Bundestagswahl

Zum letzten Triell: So ticken die Kanzlerkandidaten privat

| Lesedauer: 8 Minuten
Dreikampf ums Kanzleramt

Dreikampf ums Kanzleramt

Knapp einen Monat von der Bundestagswahl befindet sich der Wahlkampf in der heißen Phase. Die drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grünen) gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen.

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Berlin  Scholz, Baerbock und Laschet treffen zum letzten Triell aufeinander. Lesen Sie vorher die wichtigsten Fakten über die drei Kandidaten.

Ein letztes Mal treffen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz am Sonntag im TV-Triell bei ProSieben und Sat.1 aufeinander. Genau eine Woche vor der Bundestagswahl werden sie ihre Chance nutzen, in der Gunst der Wählerinnen und Wähler zu steigen und sich als möglichst alternativlos zu ihren Konkurrenten darzustellen.

Doch während es im Triell um die große Politik geht, treten die Menschen hinter den Wahlkämpfern und -kämpferinnen in den Hintergrund. Wir haben daher eine Blick hinter die Fassaden geworfen – und zeigen Baerbock, Laschet und Scholz von ihrer privaten Seite.

Laschet will auch als Kanzler nicht aus Aachen wegziehen

Der Kanzlerkandidat der CDU präsentiert sich gerne als heimatverbunden. Laschet ist Aachener. Ihm gefällt es dort offenbar so gut, dass der CDU-Chef bereits angekündigt hat, nicht von dort wegziehen zu wollen, selbst wenn der Sprung ins Kanzleramt gelänge. Laschets Liebe zu Aachen drückt sich bisweilen auch in seiner Leidenschaft für Fußball aus. Der erklärte Fußballfan unterstützt den ehemaligen Erstligisten Alemannia Aachen. Früher sei er bei jedem Heimspiel gewesen, erzählte er der "Westfälischen Rundschau". Wenn es ihn doch mal rausziehe, dann an den Bodensee. Auch Italien gehöre zu seinen liebsten Reisezielen.

Ursprünglich stammt Laschets Familie aber nicht aus Aachen, sondern aus dem deutschsprachigen Teil der belgischen Region Wallonien. Einige Familienmitglieder glauben sogar, von Kaiser Karl dem Großen abzustammen. Laschets jüngerer Bruder betreibt eine Website, auf der er – mit einem Augenzwinkern – die Verwandtschaft mit dem berühmten Kaiser nachzuweisen versucht.

Eines von Laschets Kinder ist selbst berühmt

Laschets eigener Nachwuchs besteht aus den drei Kindern Johannes, Eva und Julius, die er und Ehefrau Susanne gemeinsam haben. Unter ihnen sticht einer besonders hervor: "Joe", wie der Erstgeborene privat genannt wird, tritt auf der politischen Bühne im Gegensatz zu seinem Vater kaum auf.

Er beschäftigt sich eher mit dem richtigen Stil: Auf Instagram zeigt sich der Influencer seinen knapp 100.000 Followern regelmäßig in klassischer Herrenmode. Eine Ähnlichkeit zu US-Schauspieler und Frauenschwarm Ryan Gosling schadet da wohl kaum. Auch Vater Armin soll sich ab und an modische Tipps beim Sohn einholen.

So viel verdient Armin Laschet als Ministerpräsident

Von allen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen erhält Laschet das üppigste Gehalt. Einem vom Bundestag im Jahr 2018 veröffentlichten Bericht zufolge zahlt ihm das Land NRW ein monatliches Bruttogehalt von 17.658 Euro. Das sind knapp 4000 Euro mehr, als etwa sein Kollege und Parteifreund Daniel Günther in Schleswig-Holstein erhält. Obendrauf kommen zudem noch weitere Zuschläge, Pauschalen und Aufwandsentschädigungen.

