Kreissportbund steht vor der Zahlungsunfähigkeit

Salzgitter.  Er bittet die Sportvereine, ihm aus der finanziellen Misere zu helfen. Doch sie gewähren ihm lediglich eine Beitragserhöhung.

Nachdenkliche Vereinsmitglieder beim außerordentlichen Kreissporttag des Kreissportbundes.

Nachdenkliche Vereinsmitglieder beim außerordentlichen Kreissporttag des Kreissportbundes.

Foto: Lukas Exner

Der Haussegen hängt schief beim Kreissportbund (KSB) und den mehr als 120 Sportvereinen, die ihm angehören. Der Grund: Der Dachverband ist in eine massive finanzielle Schieflage geraten. Nur wenn die Vereine Zusatzzahlungen leisten, können sie ihn vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

Die klamme Lage will der Vorstand vorzugsweise hinter verschlossenen Türen bereinigen. Doch als verspätet Übungsleitergehälter gezahlt werden und die Tagesordnung für einen überraschend einberufenen außerordentlichen Kreissporttag am 8. November bekannt wird, gerät die Krise zum öffentlichen Aufreger.

Später wird das Ausmaß der Krise deutlich. Schon 2017 kam der KSB nach eigenen Angaben wegen „steigender Personalausgaben, zahlreicher Aktivitäten und sinkender Mitgliederzahlen“ finanziell ins Trudeln. Doch selbst beim damaligen Kreissporttag schlug der Vorstand nicht Alarm. Dass dann der Landessportbund (LSB) schon ab Juni 2018 sofortige Schritte zur Tilgung der ihm geschuldeten Mitgliedsbeiträge von mehreren Zehntausend Euro forderte, ahnten nach eigenem Bekunden noch im Herbst die wenigsten Sportvereine.

Als sich der Vorstand daraufhin gezwungen sieht, die Mitglieder gleich zweimal zur Kasse zu bitten, hagelt es Proteste. Bei der Krisensitzung am 8. November kann der Dachverband zwar seine Forderung durchziehen, die Beiträge für Schüler um 60 Cent auf 1,20 Euro, für Jugendliche um 90 Cent auf 1,90 Euro und für Erwachsene um 90 Euro auf 2,90 Euro zu erhöhen. Doch eine einmalige Sonderumlage noch im Jahr 2018 – das verweigern die Mitglieder dem KSB.

Stattdessen hagelt es harsche Kritik. Es gibt viele Detailfragen an Vorsitzenden Clemens Löcke und seine Vorstandskollegen. Sie müssen sich vorwerfen lassen, ein Etat-Desaster verschwiegen, möglicherweise fahrlässig gehandelt und den Vereinen die Notlage zu lange verschwiegen zu haben.

Glück und Verhandlungsgeschick kommen Löcke in letzter Minute zugute: Er kann den benachbarten KSB Hildesheim dazu bringen, 2019 die Kosten für zwei Personalstellen zu übernehmen. Zudem sagen ihm Sponsoren und Spender Finanzhilfen über 9000 Euro zu.

Dennoch habe der Vorstand bei den Vereinen viel Vertrauen verspielt, sagen viele Vorsitzende. Der KSB, meint etwa Andreas Maniora vom Fußballclub Viktoria Thiede, „ist nochmal mit dunkel-dunkelblauem Auge davongekommen.“

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