Gesundheit

Berlin wird internationales Zentrum bei Pandemie-Bekämpfung

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eröffnen am Mittwoch das neue Frühwarnzentrum in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eröffnen am Mittwoch das neue Frühwarnzentrum in Berlin.

Foto: dpa

Das weltweite Pandemie-Geschehen wird künftig von Kreuzberg aus beobachtet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will in Berlin ein Frühwarnzentrum errichten, in dem weltweite Informationen zusammenlaufen sollen und hat mit Hilfe der Wirtschaftsförderer von Berlin Partner am Moritzplatz Räume gefunden. Bis diese hergerichtet sind, wird das „WHO Hub for pandemic and epidemic intelligence“ in einem Charité-Gebäude an der Chausseestraße unterkommen.

Am Mittwoch wurde das weltweite Zentrum in einer an einen Staatsakt erinnernden Veranstaltung in der Charité von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eröffnet. Merkel hatte die Entscheidung für Berlin schon im Mai bekanntgegeben, nachdem sie die Idee für ein solches Frühwarnzentrum Ende 2020 maßgeblich mit entwickelt hatte. Es geht darum, Informationen zu sammeln, Fachleute zusammen zu bringen und fundierte Analysen zu liefern, um Pandemien vorherzusagen und die 200 WHO-Mitgliedstaaten im Kampf gegen weltweite Gesundheitsprobleme wie Corona zu koordinieren. Die Weltorganisation wird dazu Mitarbeiter nach Berlin verlegen, aber auch neue hier anstellen. Merkel lobte Berlin: „Hier wird es viele Ideen geben, da bin ich sicher“, sagte sie. Der WHO-Generaldirektor sagte, in Berlin würden „Lösungen entwickelt, die dann in der ganzen Welt angewandt“ würden.

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Die enge Bindung ans Berliner Universitätsklinik macht auch eine Kooperationsvereinbarung deutlich, die Charité und WHO kurz zuvor unterzeichnet hatten. Dem Vernehmen nach war Charité-Chef Heyo Kroemer mit seinen Kontakten maßgeblich beteiligt, dass die WHO nach Berlin wollte. Auch die leistungsstarke Berliner Gesundheitswirtschaftsszene aus Wissenschaft und alten sowie jungen Daten-Unternehmen gab den Ausschlag für die Ansiedlung in Berlin. Unter den Organisationen, die mit dem Hub zusammenarbeiten wollen, sind das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut mit seiner Kompetenz in Informatik und seinem Digital Health Center. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) gehört zu den Kooperationspartnern. Aber auch Klimaforscher und Experten aus anderen Disziplinen sollen Erkenntnisse zuliefern.

Als Vorbild und Inspirationsquelle für das WHO-Hub nannten beteiligte Wissenschaftler beim Festakt nicht weniger als die in der Schweiz angesiedelte Kernforschungszentrum Cern mit seinem riesigen Teilchenbeschleuniger. Hier wie dort solle es um wissenschaftliche Exzellenz gehen, um offene Wissenschaft und um Kooperation über Grenzen hinweg. Insofern ist rund um das Hub auch ein Campus geplant, wo Wissenschaftler, Unternehmen und Start-Ups mit den WHO-Experten kooperieren können. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach deshalb von einem „speziellen Tag für Berlin als Zentrum der Wissenschaft“.

Chikwe Ihekweazu, der künftige Leiter des Hubs, der vor 20 Jahren mal am Berliner RKI arbeitete, bezog sich auf eine Werbung, die ihm am Flughafen BER aufgefallen war. „Dinge scheinen unmöglich, bis man sie tut“, sagte der nigerianische Epidemiologe: „Was wir hier vorhaben, ist fast unmöglich. Aber wir haben die Verantwortung, es zu tun.“

Im Kampf gegen die aktuelle Corona-Pandemie geht Berlin jetzt einen weiteren Schritt und hat begonnen, besonders gefährdete Gruppen ein drittes Mal gegen zu impfen. Mobile Impfteams begannen am Mittwoch mit Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen. Das Angebot einer dritten Impfung richtet sich an Menschen, deren vollständige Impfung mindestens sechs Monate zurückliege und die hochbetagt, pflegebedürftig oder immunerkrankt seien – insbesondere in Pflegeeinrichtungen.

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