Doch das war nicht immer so: Laut seiner 2020 erschienenen Biografie, "Der Machtmenschliche" von Tobias Blasius und Moritz Küpper, lebte der junge Laschet zu Beginn seines Jura-Studiums in München noch einen spartanischen Lebensstil. Auf der Suche nach einer möglichst kostengünstigen Bleibe in der bayerischen Hauptstadt wurde er im Kloster St. Bonifaz fündig, wo er für 150 Deutsche Mark pro Monat unterkam. Im Gegenzug musste er jedoch den Abt des Klosters zu dessen Klostervisiten quer durch Bayern chauffieren.

Laschet verkaufte eigene Tabakmarke

Den Wehrdienst musste Laschet übrigens nicht ableisten, da bei ihm "Morbus Scheuermann" diagnostiziert wurde, eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule.

Weithin bekannt ist, dass Laschet passionierter Zigarillo-Raucher ist. Manche Stimmen behaupten laut eines aktuellen "Spiegel"-Artikels sogar, der CDU-Kanzlerkandidat würde sich oft zu Wahlkampfterminen verspäten, da er auf dem Weg für Raucherpausen anhalten lasse. Erst in dieser Woche rechtfertigte er seinen Konsum im Interview mit zwei Kinderreportern, er "rauche die ja nicht auf Lunge." Seine Passion für die Mini-Zigarren geht so weit, dass er vor 20 Jahren zusammen mit einem Aachener Geschäftsmann eine eigene Tabaksorte auf den Markt brachte. Heute ist sie jedoch nicht mehr erhältlich.

Olaf Scholz: Auch seine Brüder sind erfolgreich

Während es über die "rheinische Frohnatur" Laschet so einiges zu erzählen gibt, ist es um SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz etwas ruhiger. Kein Wunder, denn der "Scholzomat" ist nicht gerade dafür bekannt, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ein paar Details über den Menschen Olaf Scholz gibt es dann aber doch.

Dass der amtierende Bundesfinanzminister es in seiner Karriere weit gebracht hat, steht außer Frage. Damit ist er in seiner Familie jedoch nicht allein, denn auch Olaf Scholz‘ jüngere Brüder können einige Erfolge vorweisen: Jens Scholz ist Anästhesist und seit inzwischen mehr als einem Jahrzehnt Chef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. Der jüngste Bruder, Ingo, verdient seine Brötchen als IT-Unternehmer in Hamburg.

Auch Olaf Scholz selbst hat in der Hansestadt bereits vor langer Zeit geschäftlich Fuß gefasst. Der studierte Jurist, der vor seiner politischen Karriere als Fachanwalt für Arbeitsrecht arbeitete, gründete 1990 gemeinsam mit einer Kollegin eine eigene Kanzlei: "Zimmermann, Scholz und Partner" gibt es noch heute. Der SPD-Kanzlerkandidat wird nach wie vor als Partner angegeben.

In seiner Freizeit wird Scholz zum Klopse-Koch

Über Scholz' Freizeit-Gestaltung ist hingegen wenig bekannt. Kürzlich verriet der ehemalige Hamburger Bürgermeister dem Magazin "Bunte" jedoch, dass er freie Stunden gerne in der Küche verbringe. Eine seiner Spezialitäten: Königsberger Klopse. Er koche dabei in aller Regel das Tim-Mälzer-Rezept nach, mit leichten Variationen.

Noch in den 2000er Jahren hatte Scholz mit Übergewicht zu kämpfen. Dass er allein im Jahr 2009 fünfzehn Kilo abnahm, wie er damals der "Bild am Sonntag" sagte, ist wohl seiner Frau, der brandenburgischen Bildungsministerin Britta Ernst, zu verdanken. Sie soll ihn damals zum Abnehmen getrieben haben.

Ihr Plan ging auf: Der damals eher unsportliche Scholz geht heute mit Begeisterung einer ganzen Reihe von Sportarten nach. Laut eigener Aussage geht er gerne und häufig Joggen und Rudern, auch Radfahren und Wandern. Der Kirchgang zählt indes nicht zu Scholz‘ Hobbys: Als einziger der drei Kanzlerkandidaten ist er kein Kirchenmitglied mehr.

