Ehepaar bekämpft Nazi-Parolen und Rassismus

Schöningen  Rosemarie und Manfred Saak sind Gründer des Arbeitskreises Stolpersteine Schöningen. Sie sind Kandidaten für den

Rosemarie und Manfred Saak haben die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine in Schöningen gegründet. Hier stehen sie an dem Gedenkstein, der auf dem Schöninger Friedhof an die jüdische Gemeinde erinnert.

Rosemarie und Manfred Saak haben die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine in Schöningen gegründet. Hier stehen sie an dem Gedenkstein, der auf dem Schöninger Friedhof an die jüdische Gemeinde erinnert.

Foto: Melanie Specht

. Sie liegen zwischen Pflastersteinen auf Fußwegen. Kleine Messingplatten mit eingravierten Namen, Orten und Jahreszahlen. Der Künstler Gunter Demnig hat sie „Stolpersteine“ getauft, da sie den Vorbeiziehenden gedanklich „stolpern lassen“ sollen. In Schöningen (Landkreis Helmstedt) liegen 32 solcher Stolperstein, die stumm von dem Schicksal jener jüdischen Mitbürger erzählen, die dem Naziregime zum Opfer fielen. So, als hätte es sie nie gegeben.

Dass man sich heute dieser 32 Menschen erinnert, ist auf die Initiative von Rosemarie und Manfred Saak zurückzuführen. Seit 2007 setzt sich das Ehepaar mit der Aktionskunst Demnigs auseinander und gründete 2011 gemeinsam mit Edith Willeke und Christiane Willeke-Sonnenbrodt die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine Schöningen. Aus dieser ist unterdessen mit dem Arbeitskreis Stolpersteine eine feste Institution gegen das Vergessen erwachsen.

Mit Heidi Rank bringen die Eheleute unterschiedliche Formate auf den Weg, die Themen wie Antisemitismus, Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit aufgreifen. „Ob es nicht auch einmal gut sei, das liege doch schon so weit zurück“ – mit dieser Frage würden sie häufiger konfrontiert. Die Antwort der Eheleute ist deutlich: Nein! „In Zeiten, in denen die Zahl antisemitischer Bedrohungen stetig zunimmt, Nazi- Parolen skandiert und Mauern auf- statt abgebaut werden, darf es keine andere Antwort geben“, sagt Rosemarie Saak.

Wobei es ihnen nie darum ging, den moralischen Zeigefinger zu heben, betont Manfred Saak. „Unser Anliegen ist es, die Aktionen in Zusammenarbeit mit Schülern, der Stadt und den Vereinen auf den Weg zu bringen, um einen generationsübergreifenden und offenen Austausch zu fördern.“

In diesem Jahr griffen die Aktionen des Arbeitskreises das Thema „Antisemitismus“ auf. Neben einer Wanderausstellung im Rathaus mit über 400 Besuchern und der fest im Kulturkalender verankerten Holocaust-Gedenkveranstaltung mit Schöninger Schülern initiierte der Arbeitskreis eine musikalische Lesung mit Lyrik von der Jüdin Selma Meerbaum-Eisinger, die 1942 achtzehnjährig im Zwangsarbeiterlager Michailowka verstarb. Unterstützt wurde die Aktion von der Kreismusikschule Helmstedt und dem Verkehrsverein Schöningen. Zudem sollen im Mai noch sechs Stolpersteine für Euthanasie-Opfer verlegt werden.

Besonders freuen würde sich das Ehepaar auf die im Herbst geplante Veranstaltung am Anna-Sophianeum mit der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano (94), die aus ihrem Tagebuch lesen und mit einer Kölner Rap-Band auftreten wird – sofern es ihr Gesundheitszustand erlaubt.

Ohne Zweifel, die Zeichen, die in Schöningen für ein tolerantes und weltoffenes Miteinander gesetzt werden, sind auch auf das große Engagement von Rosemarie und Manfred Saak zurückzuführen, die mit ihrem Einsatz gegen eine Kultur des Vergessens gleichzeitig eine Lanze für Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Frieden brechen. Häufig mit Schülern. Für eine friedliche Zukunft.

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