Nahverkehr

9-Euro-Ticket droht zu scheitern – Minister macht Ansage

| Lesedauer: 3 Minuten
9-Euro-Ticket und 300-Euro-Bonus: Das beinhaltet das Entlastungspaket

9-Euro-Ticket und 300-Euro-Bonus: Das beinhaltet das Entlastungspaket

Im Sommer soll es für jeden Lohnsteuerzahler einmalig 300 Euro geben. Die Bundesregierung unterstützt Bürger finanziell wegen der hohen Energiepreise. Welche weiteren Maßnahmen im zweiten Entlastungspaket stehen, erklärt das Video.

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Berlin.  Scheitert das 9-Euro-Ticket für den Nah- und Regionalverkehr? Die Länder stellen eine Milliardenforderung an Verkehrsminister Wissing.

  • Mit dem 9-Euro-Ticket könnte man günstig quer durch Deutschland reisen
  • Doch kommt es überhaupt? Um die Finanzierung ist ein Streit entbrannt
  • Bundesverkehrsminister Volker Wissing macht unterdessen eine Ansage in Richtung Bundesländer

Wie viele Milliarden Euro an Ticketeinnahmen gehen den Bundesländern verloren, wenn die Menschen in Deutschland ab Juni für drei Monate ein besonders günstiges Ticket im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nutzen können? Immer mehr Bundesländer kritisieren die Finanzierungspläne des Bundes für das 9-Euro-Ticket.

Die Mitglieder der Verkehrsministerkonferenz (VMK) meldeten 1,5 Milliarden Euro mehr an als ein Entwurf von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vorsieht. VMK-Vorsitzende und Bremer Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) verwies gegenüber unserer Redaktion auf die Kompensation von Ausfällen bei der Angebotsausweitung im ÖPNV, die Steigerung der Bau-, Energie- und Personalkosten sowie die enorm gestiegenen Energiekosten infolge des Ukraine-Konflikts.

Die Länder seien gemeinsam mit den Aufgabenträgern im ÖPNV bereit, das 9-Euro-Ticket zu einem Erfolg werden zu lassen, sagte Schaefer. „Die Verkehrsministerkonferenz erwartet im Gegenzug, dass der Bund zu seiner Zusage steht und die Kosten für die Organisation und Umsetzung übernimmt. Die Risiken dürfen dabei nicht auf die Länder übertragen werden.“ Lesen Sie hier: Diese langen Bahnstrecken können Sie mit dem 9-Euro-Ticket fahren.

9-Euro-Ticket für Deutsche Bahn und Co. gültig

Wissing verteidigte die Pläne. So würden den Ländern die erwarteten Ticketeinnahmen für drei Monate von 2,5 Milliarden Euro vollständig erstattet. Zusätzlich überweise der Bund 1,2 Milliarden Euro für pandemiebedingte Einnahmeausfälle – und die Länder dürften die neun Euro pro Monatsticket behalten.

Zudem profitierten auch die Verkehrsbetriebe vom Energie-Entlastungspaket, das eine geringere Mineralölsteuer vorsieht. Außerdem entfällt ab Juli die EEG-Umlage. Daher gebe es keinen Grund, das günstige Ticket im Bundesrat scheitern zu lassen, sagte Wissing.

Wissing: Deutschlandweite Gültigkeit war Wunsch der Länder

Wissing äußerte sich auch zu Sorgen vor überfüllten Zügen durch das günstige Ticket, das zwischen Juni und Ende August für monatlich jeweils neun Euro erhältlich sein wird. So sei die deutschlandweite Gültigkeit ausdrücklich ein Wunsch der Länder gewesen, statt nur innerhalb der Verkehrsverbünde. Er gehe davon aus, dass die Länder es so organisieren werden, dass eine deutschlandweite Regelung zu einem „reibungslosen Verkehr“ führe.

Das Bundeskabinett soll die Finanzpläne über eine Änderung des Regionalisierungsgesetzes am Mittwoch beschließen. Anschließend muss neben dem Bundestag auch der Bundesrat zustimmen.

Eine noch größere Finanzierungslücke als die Länder sieht unterdessen der Deutsche Städtetag. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy meldete wegen des 9-Euro-Tickets sogar einen zusätzlichen Bedarf von 1,7 Milliarden Euro an. Die insgesamt 3,7 Milliarden Euro vom Bund klängen zwar nach viel Geld, sagte er. Sie reichten aber nicht, um das ermäßigte Ticket zu kompensieren und die bestehenden Lasten im öffentlichen Nahverkehr aufzulösen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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