Integration in einem benachteiligten Quartier in Steterburg

Steterburg.  Der Bürgerverein Steterburg will mit ehrenamtlichem Engagement einen liebenswürdigen Stadtteil erhalten und ist für den Gemeinsam-Preis nominiert.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Steterburg, Christian Striese, und seine Helfer - wie hier Ilknur Gülsahin - haben die  Hausaufgabenbetreuung für 50 Kinder ins Leben gerufen.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Steterburg, Christian Striese, und seine Helfer - wie hier Ilknur Gülsahin - haben die  Hausaufgabenbetreuung für 50 Kinder ins Leben gerufen.

Foto: Yvonne Weber

In zwei großen Räumen sitzen knapp 50 Kinder über ihren Mathe- und Deutschaufgaben. Ruhig. Mal mehr, mal weniger konzentriert. Aber stets mit guter Laune. Das war nicht immer so, weiß Christian Striese, 1. Vorsitzender des Bürgervereins Steterburg. Ilknur Gülsahin, sehr gut im Quartier vernetzt, und er sind Initiatoren der Grundschul-Hilfe hier im Stadtteiltreff.

„Wir mussten erstmal etwas Struktur hineinbringen“, sagt Striese. Seit einem Jahr gibt es nun die Hausaufgabenbetreuung. Der Grund: Im Viertel zogen in kurzer Zeit mehr als 600 Menschen aus Osteuropa zu. Deren Kinder, häufig der deutschen Sprache nicht mächtig, gehen hier nun in die Grundschule und sollen laut Striese durch die für die Familien kostenfreie Förderung bessere Chancen für ihre Zukunft bekommen. Denn auch die Lehrer in der Schule gehen bereits an ihre Belastungsgrenzen.

Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Bürgervereins haben die vielschichtigen Probleme erkannt und sich schnell organisiert. In enger Abstimmung mit den Lehrkräften der Grundschule Steterburg wurden Konzepte entwickelt und unbürokratisch eine Lernförderung und Hausaufgabenbetreuung eingerichtet. Der Bürgerverein warb an verschiedenen Stellen finanzielle Mittel ein, um die Unterstützung der Schüler auch im Hinblick auf erforderliche Schulmaterialien gewährleisten zu können. Engagierte Ehrenamtliche des Bürgervereins sowie ein Team aus älteren Schülern helfen beim Lernen, aber auch – und das sei ebenso wichtig – beim Vermitteln von kooperativen sozialen Verhaltensregeln. Und das von montags bis freitags – auch in den Ferien.

Integration aller Menschen ist ein wichtiges Anliegen

„Wir wollen unser Quartier perspektivisch wieder nach vorne bringen“, betont Christian Striese. Ihm liegt dabei vor allem die Integration aller Menschen am Herzen, die hier ihre neue Heimat sehen oder schon gefunden haben. Er ist hier aufgewachsen und erinnert sich an eine unbeschwerte Kindheit zwischen Schule und Hinterhöfen. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es mal wieder so schön wie damals werden kann. Das ist meine Motivation“, erzählt er. Der überaus große, schnelle Zuzug von Osteuropäern stellt seinen kleinen Stadtteil vor große Herausforderungen. Und dennoch stellen sich die Steterburger wie Don Quijote gegen die Windmühlen.

Mit dem vor knapp vier Jahren gegründeten Verein, der aus einer vor acht Jahren gegründeten Trägergemeinschaft unter Leitung der Diakonie entstanden ist, organisieren die 30 Mitglieder des Bürgervereins nicht nur Kindernachmittagsbetreuungen, sondern wollen alle Bewohner Steterburgs zusammenbringen.

Stadtteilfeste und Seifenkistenrennen sind jedes Jahr beliebt

Jeden ersten Freitag im Monat von März bis Oktober holt ein Team um Erika Harenberg verschiedene Marktbeschicker vor und auf die Terrasse des Stadtteiltreffs. Dann gibt’s hier nicht nur frisches Gemüse, Fleisch und Brötchen, sondern man kommt auch bei Bratwurst, Kaffee und Kuchen ins Gespräch. „Der Markttag ist ein guter Treffpunkt geworden, bei dem man ganz nebenbei erfährt, wo Hilfe benötigt wird“, so Christian Striese. Seniorenkochen in der ehemaligen Ratskellerküche, Kreativtreffen für Bastelfreunde, Musikunterricht oder Spieletreffs für Kinder fanden, bis Corona aufkam, regelmäßig statt.

Die von Doris Kurth verfasste Stadtteilzeitung, unter anderem mit vielen Geschichten der noch hier wohnenden Erstbesiedler, befindet sich bereits in der 35. Ausgabe. Der Steter-Chor und der Veranstaltungsverein Steter-Kult sind aus den ersten Jahren der Zusammenarbeit entstanden. Die vom Bürgerverein organisierten Stadtteilfeste und Seifenkistenrennen sind sehr beliebte und besucherreiche Veranstaltungen in der ganzen Ortschaft Thiede und Steterburg.

Menschen zusammenführen und das Miteinander stärken: Der Häuserzug mit der ehemaligen Fahrschule, dem ehemaligen Ratskeller und dem heutigen Stadtteiltreff bieten viel Potenzial für neue Projekte. Dem Vereinsvorsitzenden und zugleich Ortsbürgermeister der Ortschaft Nordost Christian Striese gehen die Ideen nicht aus. Bestens vernetzt und mit viel Fachwissen kann er mit seiner Stellvertreterin Dr. Kristina Wilkens immer wieder Fördermittel in den Stadtteil holen.

Steterburg soll wieder an Attraktivität gewinnen

Im Saal des Ratskellers wurden die alten Fliesen mit neuem Bodenbelag modernisiert. Hier finden Tanzkurse statt. Die neu angeschafften Küchengeräte sollen den Köchinnen, die einmal in der Woche für Senioren frische Speisen zubereiten, die Arbeit erleichtern. Doch das seien nur Tropfen auf den heißen Stein. „Wir haben noch sehr viel vor. Allein an weiteren finanziellen Mitteln und personeller Unterstützung fehlt es uns“, so der Vereinsvorsitzende. Er hofft noch weitere Mitstreiter zu finden, damit Steterburg wieder mehr an Attraktivität gewinne.

Von Manchem als „Wadenbeißer“ tituliert zeigt, wie sehr sich Christian Striese unermüdlich für seinen Stadtteil einsetzt. Hier ist in den letzten Jahren durch bürgerschaftliches Engagement sehr viel passiert und es soll weiter stetig bergauf gehen. Die umtriebigen Steterburger werden sich weiter gemeinsam für das Ziel einsetzen, ihren Stadtteil lebens- und liebenswürdig zu gestalten.

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