Faktencheck

Verhindern Blitzer Unfälle in der Region? Das sagt die Polizei

| Lesedauer: 8 Minuten
Zusätzlich zu den stationären und mobilen Blitzern nutzen Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter Blitz-Anhänger. Diese werden auch Enforcement Trailer genannt.

Zusätzlich zu den stationären und mobilen Blitzern nutzen Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter Blitz-Anhänger. Diese werden auch Enforcement Trailer genannt.

Foto: Mark HÄRTL

Braunschweig.  Gibt es dank Blitzern in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter weniger Verkehrsunfälle? Wir beantworten alle Fragen rund um Blitzer in der Region.


  • In Braunschweig führen Blitzer nicht zu weniger Unfällen
  • Braunschweig nimmt mit Radarfallen weniger Geld ein als Wolfsburg und Salzgitter
  • Durch die Corona-Pandemie gibt es allgemein weniger Verkehr in der Region Braunschweig-Wolfsburg
  • Wolfsburg kann nicht sagen, wie viel die Stadt für Blitzer ausgibt

Die meisten Autofahrer kennen es: Das rote Licht beim Auslösen eines Blitzers. Oft heißt es, dass Städte und Kommunen sich an den Radarfallen nur selbst bereichern wollen und die Verkehrssicherheit dadurch nicht steigt. Aber stimmt das wirklich? Kommt es aufgrund von Blitzern zu weniger Verkehrsunfällen in der Region Braunschweig-Wolfsburg? Und wie viel Geld verdienen die Großstädte Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter mit Blitzern? Wir machen den Faktencheck.

Behauptung: „Durch Blitzer steigt die Verkehrssicherheit nicht, aber die Städte verdienen damit gutes Geld!“

Der Faktencheck: Die Blitzer in der Stadt Braunschweig sorgen nicht dafür, dass es zu weniger Verkehrsunfällen kommt. Aber die Städte Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter nehmen durch Blitzer teilweise Beträge in Millionenhöhe ein. Radarfallen bedeuten allerdings auch hohe Kosten. Nach eigenen Angaben seien Blitzer für die Stadt Braunschweig bei etwa 850.000 Euro Einnahmen im Jahr 2021 im Durchschnitt kostendeckend. Wolfsburg hat mit einer vergleichbaren Anzahl an Blitzern über zwei Millionen Euro Einnahmen pro Jahr. Salzgitter hat im vorigen Jahr 1,5 Millionen Euro eingenommen. Die Städte Wolfsburg und Salzgitter konnten keine Angaben zu Kosten machen.

Sie wollen es genauer wissen? Wir haben die wichtigsten Fragen rund um Blitzer in den Großstädten Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg beantwortet:

Gibt es durch Blitzer in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter weniger Unfälle?

In Braunschweig gibt es durch Radarfallen keine signifikanten Veränderungen bei der Anzahl an Unfällen, so die Polizei. An der Wolfenbütteler Straße zum Beispiel gab es vor der Einrichtung eines Blitzers im zweiten Halbjahr 2020 sechs Unfälle und im ersten Halbjahr 2021 zwei Unfälle. Am 1. Juli 2021 ging dann der Blitzer in Betrieb. Zu weniger Unfällen hat das nicht geführt. Im zweiten Halbjahr 2021 gab es acht Unfälle. Im ersten Halbjahr 2022 einen.

In Wolfsburg gibt es den kombinierten Geschwindigkeits- und Rotlicht-Blitzer am St. Annen Knoten seit dem 17. August 2020. Am Berliner Ring Richtung Norden (inkl. Linksabbieger) gab es zwei Jahre vor Inbetriebnahme fünf Unfälle, davon drei mit leicht verletzten Personen. Im Zeitraum darauf gab es sieben Unfälle, ebenfalls mit drei leicht verletzten Personen.

An der Dieselstraße Richtung Süden gab es zwei Jahre vor Aufbau des Blitzers drei Unfälle, bei einem davon gab es eine leichtverletzte Person. Seit Inbetriebnahme des Blitzer hat es keinen Unfall gegeben. Die Polizei Wolfsburg hält einen Vergleich jedoch nicht für aussagekräftig, da sich der Verkehr seit 2020 wegen der Coronapandemie verändert habe.

Die Grafik zeigt Unfälle in Salzgitter an Straßen mit Blitzern – etwa jeweils zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der Radarfallen. An vier der fünf Standorte gab es nach Inbetriebnahme der Blitzer weniger Unfälle als zuvor. Die Phase nach Blitzern ist allerdings teilweise in die Coronapandemie gefallen. Der Vergleich ist deshalb möglicherweise verfälscht.

Wie viele Blitzer gibt es in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter? Wo stehen die Radarfallen?

In Braunschweig gibt es zwei Standorte mit stationären Blitzern: an der Wolfenbütteler Straße und Gifhorner Straße. Dazu kommen zwei mobile Blitzer und ein unbemannter Blitz-Anhänger.

Die Stadt Wolfsburg betreibt eine feste Radarfalle am St. Annen Knoten. Diese überwacht Rotlicht und Geschwindigkeit. Zusätzlich gibt es zwei Blitzanhänger - die sogenannten Enforcement Trailer - und zwei mobile Blitzer.

In Salzgitter gibt es nur einen mobilen Blitzer und keine Rotlichtblitzer. Zusätzlich betreibt die Stadtverwaltung aber zwei Blitzanhänger und fünf stationäre Radarfallen an folgenden Stellen:

  • Salzgitter-Hohenrode, B 248/Upener Kreuzung
  • Salzgitter-Lebenstedt, Industriestraße Mitte/Höhe Friedhof
  • Salzgitter-Lebenstedt, Kattowitzer Straße, Höhe Römerbad
  • Salzgitter-Lebenstedt, Kattowitzer Straße, Höhe An der Windmühle
  • Nord-Süd-Straße/Kreuzung Erzwäsche

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Wie viele Anzeigen durch Blitzer gab es in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter?

Wenn es um die Anzahl der Anzeigen durch Blitzer geht, liegt Wolfsburg im Städte-Vergleich vorn. Salzgitter ist allerdings mit 57.000 Anzeigen 2021 noch deutlich über Braunschweig. Der Sprung in Braunschweig zu 2021 lässt sich laut Stadtverwaltung durch die Einführung der stationären Blitzer an der Wolfenbütteler Straße und Gifhorner Straße erklären. Der Schub reicht jedoch nicht, um an die Zahlen der Nachbarstädte anzuschließen. Die Statistik beinhaltet sowohl Verwarngelder (bis 55 Euro Strafe) und Bußgelder (ab 60 Euro Strafe).