Sexualdelikt – neue Ermittlungen gegen vorbestraften Lehrer

Lebenstedt  Der Pädagoge einer Realschule in Salzgitter wurde im Vorjahr bereits wegen Bestechlichkeit und des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt.

Ein Lehrer der Gottfried-Linke-Realschule Lebenstedt chattete intensiv mit Schülerinnen. In den Unterhaltungen offerierte er bessere Noten gegen Gefälligkeiten. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut gegen ihn – wegen des Verdachts eines Sexualdeliktes.

Ein Lehrer der Gottfried-Linke-Realschule Lebenstedt chattete intensiv mit Schülerinnen. In den Unterhaltungen offerierte er bessere Noten gegen Gefälligkeiten. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut gegen ihn – wegen des Verdachts eines Sexualdeliktes.

Foto: Symbolfoto: Jens Kalaene / picture alliance /dpa

. Hat sich ein junger Lehrer doch an Schülerinnen vergriffen? Weil er minderjährigen Mädchen in mehr als anzüglichen Chats gute Noten gegen Gefälligkeiten – etwa ein Nacktfoto – anbot, wurde ein Realschullehrer aus Salzgitter bereits wegen Bestechlichkeit verurteilt. Eine weitere Strafe erhielt der Pädagoge, weil die Polizei bei ihm Kinderpornografie fand. Konkrete sexuelle Übergriffe ließen sich dem Mann bisher aber nicht nachweisen.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig jedoch erneut gegen den Lehrer der Gottfried-Linke-Realschule: Er steht im Verdacht, ein Sexualdelikt begangen zu haben. Das bestätigte Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, unserer Zeitung. Details aus dem laufenden Verfahren nennt die Staatsanwaltschaft nicht.

Konkret soll es nach Informationen unserer Zeitung um den möglichen sexuellen Missbrauch eines Mädchens gehen. Die Vorfälle liegen bereits mehrere Jahre zurück, die Betroffene war zu diesem Zeitpunkt minderjährig. Ihr genaues Alter ist nicht bekannt.

Die Frage, ob der Kontakt in diesem Fall ebenfalls an der Schule zustande kam, lässt die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt wegen der noch laufenden Ermittlungen offen. Anzeige hatte das mutmaßliche Opfer im Oktober erstattet – nach der Berichterstattung zu den bisher bekannten Vorwürfen gegen den Mann.

Im Vorjahr war bekanntgeworden, dass der Lehrer einer Realschülerin in einem Chat bessere Noten gegen Zusendung eines Nacktfotos in Aussicht gestellt hatte. Die 14-Jährige ging darauf ein. Zuvor hatte der damals 33-Jährige bereits nach einer konkreten sexuellen Gefälligkeit gefragt, was das Mädchen aber ablehnte. Das Amtsgericht Salzgitter verhängte auf dem Wege des Strafbefehls eine zehnmonatige Bewährungsstrafe gegen den Pädagogen.

Im gleichen Chat machte er gegenüber zwei weiteren Schülerinnen ähnliche Angebote. Hier ging es um „Küsschen“. Strafrechtlich greifbar war dies in den Augen der Staatsanwaltschaft nicht. Auch, dass er vor den Mädchen mit expliziten Fotos prahlte, die ihn offenbar beim Sex mit einer Kollegin zeigten, blieb ohne Folgen.

Gegen den Strafbefehl des Amtsgerichtes legte der Mann Einspruch ein, akzeptierte die Strafe aber letztlich doch. Nicht zuletzt, um eine öffentliche Hauptverhandlung zu vermeiden, zu der es andernfalls gekommen wäre.

Polizei fand Kinderpornos

Fast zeitgleich wurde im vorigen Herbst bekannt, dass das Amtsgericht Braunschweig den Pädagogen wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornografie zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt hatte. Das Material fand sich auf seinem Computer. Ermittler waren bei einer Hausdurchsuchung zufällig darauf gestoßen.

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe ist der Lehrer nach Auskunft der niedersächsischen Landesschulbehörde vom Schuldienst freigestellt. Dem sofortigen Verlust seines Beamtenstatus’ entging der Familienvater. Auch durch einen Kniff: Weil er die vom Amtsgericht Braunschweig verhängte Geldstrafe umgehend beglich, verhinderte er, dass aus beiden Verurteilungen eine Gesamtstrafe gebildet wird. Hätte die bei über einem Jahr Freiheitsstrafe gelegen, wäre er laut Gesetz automatisch aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden. Dem kam der Lehrer zuvor.

Auch der zweite Absatz des gleichen Paragrafen im „Beamtenstatusgesetz“ kommt in seinem Falle nicht zum Tragen: Er regelt, dass Staatsdiener im Falle von als besonders schwerwiegend empfunden Taten schon bei einem niedrigeren Strafmaß aus dem Dienst entlassen werden. Dazu gehört Bestechlichkeit. Doch weil seine Strafe nicht nach einer Beweiserhebung im Rahmen einer Hauptverhandlung mit dem Urteil eines ordentlichen Gerichtes verhängt wurde, sondern auf dem Wege eines Strafbefehls, läuft dieser Passus hier ins Leere.

Um den Mann die Beamtenrechte abzuerkennen, bedarf es nun einer dienstrechtlichen Entscheidung der Landesschulbehörde. Ein entsprechendes Disziplinarverfahren wurde in dem Moment wiederaufgenommen, als die Verurteilungen rechtskräftig wurden, erklärt die Behördensprecherin Bianca Schöneich.

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