Neubeginn im Integrationskurs des Jobcenters

Salzgitter  Viele Flüchtlinge möchten möglichst schnell ein normales Leben führen – und dazu gehört auch eine richtige Arbeit.

Es ist eine Mammutaufgabe: Mehr als 5800 Flüchtlinge leben seit kurzem in Salzgitter, die Mehrheit von ihnen kommt aus Syrien. Die Menschen sind dem Elend ihrer Heimat entkommen und versuchen nun, ein neues Zuhause zu finden. Sie müssen eine neue Sprache lernen, die Gesellschaft verstehen, Kontakte knüpfen, kurzum: Ihr Leben noch einmal neu beginnen. Ein wichtiger Bestandteil des Lebens: Arbeit. So lange der Status der Asylbewerber noch nicht geklärt ist, werden sie über das Asylbewerberleistungsgesetz von der Arbeitsagentur auf freiwilliger Basis betreut. Sobald Asyl gewährt ist, unterliegen sie nach dem Sozialgesetzbuch II dem Jobcenter. Welche Herausforderungen die große Anzahl der Flüchtlinge mit sich bringt und wie sie in Arbeit gelangen können, das erklären Andreas Dames, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit und der Leiter des Salzgitteraner Jobcenters, Elmar Windeler.

Herr Windeler, um wie viele Menschen kümmert sich das Jobcenter in Salzgitter?

Windeler: Wir haben momentan rund 5000 Menschen im Hartz-IV-Bezug – dazu gehören aber auch Kinder und ältere Menschen. Daher ist es so, dass rund 3000 davon erwerbsfähig sind. Aber um den Rest kümmern wir uns auch und stellen zum Beispiel den Lebensunterhalt sicher.

Was sind die größten Aufgaben, die bewältigt werden müssen?

Windeler: Ganz wichtig natürlich: das Erlernen der deutsche Sprache. Wir haben ganz viele Menschen, die auch in Arabisch keine Schreibschrift können. Die Alphabetisierungskurse sind stark nachgefragt. Rund 50 Prozent der Flüchtlinge besucht zunächst einen Alphabetisierungskurs, der Rest startet in Integrationskursen. Selbst wenn die Menschen drei bis vier Jahre zur Schule gegangen sind, ist das nicht mit einem deutschen Hauptschulabschluss zu vergleichen. Wir haben also eine große Menge Menschen, die dem deutschen Bildungsniveau nicht entsprechen. Diese Menschen versuchen wir zu qualifizieren.

Wie teilen Sie die Menschen ein?

Andreas Dames: Das ist in der Tat schwierig. Viele Unterlagen, also Abschlüsse und Zeugnisse, sind nicht mehr vorhanden. Wir testen daher das Niveau in bestimmten Fächern. Man muss aber auch bedenken: Die syrische Kultur zum Beispiel ist zwar sehr bildungsaffin, aber dort funktioniert Schule eben anders.

Windeler: Wir sind daher sehr froh, dass wir mit dem Berufspsychologischen Dienst und dem IQ Netzwerk Niedersachsen (ein Förderprogramm, das die Arbeitsmarktchancen von Migranten verbessern möchte, Anm. d. Red.), das künftig einmal in der Woche nach Salzgitter kommt, funktionierende Tools haben, um das Bildungs-Niveau so genau wie möglich einschätzen zu können.

Wenn die Qualifikation der Flüchtlinge recht schwierig ist, wie viele Menschen konnten Sie denn im vergangenen Jahr in Arbeit vermitteln?

Windeler: Wir haben von Februar 2016 bis Dezember 2017 aus der Grundsicherung heraus 295 Menschen in eine sozialversicherte Beschäftigung oder Ausbildung gebracht.

Dames: Die Agentur für Arbeit hat im selben Zeitraum 183 Menschen zu Arbeit und 51 Menschen zu einer Ausbildung verholfen. Insgesamt also mehr als 500 Menschen – eine sehr gute Quote.

Wie groß ist die Bereitschaft der Unternehmen, Migranten zu beschäftigen?

Dames: Grundsätzlich werden die Menschen offen aufgenommen. Es ist ja auch ein Fakt, dass die Betriebe einen Bedarf haben, der durch inländische Kräfte nicht abgedeckt werden kann. Durchaus überraschend ist es, dass sich vor allem kleinere Unternehmen dazu entscheiden, Flüchtlinge zu beschäftigen. Wobei wir immer ein Praktikum vorweg empfehlen.

Wo finden die Menschen eine Stelle?

Dames: Querbeet, im Handwerk, in der Industrie – oft natürlich als Helfer. Wobei das nicht das Ende sein darf, denn viele Migranten sind hochmotiviert. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir die Menschen durch Kurse und Praktika nicht in eine Beschäftigungslosigkeit fallen lassen: Durch Langweile verlieren wir viele.

Windeler: Wir sind sehr dankbar, dass wir in Salzgitter ein wunderbar funktionierendes Netzwerk der verschiedenen Institutionen haben. Trotz der hohen Flüchtlingszahlen, die uns überrollt haben, haben wir das gut hingekriegt.

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