UN-Weltklimagipfel

Neubauer zu Glasgow: "Man kann das als Versagen betrachten"

| Lesedauer: 3 Minuten
Guterres mahnt konsequentere Umsetzung von Klimaschutzversprechen an

Guterres mahnt konsequentere Umsetzung von Klimaschutzversprechen an

UN-Generalsekretär António Guterres hat die Staaten bei der Weltklimakonferenz in Glasgow zu einer konsequenteren Umsetzung ihrer Klimaschutzversprechen ermahnt. "Die Ankündigungen hier in Glasgow sind ermutigend - aber sie sind weit davon entfernt auszureichen", sagte Guterres bei der COP26.

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Glasgow.  Die Chance von Glasgow wurde nicht genutzt, sagt FFF-Aktivistin Luisa Neubauer im Interview. Trotzdem seien 1,5 Grad noch möglich.

Nach gut zwei Wochen Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Glasgow zieht Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ ein ernüchtertes Fazit. Im Kurzinterview erklärt sie, was die Industriestaaten hätten liefern müssen und worauf die Bewegung sich als nächstes konzentriert.

Frau Neubauer, das Ziel für diese Weltklimakonferenz war es, eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad in Reichweite zu halten. Ist das gelungen?

Nein. Man hätte hier einen globalen Wendepunkt organisieren müssen, es hätte ein Moment sein müssen, in dem vor allem die reichsten Staaten der Welt anfangen, gemeinsam für die 1,5-Grad-Grenze zu kämpfen. Das ist nicht passiert. Das heißt nicht, dass 1,5 Grad nicht mehr erreichbar ist, aber die Regierungen hätte hier sehr viel verändern können und müssen. Stattdessen haben sie kaum merklich am Status Quo gerüttelt und es nur in Ansätzen gewagt, das fossile System anzugehen.

Was hätte konkret passieren müssen?

Die Länder des globalen Nordens, die Hauptverursacher der Klimakrise hätten sich verbindlich auf angemessene und sehr, sehr schnelle Zahlungen an den globalen Süden einigen müssen. Es waren schließlich die Emissionen der reichsten Länder, die in den betroffen Regionen nun unvorstellbare Katastrophen anrichten. Die Verhandler hätten das schnelle Ende von Kohle, Öl und Gas beschließen müssen. Und man hätte zeigen können, wie es aussieht, wenn man sich als Weltgemeinschaft solidarisch darauf besinnt, dass es hier eine Krise gibt, in der alle stecken und wir da eine Verantwortung haben.

Greta Thunberg hat die Konferenz als „Versagen“ bezeichnet. Ist das auch Ihre Einschätzung?

Man kann das als Versagen betrachten, ja. Es geht hier nicht darum, einen interessanten diplomatischen Prozess zu navigieren, sondern darum, eine reale Katastrophe, die jetzt gerade hier passiert, abzuschwächen und Menschen in Sicherheit zu bringen. Das ist kein spannendes Gedankenspiel, sondern eine Menschheitsaufgabe. Aber so verhält sich hier kaum jemand, der verhandelt.

Einerseits ist die Lücke zu dem, was nötig ist, noch sehr groß. Andererseits gibt es echte Fortschritte. Wie erklärt man den Menschen, die auf die Konferenzen blicken, dass diese Treffen trotz der Lücken sinnvoll sind?

In dem wir Ambivalenzen zulassen. Einerseits läuft hier so vieles schief, die Konferenz ist viel zu exklusiv, wird massiv von Öl- und Gaslobbyisten beeinflusst, usw. Andererseits ist es nicht der Zeitpunkt für uns, wählerisch zu sein, welche UN-Klimakonferenz wir bespielen und welche nicht. Wir haben eine Verantwortung, hier alles herauszuholen, was man herausholen kann, und diese Konferenz zu einem Ort zu machen, der in Zukunft hilfreicher wird als er es in der Vergangenheit war.

Wie macht Fridays for Future nach dieser Konferenz weiter?

Wir werden der neuen Bundesregierung die Hölle heiß machen. Alle Parteien haben Klima-Versprechen gegeben, bis die Bude platzt und aktuell verhalten sie sich, als kämen sie verkatert von der Party und würden sich nur schemenhaft erinnern. So funktioniert das nicht, so lösen wir keine Krisen. Es sind die reichsten Länder der Welt wie Deutschland, die beweisen müssen, dass sie bereit sind, ihre Versprechen zu halten und Gesellschaften vor der Klimakrise zu schützen.

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