Kommentar

Bundestagswahl: Armin Laschet muss kämpfen, was sonst?

| Lesedauer: 4 Minuten
Welche Koalitionen sind zur Bundestagswahl wahrscheinlich

Welche Koalitionen sind zur Bundestagswahl wahrscheinlich

Mit welchen Parteien das Land regiert wird, wird nach der Bundestagswahl bekannt. Diese vier bis fünf Szenarien sind realistisch.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Trotz katastrophaler Umfragen hat Armin Laschet noch nicht verloren. Die Wochen bis zur Bundestagswahl werden jedoch ein Kraftakt.

Wie weiter, in diesem verkorksten Bundestagswahlkampf der Union? Mit einem neuen Kopf an der Spitze? Nur politische Quatschköpfe können jetzt noch einen Kandidatenwechsel fordern. Die Union hat über Jahrzehnte den Ruf aufgebaut: Wir sind zwar ein bisschen langweilig, aber verlässlich. Was wäre das für ein Signal, drei Wochen vor der Wahl die Armin-Laschet-Plakate abzureißen und mit Markus Söder zu überkleben? Im In- und Ausland würde man sich kaputtlachen über eine solche Regierungspartei.

Und was würden die Briefwähler sagen, die bereits abgestimmt haben und fröhlich in den späten Sommerurlaub gereist sind? Will man sie etwa im Nachhinein mit einem neuen Spitzenkandidaten überraschen? Das wäre ein ganz neues Terrain für Deutschlands höchste Richter.

Unionskandidat Laschet nimmt die desaströsen Umfragewerte noch gelassen

Nein, die Union hat auf einen Kandidaten gesetzt und muss jetzt bei ihm bleiben. Und je größer die Seenot dieses Kandidaten ist, desto größer muss die Solidarität sein und nicht die Kakophonie öffentlicher Ratschläge aus dem eigenen Laden. Nur so kann die Union noch zulegen und wichtige Mandate am 26. September retten.

Armin Laschet zeigt selbst keine Panik, sondern nimmt die schlechten Umfragen immer noch erstaunlich gelassen. Er hat extremes Auf und Ab in der Politik erlebt und weiß, dass Jammern in einer solchen Situation am wenigsten hilft.

Diese Nervenstärke muss er jetzt ausspielen. Er ist auch nicht der erste CDU-Chef, der persönlich in derart schwere See geraten ist. Schon der alte Konrad Adenauer wusste: „Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muss man erst richtig anfangen.“

TV-Triell: Vizekanzler Scholz punktet bei Zuschauern, Laschet innerhalb der Union

Immerhin hat Laschet jetzt im ersten TV-Triell angefangen, seine kämpferische Seite zu zeigen. Dabei hat er sich besonders Olaf Scholz vorgeknöpft, der bislang von den Fehlern der anderen profitiert hat. Es war bislang das riesige Glück des SPD-Spitzenmannes, dass mehr über die Patzer von Laschet und Annalena Baerbock (Grüne) und weniger über seine Verantwortung beim Wirecard-Skandal oder bei der Steuerverkürzung der Hamburger Warburg-Bank gesprochen wurde.

Dass die Umfrage von RTL mit 2500 Befragten am Ende Scholz und Baerbock vor Laschet sahen, ist für echte Medienprofis nicht ganz so überraschend. Zuspitzen und Angreifen ist nicht sympathisch, wenn man abends bei Schnittchen und einem Glas Wein vor dem Fernseher sitzt. Da punktet eher die staatsmännische Attitude, wie sie der Vizekanzler bei RTL gezeigt hat und dafür mit großer Zustimmung belohnt wurde.

Das ist der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet
Das ist der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Aber nach innen, in die Union, war Laschets Auftritt ein wichtiges Signal. Ein TV-Triell, bei dem Wattebäuschchen fliegen, hätte ihm in der Partei niemand verziehen. Kein Wunder, dass auch Laschet-kritische CDU-Granden ihm nach diesem Fernsehauftritt intern Respekt zollten. Lesen Sie hier: Nach der TV-Debatte: Was nun, Herr Laschet?

Laschets Wahlkampffinale wird zum Husarenritt

Sogar der Glückwunsch-Tweet von Konkurrent Markus Söder war eher ehrlich als „vergiftet“. Jetzt muss der Franke den ungeliebten Flügelmann der Schwesterpartei weiter unterstützen. Sonst wackelt am Abend des 26. September nicht nur in Berlin und Düsseldorf, sondern auch in München die Wand.

Und der Spitzenkandidat wiederum muss die verbleibenden Trielle nutzen, um sowohl seine staatsmännische als auch die persönliche Seite auszuspielen. Das wird ein Husarenritt für Armin Laschet, bei dem jeder Fehler oder Patzer politisch tödlich enden kann.

Dennoch kann Laschet es noch schaffen. Denn es wird in der Wahlkabine viele geben, die es SPD und Grünen verübeln, dass sie sich wieder einmal ein Bündnis mit der Linkspartei offenhalten. Spätestens an diesem Punkt endet die Legende, dass Olaf Scholz die neue Merkel ist.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder