Corona-Impfstrategie: So sollen die Deutschen geimpft werden

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Regierung macht Hoffnung auf Impfungen noch im Dezember

Regierung macht Hoffnung auf Impfungen noch im Dezember

Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge könnte es erste Impfungen mit einem Coronavirus-Impfstoff noch im Dezember geben. Spahn besuchte in Dessau den Hersteller IDT Biologika.

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Berlin.  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit ersten Impfungen gegen das Coronavirus im Dezember – aber wie wird das organisiert?

Es wird die größte Impfaktion der Geschichte. Nach den guten Nachrichten gleich von mehreren Impfstoff-Herstellern laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann beginnen die Corona-Impfungen?

Die Neuigkeiten, dass mittlerweile drei wirksame Impfstoffe gefunden wurden, stimmen auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) optimistisch: Er rechnet noch in diesem Jahr mit einer Zulassung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus. „Dann können wir mit den Impfungen sofort loslegen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch Angela Merkel rechnet noch im Dezember mit einem Impfstoff.

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Wo finden sie statt?

Zuerst sollen die Corona-Impfungen in Impfzentren erfolgen, die zu diesem Zweck neu aufgebaut werden. Diese „zentralisierte Verimpfung“ ist nötig, da einige Impfstoffe besonders kühl gelagert werden müssen und die Bereitstellung und priorisierte Abgabe der vorerst nur begrenzt verfügbaren Impfstoffe aus Sicht des Gesundheitsministeriums so am besten möglich ist. Lesen Sie auch:Umfassender Schutz vor Corona? Mittel aus Bayern könnte den Durchbruch bringen

Die Bundesländer sind derweil damit beschäftigt, geeignete Standorte zu finden und aufzubauen: So soll es in Berlin schon ab Dezember eine In­frastruktur geben, mit der pro Tag 20.000 Menschen geimpft werden können. Sechs Impfzentren sind in der Hauptstadt geplant. In Thüringen sind 29 Impfstellen vorgesehen, in Niedersachsen bis zu 60.

Das NRW-Gesundheitsministerium will bis Mitte Dezember 53 Zentren aufbauen. In Hamburg soll es laut aktueller Planung eine zentrale Anlaufstelle geben, im Gespräch sind die Messehallen. Außerdem sollen mobile Impf-Teams in Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen in den meisten Ländern zum Einsatz kommen.

Mittelfristig sollen sich die Bürger ganz normal im Regelversorgungssystem, also zum Beispiel bei ihren Hausärzten, immunisieren lassen können. Die Impfstoffe sollen dann dezentral über Apotheken verfügbar sein, wie es beispielsweise bei der Grippe-Impfung der Fall ist.

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Wie wird der Corona-Impfstoff bereitgestellt?

Ist ein Impfstoff in Europa zugelassen, werden die Dosen, die Deutschland zur Verfügung stehen, an sechzig zentrale Stellen in den Bundesländern geliefert. Ab diesem Punkt sollen sich die Länder um die sachgerechte und sichere Lagerung und Verteilung von Impfstoffen vor Ort, sowie die Beschaffung und Vorhaltung von benötigtem Impfzubehör kümmern.

Bei einigen Impfstoffkandidaten müssen besondere Anforderungen bei Transport und Lagerung berücksichtigt werden. So muss beispielsweise der Impfstoffkandidat von Biontech, ein sogenannter mRNA-Impfstoff, ständig bei unter minus 60 °C gelagert werden. Dagegen können der von Moderna entwickelte Corona-Impfstoff „mRNA-1273“ und die Vakzine von Curevac „CVnCoV“ im Kühlschrank aufbewahrt werden. Hintergrund: Corona-Impfstoffe: Das sind die Hoffnungsträger

Die Bundeswehr soll deshalb Bund und Ländern bei der Logistik helfen: In mehreren Kasernen könnten die Dosen in angemieteten Kühlcontainern zwischengelagert und von dort bundesweit verteilt werden.

Wer wird zuerst geimpft?

Vertreter der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina haben für die Bundesregierung Empfehlungen entwickelt, welche Bevölkerungsgruppen zuerst ein Vakzin bekommen sollen. An erster Stelle stehen dabei Menschen, die wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen besonders gefährdet sind – insbesondere, wenn sie in Pflegeeinrichtungen wohnen.

Doch weil es für Covid-19 viele Risikofaktoren gibt und allein die Gruppe der über 65-Jährigen in Deutschland 18 Millionen Menschen ausmacht, sieht die Arbeitsgruppe die Notwendigkeit für eine weitere Unterteilung. Wie die genau aussieht, ist noch nicht klar. Dazu müssten „Impfstoffmerkmale und Risiko-Konstellationen in verschiedenen Gruppen“ berücksichtigt werden, heißt es in dem Positionspapier.

Direkt auf die Risikogruppen folgt in der Impf-Rangliste das Personal der Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, vor allem diejenigen Beschäftigten, die bei der Arbeit ein hohes Risiko haben, dem Virus zu begegnen oder es in Pflegeeinrichtungen einzutragen. Erst nach diesen beiden Gruppen sollen Menschen geimpft werden, die in anderen systemrelevanten Bereichen arbeiten, zum Beispiel in den Gesundheitsämtern, den Schulen oder bei der Polizei.

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Was müssen die Bürger tun?

Die Organisation der Impfzentren ist Ländersache, die Details sind häufig noch offen. So viel zeichnet sich aber ab: Dass jeder, der sich zu einer Risikogruppe rechnet, einfach zu einem Impfzentrum fährt und sich impfen lässt, wird kaum möglich sein. Hessen, Berlin und Hamburg haben zum Beispiel bereits erklärt, dass Angehörige der Gruppen, die zuerst geimpft werden sollen, von den Behörden benachrichtigt werden.

Wie lange wird es dauern, bis alle geimpft sind?

Das ist unklar. Gesundheitsminister Spahn glaubt aber, dass es nicht bis Ende 2021 dauert. Er verweist darauf, dass in jeder Wintersaison binnen weniger Wochen bis zu 20 Millionen Menschen gegen die Grippe geimpft werden.

Droht eine Impfpflicht?

Laut Bundesregierung wird es keine Impfpflicht geben. Das hat Bundesgesundheitsminister Spahn am Mittwoch im Bundestag noch einmal versichert. Theoretisch könnte die Regierung zu einem späteren Zeitpunkt eine gesetzliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Pflegepersonal, Erzieherinnen und Lehrkräfte anstreben. Diese gibt es derzeit nur im Fall der Masern. Dafür müsste aber das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Geplant ist das derzeit nicht.

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Wer bezahlt die Impfungen?

Die Impfung soll für die Bürger kostenfrei sein. Die Kosten für den Aufbau und die Organisation der Impfzentren sollen von den Ländern und aus Mitteln der Krankenversicherungen gedeckt werden. Der Bund wird wiederum den Impfzen­tren die durch ihn beschafften Impfstoffe ohne Refinanzierung zur Verfügung stellen.

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