlkampf unter anderem mehr Deregulierung und Entbürokratisierung. An der Seite von Tesla-Chef Elon Musk sprach er sich für eine Veränderung der Verbandsklagerechte aus. "Es ist nicht akzeptabel, dass jemand, der nicht als Anwohner hier betroffen ist, sondern an der Nordsee oder den Bayerischen Alpen lebt, eine Klage einreichen kann, um solche Projekte zu stoppen. Da müssen wir was ändern."

Elon Musk über Laschet: "Er scheint ein großartiger Kerl zu sein"

US-Unternehmer Musk erklärte, dass es problematisch sei, wenn jedes Jahr neue Vorschriften erlassen würden und sie ein Niveau erreichten, dass man gar nichts mehr unternehmen könne. Die Vorschriften müssten regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden. Laschet betonte, die aktuell gültigen Vorschriften seien in der Zeit vor dem Pariser Klimaabkommen entstanden. "Aber wenn die Lage so ernst ist, wie der Weltklimarat sagt, dann müssen wir beschleunigen."

Musk und Laschet demonstrierten also Eintracht. Der Tesla-Chef setzte sogar noch einen drauf, fand vor versammelter Presse lobende Worte für den Anwärter auf das Kanzleramt: Auf die Frage, was er von Laschet halte, sagte Musk: "Er scheint ein großartiger Kerl zu sein." Die Frage, ob der Politiker der nächste Bundeskanzler werde, müssten aber die Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl entscheiden.

Laschet sorgt mit Aussage für Gelächter bei Elon Musk – und im Netz

Für Armin Laschet lief der Termin bis dahin gut – doch dann sorgte er mit einer Äußerung für Irritation beim Auto-Unternehmer. Als Laschet erklärte, die Politik werde in Zukunft keine engen technischen Vorgaben für Antriebsarten machen und dass beispielsweise auch neben der Batterietechnik der Einsatz von Wasserstofftechnik bei Lastwagen möglich sei, winkte Musk lachend ab. Lesen Sie auch: Sinkende Umfragewerte: Wie die Union an Laschet verzweifelt

Laschet fragte daraufhin auf Englisch, was denn die Zukunft des Autos sei, Elektrizität oder Wasserstoff, es gebe da ja einen wissenschaftlichen Streit. "Elektrisch, natürlich. Wasserstoff ist eine Zeitverschwendung", antwortete Musk – der mit seinem Unternehmen Tesla auf Elektrizität setzt – und brach in ein schallendes Lachen aus.

In den sozialen Netzwerken sorgte die Szene für Spott und Kritik an Laschet. Politische Konkurrenten nutzten das Video mit dem Gesprächsausschnitt prompt als Steilvorlage, um die wirtschaftspolitische Kompetenz der CDU und ihres Kanzlerkandidaten infrage zu stellen. Gegen 18 Uhr hatten sich die Aufnahme von der Szene auf Twitter bereits fast 500.000 Menschen angeguckt.

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Auf Twitter verteidigten CDU-Politiker ihren Vorsitzenden Laschet: Er hätte über LKWs, nicht aber über PKWs gesprochen. Tatsächlich fragte der Kanzlerkandidat aber explizit nach "cars". Dies geben auch Pressevertreter an, die bei dem Termin anwesend waren.

Auch Armin Laschet selbst stellt zu seiner Verteidigung die Situation mittlerweile aber wohl anders dar, als sie gewesen ist.

Faktencheck: Hat die Wasserstofftechnik tatsächlich keine Zukunft?

Tatsächlich gilt der Einsatz von Wasserstoff für den Einsatz in Autos in der Branche als überholt – und das nicht nur für Elon Musk. Bereits Ende 2019 hatte beispielsweise der Volkswagen-Konzern diese Debatte für sich schon längst entschieden. Unter der Führung von Herbert Diess setzt man nun vollständig auf Batteriemodelle. Volkswagen investiert nur noch minimal in die Wasserstofftechnik, für die Batterieoffensive sind bis 2025 dagegen stolze 35 Milliarden Euro eingeplant. In diesem Frühjahr erklärte Diess erneut, dass er die Wasserstofftechnik für eine Energie- und Zeitverschwendung halte.

Die Wasserstofftechnik hat bisherigen Untersuchungen zufolge vor allem drei Probleme: Sie ist teuer, zu schwer für Transport, zu ineffizient. Insbesondere die Energieverluste durch die doppelte Umwandlung von Strom in Wasserstoff führen zu einem Leistungsproblem. Laschets Äußerung in Grünheide sorgte deshalb auch für Kritik, da es, was die Zukunftsfähigkeit der Wasserstofftechnik bei Pkws eigentlich keinen wissenschaftlichen Streit gibt.

Tesla baut in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt eine Autofabrik, rund 500.000 Elektroautos sollen hier künftig vom Band rollen. Die Produktion sollte ursprünglich im Juli beginnen, inzwischen steht aber das Jahresende als Termin im Raum. Tesla plant auch eine Batteriefabrik, was das Genehmigungsverfahren verzögert. Das Unternehmen baut bisher mit vorzeitigen Zulassungen. Der Tesla-Chef zeigte sich aber zuversichtlich, dass das Genehmigungsverfahren noch im Oktober abgeschlossen werde.

Tesla-Fabrik: Frist für Einwände läuft noch

Die Brandenburger Landesregierung reagierte darauf zurückhaltend. Bis zum 19. August laufe noch die Frist für mögliche Einwendungen eines geänderten Genehmigungsantrags von Tesla, erklärte das Umweltministerium am Freitag in Potsdam auf Anfrage. Dann würden die Einwendungen und Stellungnahmen der Behörden geprüft. "Ein konkreter Termin zur Entscheidung über den Antrag kann daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht benannt werden." Alle Beteiligten arbeiteten konzentriert daran, "ein zügiges und rechtssicheres Verfahren sicherzustellen und abzuschließen".

(mit dpa)

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