Nachbarn empört über Scholz' Sicherheitspersonal

SPD-Kanzlerkandidat Scholz verdient rund 200.000 Euro brutto im Jahr, wie er der "Bild am Sonntag" sagte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau wohnt er in der Potsdamer Innenstadt. Der Umzug dorthin erfolgte erst vor ein paar Monaten, zuvor war es in ihrem ehemaligen Domizil, ebenfalls ein Mehrfamilienhaus, trotz dauerhaftem Polizeischutz zu zwei Einbrüchen innerhalb von zwei Jahren gekommen.

Das Sicherheitspersonal zog mit um – und ging Scholz‘ Potsdamer Mitmietern laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" durch die ständige Überwachung des Hauses innerhalb kurzer Zeit so auf die Nerven, dass diese den Sicherheitsleuten Hausverbot erteilen wollten. Erfolg hatten die Mieter damit nicht.

Annalena Baerbock: So tickt die Kanzlerkandidatin der Grünen

Bleibt noch Annalena Charlotte Alma Baerbock – so der volle Name der grünen Kanzlerkandidatin. Zur Enttäuschung einiger Verschwörungstheoretiker im Netz erklärte Baerbock vergangenes Jahr im "Hotel Matze"-Podcast, dass es sich bei ihren Zweitnamen lediglich um die Namen ihrer Großmütter handelt. Dass sich aus ihrem vollen Namen das bekannte diffamierende Akronym "ACAB" ("all cops are bastards") ergibt, ist also Zufall.

Als Kind wuchs sie mit zwei Schwestern und zwei Cousinen auf einem Bauernhof in ländlicher Idylle nahe Hannover auf. Heute lebt sie mit Ehemann Daniel Holefleisch und ihren zwei Töchtern in Potsdam. Das Protestieren lernte Baerbock schon früh, denn ihre Eltern nahmen sie schon als Kind zu Demonstrationen gegen Atomkraft mit.

Rot machte die junge Baerbock aggressiv

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock, die wie ihre Kontrahenten eine für Politiker eher klassische Vita vorzuweisen hat, verdiente sich während ihres Studiums der Politikwissenschaft ein Zubrot als freie Mitarbeiterin bei der Hannoverschen Zeitung. Eine Nachfrage unserer Redaktion hat ergeben, dass sie unter dem Autorinnen-Kürzel "ab" in der Lokalausgabe des Blattes, das damals noch als "Leine-Nachrichten" bekannt war, bis 2003 insgesamt 188 Artikel veröffentlicht hat.

Erste Schreiberfahrungen sammelte sie schon als Schülerin, in der Jugendredaktion des Blattes. "Rot macht mich aggressiv" ließ die junge Baerbock gemäß eines Porträts der HAZ in ihrem allerersten Artikel verlauten. Damit waren allerdings keine etwaigen Partner in künftigen Koalitionsverhandlungen gemeint, sondern vielmehr Staus vor roten Ampeln. Allem Anschein nach standen bei Baerbock schon früh alle Zeichen auf Grün.

Baerbock gab für die Politik ihre Promovierung auf

Auch eine Promotion hatte die Grünenchefin zeitweise angestrebt. Von 2009 bis 2012 hatte Baerbock eine Promotionsstelle an der Freien Universität Berlin inne – eine Dissertation legte sie allerdings nie vor. Als Grund gab sie an, sich auf ihr Bundestagsmandat konzentrieren zu wollen. Die FU Berlin bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass das Promotionsvorhaben inzwischen als irreversibel beendet gilt. Sogar Teile der zugehörigen Akten habe man schon vernichtet. Sollte Baerbock also doch noch promovieren wollen, müsste sie ein gänzlich neues Verfahren beginnen.

Baerbock kann finanziell mit ihren Kontrahenten nicht ganz mithalten. Als Bundestagsabgeordnete erhält sie dort aktuell 10.012,89 Euro monatlich, hinzu kommt eine steuerfreie Kostenpauschale von 4560,59 €, die jedoch für Büromieten, Fahrten im Wahlkreis und ähnliches vorgesehen ist. Als Parteivorsitzende erhält Baerbock kein festes Gehalt von den Grünen, lediglich jährliche Weihnachts- und andere Sonderzahlungen.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

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