„Wichtige Weichenstellung für VW-Werk“

Salzgitter  Werkleitung, Betriebsrat und Stadt sind nach Veröffentlichung des Zukunftspaktes positiv gestimmt.

Im VW-Werk Salzgitter gehen auch künftig Tausende Mitarbeiter täglich ein und aus.

Im VW-Werk Salzgitter gehen auch künftig Tausende Mitarbeiter täglich ein und aus.

Foto: Bernward Comes

750 Stellen sollen nach unbestätigten Informationen unserer Zeitung im Zuge des gestern von VW angekündigten Stellenabbaus bei Volkswagen in Salzgitter wegfallen, dafür aber auch 200 neu eingerichtet werden. Die Zukunft des Standortes Salzgitter sieht insgesamt positiv aus: Im 7500-köpfigen Werk in Beddingen soll künftig eine Entwicklung für Batteriezellen aufgebaut werden. Zudem übernimmt das Werk Salzgitter gemeinsam mit Audi die Entwicklung der Brennstoffzelle. Darüber hinaus sollen in Salzgitter Komponenten für Elektromotoren gebaut werden.

„Wir haben heute einen richtig erfolgreichen Tag gehabt. Für uns ist das eine wichtige Weichenstellung“, sagte Andreas Blechner. Über die Jahre betrachtet würde sich die Zahl der Arbeitsplätze zwar leicht verringern, sagte der Vorsitzende des VW-Betriebsrates Salzgitter. Allerdings geschehe das auch konsequent über die Regelungen der Altersteilzeit. „Insofern ist die Schlagzeile, dass VW Personal abbaut, eigentlich auch die falsche“, so Blechner.

Auch Salzgitters Werkleiter Christian Bleiel ist optimistisch. „Wir stehen bei den Antrieben vor einem Technologiesprung.“ Mit dem Zukunftspakt sei die Grundlage für die anstehende Transformation des Standortes geschaffen. Und, so Bleiel weiter: „Wir investieren jetzt in die Brennstoffzelle, in Komponenten für die E-Maschine und in den Kompetenzaufbau für die Batteriezellenfertigung. Alles Zukunftsfelder, mit denen wir langfristig eine Perspektive für unseren Standort schaffen.“

Auch wenn jeder verlorene Arbeitsplatz bitter ist, so kommt das Werk in Salzgitter im Vergleich mit dem Stammsitz Wolfsburg verhältnismäßig gut weg. Von den bis zu 23 000 Stellen, die in Deutschland gestrichen werden sollen, entfallen etwa die Hälfte auf das Stammwerk Wolfsburg, wobei auch 9000 neue Stellen entstehen sollen (siehe dazu auch die Titelseite).

„In dieser schwierigen Situation ist das ein vertretbarer Kompromiss“, sagt Wolfgang Räschke zu den Stellenstreichungen. Für den 1. Bevollmächtigten der IG Metall Salzgitter-Peine ist es „wichtig, dass die Arbeitsplätze bis 2025 gesichert sind“. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Gesamtbetriebsrat von VW Beschäftigungsgarantien durchgesetzt und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Ein ganz wesentlicher Punkt für die Zukunft des Werkes Salzgitter seien die Entwicklung von Batterie- und Brennstoffzellen, so Räschke weiter.

Den Zukunftspakt – unter diesem Begriff laufen Stellenabbau und Neuausrichtung bei VW – werten die SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Klein und Marcus Bosse für Salzgitter positiv. „Für das Salzgitteraner VW-Werk ist im Rahmen des Paktes der Einstieg in die Elektromobilität und in die Batterieproduktion geschafft“, schreibt Klein in einer Mitteilung. Die Vereinbarung sei wichtig für den Standort, weil durch den Umstieg weg vom Verbrennungsmotor zwangsläufig Aufgaben und Arbeitsplätze verloren gingen.

Den dauerhaften Personalabbau beim Konzern bedauerte auch Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel. Als positiv bewertete er zugleich, dass keiner der drei Standorte in der Region infrage gestellt werde. Der von VW angekündigte massive Umbau des Unternehmens, der Wandel hin zur Elektromobilität diene dazu, den Konzern zukunftsfähig zu machen und sei von daher unausweichlich. Dass in Beddingen eine Pilotanlage zur Batteriefertigung ans Netz geht, wertete Klingebiel als „ermutigendes Signal“.

„Ich habe mit dem Stellenabbau gerechnet“, sagte Klingebiel weiter, „doch ich habe den Eindruck, dass VW versucht hat, die regionalen Standorte zu erhalten und die neue Produktion so zu verteilen, dass die Werke zukunftsfähig sind“. Was die Gewerbesteuerentwicklung für die Stadt angeht, schätzt Klingebiel, dass auch 2017 für VW „noch ein schwieriges Jahr wird“, doch 2018 werde der Konzern wieder „in ruhiges Fahrwasser“ gelangen.

VW informierte seine Mitarbeiter gestern so zügig wie möglich. Während in Wolfsburg die Pressekonferenz lief, stellte Salzgitters Werkleiter Bleiel den Führungskräften des Werkes die Ergebnisse des Zukunftspakts vor. Die Pressekonferenz sei derweil via Intranet live an alle Büroarbeitsplätze übertragen worden, so Werksprecherin Stella Pechmann. „Parallel haben wir den Zukunftspakt per Mail und im Intranet erläutert. In den kommenden Wochen werden wir weiter informieren. Dabei wollen wir auch auf Einzelfragen eingehen, die uns die Mitarbeiter zum Beispiel über eine extra eingerichtete E-Mail-Adresse schicken können.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder